Tag 24 New York

Um mit den drei Stunden Zeitverlust, die man auf der Strecke von San Diego nach New York hatte, umgehen zu können, schläft man länger. Der Morgen beginnt geruhsamer, schon alleine deswegen, weil es früher Nachmittag ist, als wir endlich auf die Straßen hinaus kommen.

Mit den Ubahnen kommt man schnell voran, angenommen, sie kommen sofort. Die Wartezeiten sind um einiges länger, als von Wien gewohnt, dafür ist es möglich, mit manchen Linien besonders flott weiter zu kommen – es sind Expresslinien, die nur an bestimmten Stationen halt machen. Nicht alle Züge sind klimatisiert und die, die es nicht sind, werden zu Riesensaunas, in denen die Menschen schwitzen und mit ihren Zeitungen oder Händen fächern, die Augen rollen und mit ihren Sitznachbarn darüber schimpfen, dass es unerträglich ist. Und das ist es wirklich.

Das Stephen A. Schwarzman Building, eine der vielen Public Libraries, liegt neben einem Park, in dem auf einer Bühne eine Ballettaufführung geübt wird, ohne Musik, nur die Lehrerin steht in buntem Fummel unten und ruft hinauf one and two, three, four, don’t look down!, five and six-, in der Bibliothek drinnen ist es leise, trotz der vielen Touristen, deren Taschen durchsucht werden, beim Hinein- und Hinausgehen.  In einem Flügel, zwischen den Büchern über Englische und Amerikanische Literatur, sitzen Leute, die tatsächlich lesen und arbeiten, und welche, die in einer Hand den Fotoapparat und den Stadtplan haben, einen Einkaufssack von Juicy Couture oder Hollister oder Aeropostale um das Handgelenk, die Füße heiß in den Sneakers. Sie starren gegen die aufwendige Deckenkonstruktion und denken wahrscheinlich an etwas ganz anderes.

In der Grand Central Station herrscht wieder nervöses Treiben, hier kommen Züge und Subways zusammen, die Menschen, die es eilig haben, woanders hin zu kommen und die, die herumstehen um Fotos zu machen, um Geld zu erbitten, um Werbung zu machen, um auf jemanden zu warten.

In New York ist es auch möglich für den New York Athletic Club einen Jahresbeitrag von beinahe achttausend Dollar zu verlangen und den Mitgliedern Kleidervorschriften zu machen. Wer nicht in Hemd und langer Hose kommt, darf nicht beim Haupteingang herein. An Mitgliedern mangelt es dem Club, der aus einem ganzen Hochhaus besteht, trotzdem nicht.

Chinatown liegt im Südosten von Manhatten und verspricht dem Reiseführer nach, bunt und aufregend zu sein, nirgendwo sonst im Westen leben so viele AsiatInnen in einer Stadt. Zur falschen Zeit dort, spät Abends nämlich, ist die Canalstreet, die nach Chinatown führt, schmutzig vom Tag. Neben dem Ubahnaufgang bieten Männer Prada und Guccitaschen um zwanzig Dollar, weiter in dem Viertel ist dann gar nichts mehr los. Die Rollläden sind heruntergezogen und die wenigen Shops, die noch offen haben, verkaufen Uhren, Parfums, Taschen und Kinderspielzeug, alles in einem kleinen Raum, zu billigen Preisen. Um dreiundzwanzig Uhr machen auch die meisten Restaurants dicht, dann schläft Chinatown.

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