Tag 1 Wien – San Francisco/ Glaub mir, morgen bist du wieder normal

ughafen

Der Tag hat 27 Stunden. Vierzehn davon im Flugzeug, wo jedes Zeitgefühl flöten geht. Zwischenstop in London Heathrow, vier Stunden Aufenthalt im Terminal 3 mit den anderen Gelangweilten, die herausgefunden haben, dass es kein W-Lan gibt, dass dafür der Kaffee bei Strabucks viel weniger kostet, als zu Hause (in meinem Fall zumindest), dass man aber verdammt noch einmal in Britische Pfund umtauschen muss, um an die Double Shot Latte zu kommen und dass da, beziehungsweise in den Spesen, der Hund begraben liegt. Am Ende kommt es dann doch teurer.

Und was machen Menschen, die warten müssen und deren Bewegungsradius eingeschränkt ist? Sie a) essen, b) lesen/hören Musik oder c) schlafen auf neben und unter den spärlichen Bänken, die Füße und Ellbogen auf ihren Koffern, nur um die Zeit zu töten, die so erbärmlich dahinkriecht. So ähnlich ist auch das Programm im Flug von London nach San Francisco. Essen, Entertainment, Schlafen, Zeit verbrennen.

Das Flugzeug ist doppelstöckig und es gibt eine Bar, eine Bar!, trotzdem bleibt dem/der StandartpassagierIn nur so viel Platz, wie die Schultern breit sind und die Knie lang. Draußen knallt die Sonne gegen das Fenster, den ganzen langen Tag. Der hat für mich schon um 04:00 begonnen. Man steht auf und dehnt die Beine, geht aufs Klo, nur um sich zu bewegen und drückt sich durch die engen Reihen, wo die Leute die Schuhe ausgezogen haben und unter den roten Decken versuchen, den Schäden der Klimaanlage zu entgehen.

Wir fliegen über Grönland und unten treibt Eis, über Canada und die Rocky Mountains sind zu sehen und dann kreist sich der schwere Luftkörper über San Francisco ein, ein Zipfel der Golden Gate Bridge ragt aus dem Nebel um Hallo zu sagen, das Finanzviertel strebt hoch und ist sogar aus der Vogelperspektive imposant.

Nach dem Landen und dem Gerumpel mit dem BART im Zentrum von San Francisco, aber was am folgenden Tag wahrscheinlich lebendig und kreativ ist, ist jetzt nervtötend laut, Menschen, die gegen mich und den Koffer hinter mir stoßen, Bettler mit ihren leeren Starbucksbechern in denen ein paar Cent gegen einander klatschen, die Straße zum Hotel in der Gearystreet überschwemmt von Leuten und dann auch noch bergauf. Grantig bin ich nach über 24 Stunden Wachsein und ohne Nacht, und ich mag die Leute nicht, die das Pech haben, meinen Weg zu kreuzen.

Chinatown

Auf der Suche nach Abendessen in Chinatown, wo zwei geschickte Restaurantmitarbeiterinnen einen förmlich zu ihrem Arbeitgeber schleppen, durch die Gasse in der rote Lampions schaukeln. Ich bin immer noch überfordert vom Schlafmangel und den Menschen, und denke an an London, wo alles so ähnlich aussieht. Nur dass es hier ständig bergabbergauf geht und hinter jedem Hügel eine neue Aussicht aufwartet. Ich löffle die Nachspeise dankbar und geniere mich für meine schlechte Laune, Geschenk des Hauses, eine Kugel Grünteeeis mit dem Glückskeks. Und dann nach 27 Stunden schlafe ich traumlos in einem Kabinett mit alten Spiegeln und Troddeln an den Vorhängen.

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