Stockholm Tag 2// Njut mig.

Gamla Stan

In der Früh, als ich aufwache, schaut Stockholm mit goldenen Augen in mein Zimmer. In Gamla Stan schmilzt die Sonne die Eiszapfen und den Schnee vom Vortag, von den Dächern wehen Eiskristalle und flimmern im Gegenlicht. Im Schatten ist der Wind immer noch bissig, aber wer geht nicht auf der Sonnenseite der Straßen, wenn er es sich aussuchen kann?

Gamla Stan

Mir steht der Sinn nach Abenteuer und ich kaufe mir ein 24 Stunden T-Banan Ticket. Am Stadtplan suche ich mir den Namen aus, der mir am besten gefällt und der am weitesten entfernt liegt. Akalla, klingt großartig, oder Norsborg, oder Österskär  – aber Hässelby strand – da will ich hin.

Stockholm

Meine Vermutung, dass die Tunnelbana irgendwann nur zu einer Bana wird und an die Oberfläche kommt, bestätigt sich dann auch und ich freue mich an dem Himmel, der blau über der Landschaft steht.

Åkeshov slott

Bei Åkeshov steige ich aus, weil ich an einem Verkehrsschild Åkeshovs slott lese und weil es mir hier gefällt. Der Schnee ist noch nicht geschmolzen und liegt sauber auf den Wiesen hinter dem Herrschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert. Es ist Samstag und die Leute gehen mit ihren Hunden spazieren, an der Reitschule vorbei in den angrenzenden Naturpark Judarskogen. In der Allee spielen Meisen und singen Mittagslieder.

Åkeshov slott allee

Ich mache einen Spaziergang durch knöchelhohen Schnee, die Hände in den Taschen wo sie klamm sind. Nichts treibt mich an, mich zu beeilen und das ist mein Luxus. Im Park bleibe ich auf einer Holzbrücke stehen und schaue in das zugefrorene Wasser. Außer den Vögeln höre ich nichts.

Später fahre ich aus Neugierde noch bis zur Endstation Hässelby strand, wo es zu meiner Enttäuschung zwar kein Meer gibt, dafür rauchende Buben, die auf Stunk aus sind. Nur, um einen kleinen, kolonialen Funken auszuleben, ignoriere ich ihr herausforderndes Krähen und mache ein paar Schritte in der Umgebung der Station – Reihenhäuser mit gleichfarbigen Balkonen, bevor mir die Lust vergeht und mich die nächsten T-Banan zurück ins Herz der Stadt bringt. In den Straßen und quer über die Plätze ziehe ich meine Spuren ohne Karte, die Sonnenwärme im Rücken oder auf der Stirne.

Gamla Stan

Die Stadt ist heute gut besucht, das macht das Wetter und das Wochenende. Vom Kai der Altstadt fahre ich mit der Fähre hinüber nach Djurgården, wo ich gestern schon war. Diejenigen, die sich vorne am Bug vom Schiff versammeln sind Touristen, der Rest der Fahrgäste kennt die Fähre und die Möwen und das Wellenplatschen und die leuchtenden Häuserzeilen, die fast direkt ans Meer gebaut wurden und bleibt im Fährenbauch, wo es bedeutend wärmer und weniger zugig ist.

Ladugårdslandsviken

In Djurgården dränge ich mich mit den anderen Wochenendlern durch Liljevalchs Konsthall, dann spaziere ich zurück in die Altstadt. Heute muss die Wache nicht dem Schneeregen entgegenhalten, aber trotzdem hat sie Rosen auf den Wangen. Der Himmel würde den Frost nicht vermuten lassen.

In der Västerlanggåtan, kurz vor meinem Hotel, passt mich Stockholm ab und blinzelt mir einmal zu. Ich verstehe, was es meint: Hab ich es dir nicht gesagt, min kära? Tack så mycket, liegt mir auf der Zunge. Der Abend dämmert über den engen Gassen herauf. Ich mache mich auf den Weg.

Gamla Stan Kungliga Slottet Wache

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