1/Wien – Ho Chi Minh City. 9140 km gegen die Zeit.

SaigonDer erste Tag in Saigon beginnt mit dem Abend. Aber vor dem Abend kommt der Abflug am Vorabend von Wien nach Berlin, von Berlin nach Abu Dhabi von den Emiraten nach Saigon, das ist anders gesagt Gepäckkontrolle, Einchecken, Durchchecken, Wasserflasche austrinken und dann am Klo wieder nachfüllen, einmal, zweimal, dreimal sitzen, dazwischen das richtige Gate suchen und warten, warten, warten. Von einem Flugzeug ins andere, dazwischen eine schwarze, dann eine gestreifte Decke aus der Folie packen und um die Beine wickeln, weil die Klimaanlage bläst, den Flugbegleiterinnen zusehen, wie sie Saft und Tee und Kleinigkeiten darbieten, schlafen, wach sein, essen, warten. Und dann endlich ankommen in den sauberen Hallen des Flughafens, draußen ein Taxi organisieren und in die Stadt fahren, wo es dunkel ist, weil die Sonne schon wieder weg ist. Die Klimaanlage im Wagen funktioniert, ich schaue hinaus, wo Happy New Year 2014! Schilder und Suppenküchen vorbeigezogen werden und die vielen Mopeds, die tragen schwer hier. Wenn wir halten, stehen rechts von uns die Motorroller mit ihren drei, vier Aufsitzern, ganze Familien auf einem Gefährt, und alles funktioniert auf eine seltsame Weise. Es ist leiser als damals in Delhi und die waghalsigen Überholmanöver mancher Mopedfahrer kosten mich keine Aufschreie mehr, auch nicht, als an einer Kreuzung alle vier Seiten auf einmal losfahren; eine scheinbar stille Absprache darüber, wer wann wo vorbeifahren darf, lässt die Lichter passieren, rechts und links und entgegen, dann löst sich die Quadrille auf, weil die Ampel auf rot umgesprungen ist.
Mein Hotel liegt in einer Seitengasse, der Fahrer parkt außerhalb und deutet über Schulter, während er das Geld nachzählt. Mein Zimmer ist ganz oben im fünften Stock, einen grauen Spind zum Versperren gibt es, Klimaanlage, Waschbecken mit goldrotem Blumenmuster, sehr motivierte Fliesen, deren Borte einen Teekocher und Obst zeigt, im Bad ein Plastikkübel mit Schöpfer unter dem Hahn, die traditionelle Form der Dusche. Ich zahle für vier Nächte, dann mache ich meine Willkommensrunde draußen. Es ist gegen halb neun, als ich losgehe und schnell eröffnet sich die Gasse zur touristischen Hauptstraße hin, wo das Leben auf kniehohen Plastiksesseln entspannt, mit Bier, Zigarette, Reis, mit Billard und dröhnendem Bass, mit Garküchen und Krabben, Muscheln, Hühnerbeinen, mit frittierten Aalen und Tintenfischen.

Garküche Würde ich den Meerestieren frönen, wäre ich hier richtig, so aber freut sich mein Herz über die frischen Obstshakes, die angeboten werden. Die Frau, die das Obst schneidet, trägt ein goldenes Armband, in ihren Haaren hängen ein paar Zuckerkörner, die hat sie wohl vorher am Handrücken gehabt. Mit dem Guaven-Shake geht es mir noch besser, gleichzeitig wird die Straße enger und die Musik aus den Bars lauter, bis es plötzlich mit der nächsten Kreuzung aus ist. Gegenüber verparken Autos und Mopeds die Seiten der Straße, aber die Nachtwanderer bleiben auf der hiesigen Seite der Kreuzung. Meine Runde endet wieder im Hotel, die Dusche wartet auf mich, das Bett und das Fenster, das gekippt ist. Als ich den Vorhang weghebe, fliegt eine Fledermaus auf. Ich höre sie, wenn sie von ihren Beutezügen zurückkommt, dann dockt sie an den Fensterstock. Es ist nett, dass sie da ist. Der Tag war lang, morgen bin ich dann richtig hier.Fruchtshakedame

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