Tag 12 L.A.-Las Vegas

Obwohl über das Wochenende ein Teil der Autobahn gesperrt war und jeder, den man fragte, prognostizierte, dass es zu einem schlimmen Verkehrschaos kommen würde, ist der Fluss der Autos normal, vielleicht sogar besser, als an normalen Tagen. Das Theater, das rund um den gesperrten Abschnitt veranstaltet wurde, war scheinbar ausreichend, die vorsichtigen BewohnerInnen LA schon von vornherein dazu zu bringen, ihr Auto stehen zu lassen oder über das Wochenende der Stadt den Rücken zu kehren.

Der Weg nach Las Vegas dauert in etwa fünfeinhalb Stunden, und er führt aus einer halbwegs grünen Gegend in die Wüste. Schon bevor man in die Stadt kommt, wachsen die ersten Kasinos aus dem Boden, in Baker sind sie absurde Karikaturen von Farmhäusern, aufgeblasen auf Wolkenkrazerhöhe, dazwischen windet sich eine Achterbahn durch die Leuchtreklamen.

Schon von Weitem heißen die wirklich großen Kasinos die Ankömmlinge der Wüstenstadt willkommen, ihre Namen sind bekannt und rollen im Mund wie Perlen, The Mirage und Bellagio und Flamingo und die Häuser strecken sich prunkvoll nach oben hin, mit glitzernden Fassaden und leuchtenden Füßen, wo sich Menschen tummeln wie Ameisen. Die Werbungen versprechen die besten Buffetts, Shows und Gewinnchancen, drücken sich mit der Größe von Einfamilienhäusern ins Bewusstsein.

Und die Luft ist heiß, erschlagend, im schlimmen Kontrast zu den klimatisierten Innenräumen.

Ich checke ins Cesars Palace ein, eine Halle ist bombastischer als die andere, und schon bevor man zur Rezeption kommt, blinken die Spielautomaten.

Am Abend wird es voll auf den Straßen, da kommen diejenigen, denen die Hitze des Tages zu anstrengend war, oder die bis jetzt geschlafen haben, und bevölkern die Gehsteige des Las Vegas Boulevards, einige mit Plastikflaschen, die wie Wasserpfeifen geformt sind, in den Händen. Aus jedem Eingang und von jeder Werbetafel schallt Musik, oder werden die Angebote herabposaunt, am Straßenrand stehen Keiler und drücken den Vorbeigehenden Bilder von nackten Frauen und den entsprechenden Telefonnummern in die Hände. Auch in einigen Kasinos tanzen zwischen den Spieltischen Tänzerinnen an Stangen, oder in Käfigen, kaum wahrgenommen von denjenigen, die sich auf die Zahlen, Karten und Würfel konzentrieren.

Die Strechlimos und Luxushummer stehen im Stau des Strips, aus den Fenstern winken Hände mit Gläsern.

Die Fontänen vor dem Bellagio entfalten sich zu klassischer Musik und sind so anders, als das spitze, schnelle Rundherum, eher passt hier der Vulkan dazu, der vor dem Mirage jede Viertelstunde Feuerflammen in die Luft speit.

Gibt es einen Teufel, dann lebt er bestimmt hier, im obersten Stock des MGM vielleicht, und lächelt herunter auf die

Besucher seiner Stadt, die auch bei Nacht von der Hitze geplagt ist.

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