Von Rotkäppchen und Jaguaren am Nationalfeiertag

Wohin drängt es einen am arbeitsfreien Nationalfeiertag, hinaus auf die Straße, hinaus, die anderen anschauen, die auch draußen sind und das sind einige. Aber nicht in den Restbezirken Wiens, dort ist es still, dunkle Geschäftsvitrinen, Parkplätze – ein Ding der Unmöglichkeit – und aus dem einen oder anderen Fenster quellend eine Fahne, selten gesehen, nur noch an den grauen Gemeindebauten, dort müssen sie flattern. Dort, wo sie kaum jemand sieht, weil sie alle drinnen sind, in der Stadt, im Ersten. Ein kurzer Vorgeschmack auf die Zeit, wenn die Christkindelmärkte wieder aus dem Boden wachsen und mit ihnen die Reisebusse, die Menschen aus den umliegenden Ländern heranschippern.

Die Orte des Geschehens sind Michaelator und Heldenplatz, ausgerechnet dort. In den Tagen zuvor sind Panzer und Hubschrauber und weiß der Teufel was alles angekarrt worden, um die Wiese des Platzes zu zerknautschen, graugrüne Metalldinger, diese Fremdkörper, die da aus den Menschengruppen herausragen. Kinder in bunten Winterjacken, die hinein und herausgehoben werden aus den Kriegsattrappen, an Gewehren hantieren dürfen und mit aufgeblasenen Backen imaginäre Kugeln abfeuern, die Eltern überfordert von der plötzlichen Gewaltlust des Nachwuchses und dem Langos in der anderen Hand, und wenn es kein Langos ist, ist es eben eine Käsekrainer oder ein Pappendeckelteller mit Schinkenfleckern, sehr österreichisch, sehr kohlenhydratlastig.

Auf dem Platz vor der Nationalbibliothek fahren heute Wagen spazieren mit Rädern, die sicher alle Spezialnamen haben und sie schießen und wackeln und machen eine Menge Lärm, rundherum die begeisterte Meute, wenn der Jaguar angreift, so ein hässliches Ding, Rauch steigt auf und einige klatschen, die meisten machen aber nur Aufnahmen mit ihren Smartphones, die andere Hand in der Jackentasche, wo es nicht so kalt ist.

Zwischendurch kommen Menschen vom Himmel gefallen, in rotweißroten Fallschirmen und landen graziös auf der Zufahrtsstraße, allgemein bewundert, dass sie da so genau hingetroffen haben, das ist ja fast wie in Amerika.

Zwischen den offensichtlichen Feiertagsbesuchern, denen, die hin und wieder ein Foto machen, das eine Fahrzeug angreifen, mit angezogenen Schultern vor dem Hubschrauber stehen und darauf warten, dass etwas passiert, ihre Kinder aus den Panzern zerren und ihnen dann ein Zuckerwatte kaufen, zwischen denen finden sich die Offiziellen, die Heeresmenschen und die sind schnell an der unfeierlichen Wahl der Kleidungsfarbe zu erkennen, es überwiegen die Erdtöne. Einige bewachen das Metallzeug, einige zeigen, wie schnell sie einen Baumstamm zersägen können, andere geben willig Auskünfte, andere werden angelobt.

Und dann sind die ganz kuriosen unterwegs. Eine Gruppe an Musikern in Kaiserstracht, mit gelber Flagge und schwarzem Adler, ein Pärchen mit Couleur und  zum Glück ohne Degen, und dann noch die ganzen Vögel in ihren Phantasieuniformen, die sich unter das Volk mischen und ihre Orden blitzen lassen und sie sind auf jeden Fall die Einfallsreichsten.

Und was wird gefeiert außer den Uniformen und den Käsekrainern? Das wissen nur die Klugscheißer.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s