Tag 6 Sacramento Wettkampf

Wieder im Stadion beginnt der Wettkampf der Hammerwerfer in der Altersgruppe 50. Die Amerikanischen Zuschauer haben ihre Fischerstühle mitgebracht und reden über die Athleten und die Ergebnisse, die Sportler selbst wissen, dass es jetzt ernst wird und gehen individuell damit um. Einige ziehen sich zurück, andere drehen noch die Arme wie Windmühlen und hüpfen am Stand, um sich aufzuwärmen.

Der Wettkampf selbst dauert in etwa eine Stunde. Von den zehn Athleten, die gekommen sind, scheiden zwei nach den ersten drei Versuchen aus, die letzten Acht treten in gestürzter Reihenfolge an. Von der Tribüne des benachbarten Baseballstadiums herunter feuert eine Frau ihren Mann an Come on Honey!, was der Kampfrichter gegen Ende des Bewerbs zum Anlass nimmt, den Athleten schmunzelnd mit Honey, your next, aufzurufen. Der Vater ist mit dem schlechtesten Wurf noch vor dem Zweitplatzierten und gewinnt schließlich mit sechseinhalb Metern Abstand zu dem Amerikaner, der Silber bekommt. Die Zuschauer freuen sich über jeden guten Wurf und zeigen sich sehr sportlich, als der Wettkampf vorbei ist, fragen uns, woher wir wären, und lassen sich bestätigen, dass der Weg weit war, dann sagen sie welcome to California und have a beautiful trip!

Bei der Siegerehrung zeigt sich wieder einmal wie langatmig die Österreichische Hymne ist, aber sie wird tapfer bis zum Ende abgespielt, nach der Amerikanischen und der Russischen ein kleiner Einbruch an Feierlichkeit.

Am Abend treffen sich die Athleten beim Mexikaner im Old Town und wir reden über den Sport und über die Unterschiede in den Länder, die Kalifornier lernen von den Dänen, dass man in Dänemark wohl Langlaufen, aber nicht ordentlich Skifahren gehen kann und die Texaner erzählen, dass starke Stürme immer wieder ihre Vorgärten verwüsten.

Wir stellen fest, dass von den Amerikanern tatsächlich jeder mindestens zwei Großelternteile aus Europa hat und lachen über die Wortfetzen Deutsch, Italienisch oder Polnisch, die sie sich aus ihrer Kindheit gemerkt haben. Dann, später kommen die Geschichten über die Erlebnisse am Sportplatz und die jung gebliebene Juliet, die Frau des Diskuswerfers Ted, erzählt, dass sie dabei war, wie ein alter Mann am Sportplatz von einem Diskus getroffen wurde und zwei Tage später daran verstarb und Per, der Däne sagt, dass er selbst einen Diskurs an die Stirne bekommen hat, vor Jahren, und dass der Metallrahmen, nicht aber sein Schädel gebrochen war, und der andere Däne sagt, während er Avocadopürree in seinen Burrito streicht, dass er gesehen hatte, wie der Draht eines fallenden Hammers einem Kampfrichter den Arm gebrochen hatte. Die Geschichten könnten wohl ausgeweitet werden, aber am anderen Ende des Tisches bricht schon wieder Gelächter über ein neues Thema aus und ich bin froh darüber.

Der Pina Colada kommt mit einem Häubchen Schlagobers, gekrönt von einer Kirsche und er ist süß und cremig, außerdem bekommt jeder Gast ein Glas mit Wasser und Eis und eine Schüssel Maistacos. Wir gehen, als die Kellner die Sessel auf die Tische stellen und das Besteck in weiße Servietten wickeln. Vor der Tür werde ich gedrückt von den Hammerwerfern und den Diskuswerfern, diesen ganzen Wikingern und von ihren hübschen Frauen und alle sagen what a nice evening und see you next year und let’s stay in touch!

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