Tag 26 New York

Um Manhattens Skyline sehen zu können, bietet es sich an, von draußen herein zu kommen, über die Brooklyn Bridge. Leider ist es heiß, so heiß, dass sich alle, die über die Brücke komme, den Schweiß von den Stirnen wischen und nur wenig Freude daran haben, an der Brüstung zu lehnen. Hinunter sieht man kaum, denn die Straße für die Autos verläuft direkt unter der Fußgängerbrücke, außerdem wird gearbeitet und dafür sind Planken aufgestellt worden. Die Blicke, die auf die Hochhäuser fallen, sind dennoch beeindruckend, die Stadt steht da wie hingemalt. Auf dem bronzenen Schaubild in der Mitte der Brücke ist das World Trade Center noch eingezeichnet. Jemand hat R.I.P darüber geritzt.

Im Schatten des Washington Parks liegen Leute unter den Bäumen und sehen dem Treiben im Brunnen zu. Die Fontaine ist wie das Licht für Fliegen, Kinder stehen gebadet im Wasser und Erwachsene halten die Füße in die Abkühlung. Ein Mann badet sich sowohl im Wasser als auch in der Aufmerksamkeit der anderen. Unter dem Triumphbogen des Parks spielt ein Student auf einem Klavier, die Musik weht bis zu der Gruppe von Trommlern, die etwas weiter weg sitzen.

Die beste Sicht auf die Stadt bekommt man aber erst, wenn man sich nach oben begibt, hinauf, hinauf. Das Rockefeller Center hat hierfür in einem der vielen Türme, dem GE Tower (zweitgrößtes Hochhaus New Yorks) eine Aussichtsplattform errichtet. Von Top of the Rock aus überblickt man – wie ein Kapitän das Meer – die Häuserschluchten und silbernen Hälse, die sich rund herum aufrichten und nach oben blinzeln, dazwischen der Central Park, ein grüner Teich. Ist das Licht richtig, fühlt man sich ein wenig wie eine Taube, die hochgetragen wurde, oder wie ein Adler, für diejenigen, die mit Tauben nichts anfangen können.

Der Broadway ist unglaublich lang, er zieht sich durch halb Manhattan, nur da, wo er die 42th Street schneidet, wird er für TheaterliebhaberInnen interessant. Selten hat man so viele Stücke auf einem Haufen und am Abend, wenn die Vorstellungen gegen elf Uhr enden, strömen aus den verhältnismäßig kleinen Ausgängen auf einmal Massen an beschwingten TheaterbesucherInnen.

HAIR spielt es im St. James Theater, in einer Seitengasse zum Broadway, der 44th, und es wird eine Lottery um die ersten beiden Reihen veranstaltet – das heißt, man gibt seinen Namen an und kann, wird man gezogen, zwei Karten um jeweils 27 Dollar kaufen. Dionysos war uns hold und ließ uns Tickets für die erste Reihe Mitte gewinnen, eine dritte Karte auch nicht weit entfernt gab es noch dazu, damit wir alle einen schönen Abend hatten. Hair hat für mich eine lange Geschichte und ich habe es mit dem Wahnsinn einer Vierzehn bis Sechzehnjährigen im Raimundtheater verfolgt. Deswegen wusste ich auch, dass Berger gleich zu Beginn des Stückes mit den Leuten der ersten Reihe redet – neu war, dass er meine Mutter als die Seinige erkannte – wow, my mum is here – und umarmte. Die Tatsache, dass sie aus Austria kommt sorgte für freundliches Gelächter im Publikum. Durch die späten Sechziger getragen verging der Abend in einem Taumel an Farben und Melodien, am Schluss wurde Let the Sunshine in gegeben, während das Publikum, soweit die Kapazität dafür da ist, auf die Bühne darf um mit den DarstellerInnen zu tanzen.

Nachher gab es noch ein Foto mit Mamas neuem Sohn, Steel Burckhardt aka George Berger. Die Straßen rund um den Times Square sind immer noch voller Menschen, die den Trubel suchen und im Licht der Reklamen der Nacht entkommen wollen.

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