Tag 21 San Diego

Das Leben beginnt gemächlich, in San Diego. Am Vormittag stehen die Türen der Geschäftslokale offen zum Lüften und am Gehsteig unterhalten sich Menschen mit Besen in den Händen.

Vor der Stadt liegt die Insel Coronado, eine Idylle der Reichen, wo sich die Gärten der Villen aneinander schmiegen und jedes Haus scheinbar mit dem Wunsch gebaut wurde, den eignen Stil zur Vollendung zu bringen. Es gibt kein einheitliches Aussehen, sondern eine Vielfalt an Villen, deren ArchitektInnen mit einem ordentlichen Budget ausgestattet worden waren. Der Strand breitet sich weit und weich aus, für die Lifeguard ist eine eigene Strecke freigehalten, über die sie mit ihren gelben Jeeps rollen. Im Wasser, das an die achtzehn Grad hat, stehen Menschen bis zur Hüfte und ziehen die Bäuche an, wenn eine Welle kommt. Plötzlich deuten sie nach draußen, ohne große Aufregung und ich sehe Delfine, zwei oder drei. Ihre Finnen kommen den Badenden nahe, nur die Bahn einer Welle ist zwischen ihnen. Sie ziehen weiter.

Am Strand suchen die Möwen, die groß sind, als kämen sie aus einem Hitchcockfilm, nach Badestätten, welche von ihren Besitzern verlassen wurden. Entdecken sie ein Handtuch, auf dem eine Tasche steht, kommen sie näher und recken die Hälse, umrunden die Tasche bis sie die Papierverpackungen ausmachen, in denen Bagels stecken, oder Muffins, dann greifen sie an und zerren so lange, bis sie haben, was sie wollen. Ein ganzes Rudel ist es dann an Vögeln, die es plötzlich eilig haben, handtellergroße Brocken Brot davon zu tragen oder, noch besser, sofort zu verschlingen. Meistens kommen die Badenden noch rechtzeitig um zu sehen, wie ihr Mittagessen im Sand verteilt und mit triumphierendem Kreischen verschleppt wird.

Das Hotel del Coronado ist ein Schloss am Strand, mit eigenem Kräutergarten und einer Geschichte, weil es im amerikanischen Maßstab ziemlich alt ist. 1888 gebaut war es von Beginn Gaststätte für die Reichen und Berühmten, L. Frank Baum schrieb hier sein Wonderful Wizard of Oz und Marilyn Monroes Some Like it Hot wurde 1958 hier gedreht.

Das Old Town von San Diego ist zum Teil ein Freilichtmuseum, das Einblick gibt in die Geschichte der Stadt. Wells Fargo zeigt einige Postkutschen und hinter Glas kann man Morsemaschinen und Goldnuggets bestaunen, am Hauptplatz kommt aus den Restaurantgärten mexikanische Musik und der Geruch von Burritos und Käse, kurz muss man überlegen, ob man noch in den USA, oder doch vielleicht schon 30 Meilen südlich, in Mexiko ist.

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