MUSE

Stadthalle an einem Nebelnovembertag, drinnen die Farbexplosion und Schweiß zwischen den Schulterblättern, aber langsam. Die Stehplatzkarte kostete 55 Euro und sie offenbart, dass als Vorband ein Special Guest auftritt und um 18:00 Einlass ist, aus Skepsis und Erfahrung kommt man um 19:30 aus der U6, nicht alleine und wandert mit der Herde vor zur Stadthalle, am Weg vorbei bei Leuten, die noch Karten verkaufen und schauen sie vertrauensselig aus ? – egal – drinnen staut es sich schon, keine Vorband, die beginnt erst kurz nach dreiviertel Acht, Everything Everything und sie sind würdig, aber arme Schweine. Der Vorbandfluch, wegen dir sind die Leute nicht hier, und weck sie einmal auf, die Unterkühlten, die direkt aus einem grauen Tag kommen, gegen Ende haben dann ein paar die Hände oben, auch weil sie wissen, dass das jetzt das letzte Lied ist, bevor es so richtig losgeht.

Die Umbauphase erstickt wieder ein bisschen vom Feuer, das sich die Vorband so mühsam erarbeitet hat, man schaut zu, wie vier Männer an Seilen nach oben gezogen werden zu den Scheinwerfen und ahnt, dass da mehr kommt. Wir überbrücken die Zeit, in der nichts passiert und nur das brutale Geschiebe begonnen hat, und dann bricht die Zwischendurchmusik endlich ab und Dunkelheit berauscht das Publikum. The 2nd Law: Unsustainable eröffnet mit einer Lichtflut, die die letzten aufweckt und knallt bis ganz hinauf zu den fast ausverkauften Rängen. Die Präsenz der Musiker wird durch den Einsatz von dieser ganzen fancy Technik übersteigert, dass einem die Gänsehaut kommt. Alles blinkt, leuchtet, schwappt durch das Publikum und wirbelt es auf, der Sound kommt präzise und so perfekt mit dem Licht abgestimmt, dass der ganze Raum zur Bühne wird. Und dann fährt von oben die Bildschirmpyramide herab, erst beim dritten Lied, Bliss, ein fünfstöckig verschiebbares Gebilde und metamorphisiert durch die Show hindurch. Resistance und zum ersten Mal wird gesprungen, im Takt mit den engen Nachbarn, sonst wird es ungemütlich und dann Supermassive Black Hole, Animals kühlen wieder ab und zum ersten Mal kommt die Pyramidenwand als Trägerin des Musikvideos in Einsatz. Ein Glasflügel fährt aus dem Boden der Bühne, mit offenem Verdeck und darin zuckenden Anschlägen, Bellamy balladisiert Explorers so zart, dass mir der Gedanke kommt ich würde es gerne an meinem Begräbnis hören, bei Sunburn zeigt er seine Geläufigkeit auf den leuchtenden Tasten und die Hitze in der Halle steigert sich gefühlt. Dass das Klavier wieder versenkt wird ist schade, aber keine Zeit daran zu denken, Time Is Running Out und alle springen, die Dynamik tritt uns los. Keine Zeit zu Verschnaufen, obwohl man aus allen möglichen Schichten gefallen ist Liquide State treibt uns weiter, Wolstenholme singt und ihm gehört die Bühne, dann das erlösende Madness, die Laser schneiden über unsere Köpfe hinweg die Trockeneisnebel und der Rhythmus kühlt uns runter.

Follow Me überstrahlt die vorigen Lieder, der Beat beugt uns in der Mitte, dann ziehen wir uns wieder zurück Undisclosed Desires lässt uns die Augen schließen und wir wiegen uns ruhiger während Bellamy von der Bühne kommt und am Publikum vorbeistreift, die Stille bleibt nicht sondern wird rausgefetzt von dem starken Intro, das Plug In Baby aufbietet, überschnellt noch von Stockholm Syndrom, die Lichtpyramide stülpt sich über die Musiker – Isolated System, wie genial. Kurz der Gedanke an das nahe Ende, das wäre ein zu schöner Schluss, aber sie kommen mit Uprising zurück, und wieder diese bestechende Titelwahl. Survival folgt und wieder ist dieses leuchtende Klavier auf der Bühne. Bei Starlight trübt sich der Himmel, denn das Ende steht knapp bevor, das ist jetzt allen klar. Auf den Rängen haben sie sich zum Mitklatschen endlich erhoben, dann als letztes Lied, eingeleitet mit Ennio Morricones Lied vom Tod, Knights of Cydonia. Wir reiten mit und grölen, was an Reststimme noch da ist zur Bühne hinaus.

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