2/Ho Chi Minh. Goldene Pferde überall.

Mopedschläfer

Der Jetlag ist ein Hund. Er bringt mich dazu, mit geröteten Augen im Bett zu liegen und der Fledermaus zuzuhören, anstatt zu schlafen. Und wenig nagt so an der Reisekonstitution, wie den Nachtgedanken nachzuhängen, während man eigentlich nur schlafen will. Gegen fünf Uhr läuten Kirchenglocken und ich muss kurz überlegen, wo ich bin, dann irgendwann schlafe ich doch ein und wache erst gegen Mittag wieder auf, draußen hupen die Mopeds schon ihr Hallo.

Ben-Than Markt

Mein Weg führt mich die Bui Vien Straße, die ich gestern von Touristen überflutet entlang spaziert bin hinauf zum Ben-Thanh-Markt. In der Markthalle sind die Gänge eng, dafür umso mehr überstapelt mit Waren, hinaufgereiht, ein Überfluss, der von den Händlerinnen auch noch in Szene gesetzt wird. Neben Gewand finden sich Schuhe, Taschen, Schals, weiter auf den Seiten Schmuck und Uhren, Rolex um 36 Euro und Nikeshirts um 2, dazwischen sitzen auf ihren Plastikstühlen die Verkäuferinnen mit ihren Smartphones in der Hand.

Fried Rice and Eggs

In der Mitte der Halle spült es die BesucherInnen gegen die Restaurantinseln, hier sieht man in den Glasvitrinen, was es zu essen gibt und man sitzt an den schmalen, verfliesten Theken. Die Speisen bestehen meistens aus Nudeln oder Reis mit Rind, und wenn es kein Rind ist, ist es Huhn, wenn kein Huhn, dann Fisch oder Garnelen. Ich lass mir meine Hoffnung auf ein vegetarisches Mittagessen nicht vom fleischlastigen Angebot verderben und finde Spinat mit Reis und Ei. Die Köchin wischt meinen Platz ab, dann bekomme ich den Teller hingestellt und ein Mädchen schiebt mir noch ein Schälchen mit Sojasauce hin. Und falls mir das rausfrittierte Ei doch zu trocken ist, kann ich gerne vom Einmachglas vor mir Öl nachlöffeln.

Seafood Saigon

Beim Weg hinaus aus der Halle komme ich an einem Stand mit Absonderlichkeiten vorbei, ich habe die Finger noch fettig vom Essen. Der Verkäufer versichert mir, dass es sich um Seafood und nicht, wie ich es vermutete, um getrocknete Penisse mit Saugnäpfen handelt, dann möchte er mich überreden, zwei Seegurken zu kaufen, was ich dankend ablehne.

happy new year 2014

Die Luft draußen ist angenehm, fast dreißig Grad und es riecht nach Yasmin und Robinien. Von den Feierlichkeiten der letzten Tage, dem Fest des ersten Morgens sind die Straßen noch geschmückt, gelbe Blumen überall, Astern, Chrysanthemen und vor allem die herrlichen Hoi Mai mit ihren vollen Blüten. Das neue Jahr ist das des Pferdes, goldene Pferde galoppieren über Hausfassaden und auf Glasscheiben von Auslagen, über Grußkarten und Kalender.

Ho chi Minh City Museum

Ich mach ein Foto vom Wiedervereinigungspalast (ich hab es im Gegenlicht auch noch verwackelt) und entschließe mich dann gegen eine Führung, sondern besuche das Ho-Chi-Minh City Museum. Das Haus, das in den 1860ern gebaut wurde, war ursprünglich ein Palast, der die französischen Kolonialherren beheimatete, dann die Residenz des letzten Präsidenten der Republik Vietnam, nach dem Wiedervereinigungspalast ausgebombt wurde. Ich zahle die 15.000 VDN Eintritt, das sind ca. 50 Cent, und darf so lange durch den Garten und das Haus spazieren, wie es mich freut.

Ho chi minh city museum

Drinnen dominiert die herrliche Holzstiege und die aufwendigen Fliesenböden, die Ausstellung selbst ist liebevoll, wenn auch relativ einseitig gestaltet. Von draußen weht der Gartenduft durch die Fenster und die offenen Türen; es ist ruhig. Die anderen Besucher finden mehr Gefallen daran, sich in den schönen Räumen gegenseitig zu fotografieren, als die Ausstellung allzu aufmerksam zu betrachten und auch ich bin in der drückenden Luft und der gemütlichen Stille wieder schläfrig.

Vincom Center

Mein nächstes Ziel liegt am Ende der Straße, das Vincom Shopping Center. Fünf Stockwerke tief in einem Hochhaus ist das Einkaufszentrum eines der saubersten und hellsten, das ich je gesehen habe. Drinnen riecht es nach Pfirsichblüten und die gläsernen Eingangstüren haben selbst im schrägen Abendlicht keine Fingerabdrücke. Gleich am Eingang begrüßt mich Svarowskigefunkel, dahinter gibt es dann von Mango bis Naf Naf und französischen Bäckereien im Untergeschoss alles, was ich mir hier nicht leisten möchte. Von den durchgestylten Auslagen abgelenkt entgehen mir fast die Toiletten, in denen es dezent nach Zimt duftet.

Saigon Fluss

Wieder auf der Straße hat die Dämmerung eingesetzt. Bevor es dunkel wird, möchte ich aber noch hinunter zum Fluss und zu den anderen Ufern hinüber schauen. Die großen Boote vor Anker beinhalten Restaurants, es riecht nach Grill und nach Flusswasser. Der Song Sai Gon ist braun, aber auf den ersten Blick nicht sehr verschmutzt, er dehnt sich weit aus, am anderen Ufer wünschen Reklametafeln ein gutes neues Jahr. Davor zieht es Touristen an das Geländer des Piers. Ich schaue hinüber zum Hafen mit den großen Frachtschiffen und dann hinunter in die Wiese aus Seerosenblättern im Fluss. Schräg gegenüber pinkelt ein kleiner Junge ins Wasser.

Dann, mit der Dunkelheit, kommen erst die bunten Lichter der Stadt, dann schalten sich die Leuchtketten und Anzeigetafeln ein und der Schmuck des Tet-Festes, dazwischen erhellen die Mopeds die Straßen. Vor dem Rathaus werden Luftballons verkauft, in Dreier- oder Vierergruppen wird von verschiedenen Suppenschalen gegessen, Motorradsitze dienen als Tische.
In den Parks ist es schon finster, aber von einigen Seiten beschallen Radios mit lustiger Musik die Plätze; dort scharen sich die Fleißigen und halten mit Vorturnerinnen ihr Abendworkout ab. Anstatt mitzutun verlege ich mich darauf, die SaigonerInnen und die motivierten TouristInnen dabei zu beobachten, wie sie die Arme und Beine kreisen und den Hampelmann machen, daneben wird Badminton gespielt. Der Tag hat mich angenehm müde gemacht. Ich bleibe etwas länger sitzen und schaue den SportlerInnen zu bist die Musik vorbei ist und sich die Menge wieder zerstreut.

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2 Gedanken zu „2/Ho Chi Minh. Goldene Pferde überall.

  1. Hey Iris,
    habe gerade deine Vietnam-Tour erspät. Ich denke die ersten Eindrücke sind immer gewaltig. Besonders nach dem gerade begangenem Neujahrsfest. Deine Bilder sind wie immer Spitze.
    Viel Spaß weiterhin und – wir beobachten weiter
    Liebe Grüße von Gudrun und Rainer

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