15/ Hanoi – Cat Ba. Tausche Hauptstadt gegen Insel.

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Es fällt mir nicht schwer, die kalte Stadt zu verlassen. In der Früh friere ich mich durch das Frühstück (Eierspeis, zwei Gurkenscheiben, eine Tomatenspalte. Herber Lipton Schwarztee), das in einer Nebennische des Hotels nach einigem Nachfragen dann doch serviert wird und ich habe genügend Zeit, darum möchte ich kein Taxi nehmen, da ich sonst womöglich zwei Stunden bei der Busstation verbringen kann. Die Alternative, noch ein wenig mit dem Schimmelbettzeug zu kuscheln, ist allerdings auch nicht attraktiv, darum mache mich mit meinem treuen Koffer zu Fuß auf zur Busstation, die drei Kilometer entfernt ist. Da es regnet und der Wind auch nicht auf meiner Seite ist, ist es kein allzu freundlicher Weg. Er führt an der Autobahn entlang, wo sich der Morgenverkehr dahin wälzt und am Busbahnhof angekommen bin ich froh, den ersten Teil einer langen Reise hinter mir zu haben. Drinnen sitzen schon eine Handvoll Rucksackreisende, die auch zur Insel wollen, alle angepackt und ausgekühlt. Der Kasernenbeigeschmack der Station wird durch die schnippischen Mitarbeiterinnen unterstützt, man fühlt sich als zahlender Mensch mehr als Bittsteller. Das Touristenrudel wird in den Bus gestrieben, unter den „He!“ und „Hoi!“ Rufen des Nordvietnams, die universell einsetzbar sind und von: „Ich will dein Ticket sehen“ bis hin zu „Willst du eine Stunde von mir durch die Landschaft chauffiert werden“ alles heißen können. Im Bus dann Klimaanlage, weil es draußen ja hitzige 10 verregnete Grad hat und die Verkühlung, die sich über Nacht in den Ohren und in der Nase heimisch gemacht hat, breitet sich gemütlich in mir aus.

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Die Reise geht über fünf Stationen, wir werden von einem Bus zum anderen gescheucht, in ein schnelles Boot und wieder einen Bus. Durch die angeschlagene Scheiben wechselt das Bild der verdreckten Stadt zu dem Industrieviertel von Hai Phong und schließlich zu der schroffen Schönheit der Insel, die sich aus dem Nebel schält. Nach fünf Stunden ist die Distanz geschafft, Cat Ba hat uns Reisende und begrüßt uns mit bissigem Meerwind und feuchter, grüner Fülle.

Es ist Nebensaison, darum sind außer uns kaum Leute hier, wie es scheint, die obligatorischen Touristenfänger umspringen uns zwar, als wir aus dem Bus kommen und versichern, dass es keine freien Zimmer mehr auf der Insel gibt außer dem einen in ihrem Hotel, aber sonst liegen die Straßen und die wenigen Restaurants leer. Die Gruppe aus dem Bus verläuft sich und trifft sich später am Abend wieder in der Straße, die wir zur Hauptstraße erheben. Nach der Hektik Hanois ist es auf der Insel beinahe unheimlich ruhig. Keine Autos, nur hin und wieder ein Moped auf der breiten Straße. In einigen Restaurants lehnen die Besitzer auf den Plastiksesseln und schauen Fern, niemand ist da, um etwas zu bestellen, nur im Marigold Club, einem goldenen Kubus, der zwischen den hohen, chinesischen Häusern vollkommen aus dem Bild fällt, steigt eine Party. Als wir einen Blick hineinwerfen, ist außer dem DJ niemand hier, nicht einmal ein Kellner hinter der Bar. Trotzdem wird der umliegende Stadtteil beschallt. Da es bald dunkel wird, lässt sich die Natur ringsum nur erahnen. Morgen werde ich sie besser kennen lernen, dann geht es für eine Tageswanderung in den Nationalpark.

Cat Ba

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