12/ Hué. Barfuß im Museum

Opferrgefäß

Kein Regen mehr, keine feuchtkalten Windberührungen mehr, nichts davon. Ich möchte die Pagode der himmlischen Mutter sehen, sie liegt im Westen der Stadt und der Weg hin geht am Fluss entlang. Nach der ersten halben Stunde stellt mein Knie die seltsamen Geräusche ein, die mich bei jedem zweiten Schritt an meinen gestrigen Ausflug erinnern und auch sonst wird es ruhig. Auf der breiten Straße ist fast nichts los, die Hunde heben kaum die Schnauzen und unten beim Fluss baden Wasserbüffel. In der Nähe der Pagode wird es wieder belebter, chinesische und englische Reisegruppen suchen die besten Fotomotive, derweil wird vor den Altären des Buddha, Bodhisattva und Arhats gebetet.

Chua Thien mu

Das diesige Wetter drückt die Stimmung der Gruppen, ich schließe mich wieder hier und dort an und erfahre von dem blauen Austin, der in einem der Nebenbauten steht. Ein Mönch ließ sich 1963 mit ihm nach Saigon führen, um sich dort, die Beine im Lotossitz, mit Benzin zu übergießen und verbrennen zu lassen, um gegen den Präsidenten zu demonstrieren. Wieder liegt die Ruhe und die Brutalität so nahe beinander, das Besonnene und das Gewalttätige, wie es hier so oft durchdringt. Die Kaiser mit ihren herrlichen Pavillons und Schätzen, die gegen Revolten ankämpfen mussten, die reiche, kräftige Natur, die unter den Entlaubungsmitteln der Amerikaner gelitten hat, und noch immer nicht erholt ist, die Konfuzianer und Kommunisten, die Chinesen und Franzosen, die das Land für sich gewinnen wollten und immer wieder ihre Schlachten geführt haben, die Überbleibseln alter Kulturen und die unzähligen Kriege, die das Land ertragen musste, alles scheint ein ständig zweigesichtiges Profil zu haben. P1080954 (2)

Und heute ist es ruhig, durch die Denkmäler schieben sich Touristen, davor warten die Cyclofahrer und rauchen, in den Suppenküchen auf der Straße sitzt man zusammen und isst, unter den Plastikstühlchen suchen Hunde nach Resten und am Seitenstreifen scheren Hennen mit ihren Küken den Boden auf. Man sieht die Vergangenheit hier nicht, wenn man nur oberflächlich schaut und manchmal scheint das ein wahrer Segen.

Palastmuseum Hue

Im Palastmuseum mit seinem Porzellangeschirr und den Sitzgruppen aus Perlmutt und Edelholz kommen mir die Relikte der Kaiserzeit wie distanzierte Schönheiten vor, aus der Zeit gekoppelt in den Glasvitrinen und den zweisprachigen Beschriftungen. Ich sehe die Festgewänder und Vasen, die Sänfte und das Bett und es fällt mir schwer zu glauben, dass die Gegenstände je in Gebrauch waren, so sauber und ohne Makel sind sie. Die Besucher sind in erster Linie westliche Touristen, die durch das herrliche Gebäude gehen und dabei überraschend leise sind, die Schuhe bleiben auf den Steinstufen des Eingangs stehen.

P1080962 (2)

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