Tag 17 Moab – Monument Valley

Moab ist eine kleine Stadt, aber sie hat einen Pizza Hut, einen McDonalds und einen Burgerking. An der Hauptstraße werden in touristischen Shops Tshirts und Ansichtskarten verkauft, der Star der Gegend, der Delicate Arch, findet sich auf Taschen, Kappen, Tassen und Shirts.

Die Büsche am Straßenrand färben sich gelb und schließlich gibt es  nur noch wenige, robuste Gräser die aus dem Sand wachsen. Die Sicht ins Land ist weit, erst in größter Entfernung endet der Horizont in blauem Dunst.

Das Monument Valley ist kein Nationalpark, es ist Tribal Land und die Navajo besitzen den gewaltigen Landstrich. Von dem Reichtum und den gepflegten Wegen der Nationalparks ist hier leider wenig zu finden, links und rechts der Straße entlang sind Open Ranches, das heißt, ein laufender Maschendrahtzaun schließt die Straße ein, dahinter stehen magere Kühe, Schafe oder Pferde in der Hitze und ziehen auf der Suche nach Futter durch die Weiten. Die Tiere sind scheu und nicht an Menschen interessiert, trotzdem tauchen sie an manchen Stellen direkt neben der Straße auf, mit Knoten in der Mähne und spitzen Hüftknochen.

Die Häuser der Navajo sind flach gebaut und oft gibt es in der näheren Umgebung Hütten aus Holz oder Lehm, die an alte Zeiten erinnern, gebrochen wird die Idylle dadurch, dass mehrere Trucks um die Häuser stehen, immer auch einige ausrangierte darunter, und dass die eigentlichen Wohnhäuser oft einen heruntergekommenen Eindruck machen.

An den Aussichtspunkten tauchen Navajo auf, führen freundlichen Smalltalk und versuchen dann, selbstgemachte Ketten und Armbänder zu verkaufen, will man nichts, bitten sie um Donation für ein Science Projekt, ein Getränk oder die Familie, dann setzten sie sich wieder in ihre Trucks und warten auf die nächsten.

Vom Visitor Center aus ergibt sich der Blick auf rote Steinriesen, die zusammengekauert dahocken und Namen haben wie Left Glove, Right Glove, Elphant oder Camel. Aus dem Blickwinkel verändert sich ihre Form und sie werden zu buckeligen Alten, lauernden Katzen oder Giraffen. Der Abend kommt und bringt das herrlichste Licht, an der Mauer des Visitor Centers sitzen Touristen wie Schwalben, die Kameras im Anschlag, dazwischen betteln streunende Hunde. Auf die Frage nach einem Trail heißt es, es gibt nur einen, der führt um den Left Glove und dauert in etwa drei Stunden. Und es wäre keine gute Idee, denn nach Einbruch der Dunkelheit kommen die Schlagen. Die restlichen Wege sind nur mit Autos zu erfahren, und die benötigen eine Hight Clearance.

Der Chrysler, der zwar kein Ferrari, aber eben auch kein Jeep ist, schaukelt über die Bodenwellen und stolpert in Straßenlöcher, dann schnauft er in der Abendsonne, während ich Fotos mache, und  die Finger in den roten Sand grabe. Er ist weich, wie Puder und färbt die Handflächen. Mit dem Untergang der Sonne bauen die Najavo ihre Stände ab, zurück bleibt eine Dunkelheit, die alles verschluckt und, über ihr, der beeindruckenste Sternenhimmel.

Tag 16 Bryce Canyon – Moab

Durch den beliebten Bryce Canyon gehen viele Trails, teilweise auch am Pferderücken erkundbar. Wir steigen hinunter, über die Wallstreet, ein in vielen, engen Kurven gewundener Pfad, der so bevölkert ist, dass es an manchen Stellen eng wird. Von unten herauf schnaufen diejenigen, die dachten, der Weg wäre weniger steil, hinunter, noch voll Tatendrang kommen die, die den Marsch in den Queen’s Garden oder zum Sunrise Point vor sich haben. Die meisten Besucher sind Holländer, Japaner, Deutsche und Franzosen, nur hin und wieder hört man tatsächlich Amerikaner reden.

Die Nationalparks waren bisher perfekt gepflegt und auch hier ist es nicht anders. Die Trails sind geschottert und begrenzt, an jedem wichtigen Eck findet sich eine Tafel mit Informationen über die Gegend und der Aufforderung, die Natur zu achten, Wildtiere nicht zu füttern und nicht neben den Weg zu steigen, weil dadurch junge Pflanzen und winzige Biotope zertreten werden könnten, außerdem gibt es an jedem Parkplatz saubere Klos, Trinkbrunnen und Mistkübel. Es ist bei hoher Strafe verboten, Müll wegzuwerfen, etwas in die Steine zu ritzen oder das Wildlife zu gefährden und tatsächlich liegt nichts herum, was nicht hergehört. Nur der rote Sand windet sich durch die Lücken der Schuhe und des Rucksackes und reist mit in den Arches Nationalpark. Hier haben Wind, Wetter und Eruptionen Gebildete geschaffen, die als Brücken und Wackelsteine aus dem Wüstenboden ragen. Im Abendlicht leuchten sie rot und ihre Schatten zaubern Rohrschachtests auf den sandigen Boden.

Tag 15 Las Vegas – Bryce Canyon

Man verlässt Las Vegas mit dem Gefühl, dass die Party weiter geht. Durch das Valley of Fire geht der Weg weiter in den Zion und den Bryce Canyon. Wieder verändert sich die Landschaft im Laufe der Kilometer, die über einspurige Freeways abgespult werden. Zuerst Wüste, die Felsen sind rot, dann wird es bergig und kühler. Ein Trail führt in den Zion Canyon und am Ende denkt man, man wäre in Bruchtal und erwartet, die Elben zu sehen.

Die Kante des Felsen, auf dem man steht, reißt jäh ab, dahinter geht es hunderte Meter nach unten. Mormonen haben das Gebiet der jetzigen Nationalparks in den 1870ern für sich gewonnen, viel früher gab es Natives, die das Land bebauten. Der Bryce Canyon heißt so, weil Ebenezer Bryce das Gebiet mit seiner Familie besiedelte, vor etwa hundertfünfzig Jahren.

Hoodoo heißt in Navajo so viel wie Zauber und Hoodoos sind auch die Steinformationen im Bryce Canyon, die aufragen wie erstarrte Krieger. Die Landschaft ist einzigartig und am Aussichtspunkt, dem Sunset Point, warten die FotografInnen darauf, dass endlich die Sonne untergeht.

Tag 14 Las Vegas/Hoover Dam

Ebenfalls in der Nähe der Stadt befindet sich der gewaltige Hoover Dam, ein Staudamm, der große Teile von Californien, Arizona und Nevada mit Wasser und Strom versorgt. Der aufgestaute Colorado River ist seine Grundlage, sechs Jahre dauerte es 1931 bis das Kraftwerk in Betrieb genommen werden konnte. Auf der Brücke des Dammes stehend blickt man hinunter, eine weiße Wand an Stein, weiter hinten spannen sich die Metallverstrebungen der elektrischen Leitungen.

Aus dem aufgestauten Fluss entstand der Lake Mead, eine riesige Fläche an dunkelblauem Wasser, Teil einer Recreation Area, die unter besonderem Schutz steht. An seinem Ufer gibt es keinen Schatten, und der heiße Wind treibt den Sand in jede Fuge. Am flachen Ufer, zur Hälfte im Wasser, sitzen Menschen, die Abkühlung suchen auf Campingsesseln, im Wasser tümpeln auch einigen, die Fersen nach oben gestreckt, die Hände auf den Boden gestützt. Erst weiter draußen wird das Wasser tiefer, aber nicht kühler, trotzdem spendet es einen nicht vorstellbaren Genuss bei den 46 Grad, die es unter der Sonne hat.

Am Abend, im MGM, einem der größten und ältesten Unterhaltungsgebäuden, tritt David Copperfield auf und bietet eine unglaubliche Show. Er ist älter, als auf den Plakaten vor dem Hotel und zieht man daraus, wie er die Stufen nimmt, Schlüsse, hat er Probleme mit den Knien. Die selbstironische Art, mit der er auf die Bühne kommt, überrascht, macht den bekannten Illusionist aber sehr sympathisch, er kommt auf dem Weg durch das Publikum an unserem Tisch vorbei, und sucht nach Leuten, die ihn bei seinen Zaubereien unterstützen, dabei erwischt er Menschen aus Deutschland, Italien, Brasilien, Schweden und der Slowakei, lässt einen 43er Lincoln auf der Bühne erscheinen und zum Abschluss neun Leute aus dem Publikum verschwinden. Und auch wenn man noch so genau hinsieht von dem Platz, kaum zehn Meter von der Bühne entfernt, sieht man nicht, wie er es macht.

Tag 13 Las Vegas/Death Valley

Die Teufelstheorie unterstützend befindet sich etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt die Hölle. Getarnt als braune Wüstenlandschaft an deren Enden sich zackige Berge wellen. Die Hölle ist ein Nationalpark, Death Valley, und ihre Bewohner sind Schlangen, Skorpione und hin und wieder Weggefährten wie Hasen und zarte Füchslein. Die Straßen, die das Tal durchziehen, sind strikt gerade, so wie die meisten Grenzen hier, und sie verlaufen sich in der Entfernung, trotzdem liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei maximal 65 Meilen, eher aber bei 45, das sind etwa 70km/h.

Andere Autos scheint es aber kaum zu geben und der Gedanke an eine mögliche Panne gibt einen Stich im Hinterkopf. Man lobt den Erfinder der Klimaanlage, nachdem man zum ersten Mal ausgestiegen ist. Draußen hat es 48 Grad, Temperatur steigend. In Furnace Creek wurde 1913 die zweithöchste Temperatur der Welt aufegnommen, 56 Grad. Das war am 10 Juli, der Tag unseres Besuches war neun Tage später, 2011. Früher wurde im Death Valley Borax abgebaut, dafür haben Maultiere unendlich schwere Maschinen in die Wüste geschleppt und Minenarbeiter bei diesen Temperaturen Löcher in die Erde geschlagen, die jetzt noch zu sehen sind.

Der Bad-Water-Point liegt 80 Meter unter dem Meeresspiegel, die wenigen Wasserlaken sind so salzig, dass diejenigen, die versuchten, es zu trinken, das Tal frustriert Badwater genannt hatten. Jetzt wandern Besucher über die salzig, sandige Ebene und am Parkplatz hat jemand eine Pizza auf die Motorhaube seines Wagens gelegt, der Käse schmilzt nach wenigen Minuten. Entlang des Artist’s Drive entfalten sich hinter jeder Biegung neue Steinformationen, die einen aus der Kühle des Autos nach draußen treiben, die Kamera in der Hand, den starken Wind als ständigen Begleiter. Er fühlt sich an, als würde jemand in der Sauna mit dem Handtuch fächern.

Steht man auf dem heißen, steinigen Boden und blickt über das Flimmern, das Aussieht wie Wasser, aber nur eine Luftspiegelung ist, hört man kein Geräusch, keinen Vogel und kein Auto, man ist alleine mit dem Atem des Teufels im Genick.

Am späten Abend ist Las Vegas ein heller Fleck in der Dunkelheit rundherum, und der Lichtkegel, der vom Luxor aus in die Nacht geschickt wird, ragt hoch wie der Masten eines Schiffs. Mit dem Licht, kehrt auch der Lärm zurück, die vereinnahmenden Geräusche des Gewinns und des besonderen Angebots, der Shows und Vergnügungen.

Tag 12 L.A.-Las Vegas

Obwohl über das Wochenende ein Teil der Autobahn gesperrt war und jeder, den man fragte, prognostizierte, dass es zu einem schlimmen Verkehrschaos kommen würde, ist der Fluss der Autos normal, vielleicht sogar besser, als an normalen Tagen. Das Theater, das rund um den gesperrten Abschnitt veranstaltet wurde, war scheinbar ausreichend, die vorsichtigen BewohnerInnen LA schon von vornherein dazu zu bringen, ihr Auto stehen zu lassen oder über das Wochenende der Stadt den Rücken zu kehren.

Der Weg nach Las Vegas dauert in etwa fünfeinhalb Stunden, und er führt aus einer halbwegs grünen Gegend in die Wüste. Schon bevor man in die Stadt kommt, wachsen die ersten Kasinos aus dem Boden, in Baker sind sie absurde Karikaturen von Farmhäusern, aufgeblasen auf Wolkenkrazerhöhe, dazwischen windet sich eine Achterbahn durch die Leuchtreklamen.

Schon von Weitem heißen die wirklich großen Kasinos die Ankömmlinge der Wüstenstadt willkommen, ihre Namen sind bekannt und rollen im Mund wie Perlen, The Mirage und Bellagio und Flamingo und die Häuser strecken sich prunkvoll nach oben hin, mit glitzernden Fassaden und leuchtenden Füßen, wo sich Menschen tummeln wie Ameisen. Die Werbungen versprechen die besten Buffetts, Shows und Gewinnchancen, drücken sich mit der Größe von Einfamilienhäusern ins Bewusstsein.

Und die Luft ist heiß, erschlagend, im schlimmen Kontrast zu den klimatisierten Innenräumen.

Ich checke ins Cesars Palace ein, eine Halle ist bombastischer als die andere, und schon bevor man zur Rezeption kommt, blinken die Spielautomaten.

Am Abend wird es voll auf den Straßen, da kommen diejenigen, denen die Hitze des Tages zu anstrengend war, oder die bis jetzt geschlafen haben, und bevölkern die Gehsteige des Las Vegas Boulevards, einige mit Plastikflaschen, die wie Wasserpfeifen geformt sind, in den Händen. Aus jedem Eingang und von jeder Werbetafel schallt Musik, oder werden die Angebote herabposaunt, am Straßenrand stehen Keiler und drücken den Vorbeigehenden Bilder von nackten Frauen und den entsprechenden Telefonnummern in die Hände. Auch in einigen Kasinos tanzen zwischen den Spieltischen Tänzerinnen an Stangen, oder in Käfigen, kaum wahrgenommen von denjenigen, die sich auf die Zahlen, Karten und Würfel konzentrieren.

Die Strechlimos und Luxushummer stehen im Stau des Strips, aus den Fenstern winken Hände mit Gläsern.

Die Fontänen vor dem Bellagio entfalten sich zu klassischer Musik und sind so anders, als das spitze, schnelle Rundherum, eher passt hier der Vulkan dazu, der vor dem Mirage jede Viertelstunde Feuerflammen in die Luft speit.

Gibt es einen Teufel, dann lebt er bestimmt hier, im obersten Stock des MGM vielleicht, und lächelt herunter auf die

Besucher seiner Stadt, die auch bei Nacht von der Hitze geplagt ist.

Tag 11 L.A. Hollywood

Hollywood! Der Schriftzug sieht wirklich so aus, wie man ihn aus Filmen kennt, in den trockenen Hügeln, den Hollywood Hills, mit gepflegten Gärten und großen Autos. Weiter im Zentrum, vor dem Kodak Theatre, wo die Oscars vergeben werden, schieben sich Touristen über den Walk Of Fame und blockieren den Weg, weil sie sich hinknien zu den Sternen von Marilyn Monroe, oder Tom Cruise oder Fred Astaire. Die Werbung für Harry Potter dominiert das Grauman’s Chinese Theater, darunter, in der Gischt der Besucher, wogen Mickey Mouses, Spidermen, Shreks und Cat Womans, die einen Dollar für ein Foto verlangen und dann neben japanischen Kindern posieren.

Der Boden zwischen den Sternen ist teilweise aufgebrochen und wird zur Stolperfalle und auch die Geschäfte neben dem Kodak Theater, die Platikoscars und billige Tshirts verkaufen, tragen zu dem Eindruck bei, dass diese Gegend bessere Zeiten gesehen hat. Die Keiler, die Touristen zu einer All-Stars-, oder Hollywood-Live-, oder Starline-Tour bringen wollen, wedeln mit ihren Flyern und geben schließlich Rabatte, bleibt man hartnäckig dabei, nicht in einem der offenen Bussen durch die Hitze der Stadt geschaukelt werden zu wollen, um dann den verschlossenen Gartenzaun eines Filmpromis zu sehen.

Die Universal Studios sind ein Riesenkomplex, eine Mischung aus Besucherzentrum und Filmindustrie, eine Welt für sich. Da wir an einem Samstag die Studios besuchen, ist besonders viel los, 24.000 Menschen in etwa, die sich durch den Park bewegen, und alles ist organisiert. Bei Shrek 4D wackelt man mit seltsamen Brillen auf der Nase in seinem Kinosessel, in The Mummy fährt man in die Dunkelheit der ägyptischen Wüste, Loopings inklusive, im Geisterhaus tauchen Nosferatu oder Chucky unvermittelt auf und stellen einem nach, und man reißt die Hände an die Brust und flieht um das nächste Eck, wo Leichen in Plastiksäcken von der Decke baumeln. Vor dem Haus lässt sich Graf Dracula fotografieren, die Schlange dafür ist lang und einige der Wartenden kämmen ihre Haare schon auf eine Seite des Halses, bevor sie noch dran sind.

Die Studiotour, bei der man in einem Bus sitzt und durch den enorm großen Komplex rollt, dauert fast eine Stunde. Wir kommen an Norman Bates Motel vorbei, an den Dinosaurierkäfigen aus dem Jurassic Parc, fahren durch das Set von War of the Worlds, wo Chaos herrscht, und wofür ein echter Jumbo Jet zerlegt wurde und kommen durch die Wisteria Lane der Desparet Houswives, alles originale Drehorte, teilweise perfekte Kulissen aus Fieberglas und Plastik. In den Soundstages, die absolut Lärmdicht sind, wie gerade eine Folge für CSI gedreht, sieben Tage dauert es, bis sie fertig ist.

Die Show Waterworld bietet ein Feuerwerk an Stundmanaktion und Pyrotechnik, das Publikum ist feurig dabei, jubelt und pfeift und wird in den vorderen Reihen ordentlich nass.

Die Hitze an diesem Tag ist groß, zwischen den Warteschlagen wurden Ventilatoren angebracht, die kalte Luft und Nebel auf die Besucher blasen.

Die Gegend um das Hotel, in dem ich wohne, und das eigentlich das Herrenhaus eines alten Iraners ist, der es wieder rum von der Dame gekauft hat, die es 1927 nach einigen Vorstellungen hatte bauen lassen, ist ruhig, obwohl es nur wenige Minuten zum Meer sind. Die Straßen sind auf beiden Seiten von Palmen gesäumt, gegenüber, vor einem Hospital, das nur ein flaches Häuschen ist, ohne ersten Stock, sitzen faltige Frauen unter Decken in ihren Rollstühlen und sehen den Eichhörnchen zu, die sich über den Gehsteig und die rauen Palmenstämme hinauf jagen. Es fühlt sich ein bisschen wie Land an, kommt mir jemand entgegen und gibt es kurzen Augenkontakt, wird freundlich gegrüßt. Und Hunde gibt es hier beinahe so viele wie in Wien.

Tag 10 L.A. Knott’s Berry Farm

Ein Tag Kontrastprogramm zum Sequioa Nationalpark, nämlich Knott’s Berry Farm bei Anaheim, ein Nachtbar vom Disneyland. Hier regiert der Wilde Westen und im ganzen Park sind alte Damen angestellt, richtige Omas mit weißen Haarknoten, in gerüschten Kleidern, so auch an der Kassa. Als ich ihr meinen Ausweis zeige, beginnt sie mit mir Deutsch zu sprechen, ihre Eltern waren unter dem Kaiser ausgewandert.

Der Park selbst  ist riesig, mit mehr Attraktionen als man an einem Tag ausprobieren könnte und wir stürzen uns auf den Ghostrider, den Silbershot und die Mystery Lodge, die Anstellzeiten zwischen den Jugendlichen, die oft die gleichen Tshirts tragen, weil sie von einem Pre-Collage Programm kommen, einem Sportclub oder einer Highschool sind erträglich, aber die Sonne heizt auf die Wartenden und macht rote Nasenrücken und Rändern entlang des Ausschnitts.

Auffallend ist die Zahl derjenigen, die zu viel auf den Rippen haben und in Elektrowagen fahren, weil sie zu Fuß nicht weit kommen, ihre Familien begleitend, für die Attraktionen sind sie zu schwer.

Der Excelerator, eines der Herzstücke des Parks, beschleunigt in zwei Sekunden auf über hundert Stundenkilometer und schießt die Insassen geradewegs in den Himmel, nur um sie dann im freien Fall nach unten zu schicken. Das aufgeregte Geschrei der Mutigen ist weit zu hören.

Tag 9 Sequoia – L.A./ Santa Monica

Roadworks ahead, ein mit knallroten Fahnen beflaggtes Schild, immer wieder die ganze Strecke. Neun Stunden Fahrt im Auto, das zum Glück nicht mehr der Mercury, sondern ein Chrysler 300 ist, aber die Zeit vergeht nicht. Aus dem Park heraus Verzögerungen, den High- und Freeway entlang Verzögerungen, dann heitert die Küstenstraße und der Morro Beach auf, mit warmen Sand und Surfern, die im Neoprenanzug aussehen wie Robben. Am Holzzaun hängt eine Warnung: Ein Hai wurde gestern gesehen. Möwen graben ihre Schnäbel auf der Suche nach Krabben in die angespülten Algengewächse.

Am Abend dann endlich Santa Monica, Einkaufen im Whole Food Market , wo man für einen Tiegel Yoghurt leicht zwölf Dollar hinlegen kann, später zum notwendigen Füßevertreten auf die Promenade Richtung Strand. Es ist spät und plötzlich kommen mir Harry Potters, Hermiones und Voldemorts entgegen, um das Eck hocken sie in langen Schlangen vor den Kinos, Mitternachtsvorstellung Harry Potter and the Deathly Hallows. Ein Tandem kommt entgegen, darauf ein Pärchen mit Gryffindorschals und am Gepäckträger einen Player, der den Soundtrack von HP spielt. Neben der Eintracht von HogwartsschülerInnen und Todessern grölt aus der Karaokebar La Bamba.

Tag 8 Sequoia Nationalpark

Schon beim Blick aus dem Fenster der Lodge denkt man an Disneyfilme. Streifenhörnchen und Chipmunks spielen auf einem Baumstamm fangen, bunte Vögel stimmen ihre Morgenlieder an und springen im Unterholz Schmetterlingen nach, weiter hinten verschwindet ein Reh im dichten Wald.

Der General Shermann Tree ist nur einer von vielen Giant Sequoia (auch Sierra Redwood wegen der hübschen Färbung des Stammes), aber es ist der Berühmteste. Ein eigener Parkplatz ist schon zu früher Stunde halb voll und der Weg hinunter in den Wald wird bewandert von Menschen in kurzen Hosen, weil die Kühle der Höhe unterschätzt wurde. Man taucht ein in diesen Märchenwald, der Giant Forest ein und fühlt sich wie ein Zwerg zwischen diesen alten Geschöpfen, die hochragen wie Häuser und deren Stämme rötlich in der Sonne schimmern. Der Shermann Tree ist 84 Meter hoch, das heißt, er würde mit seinem Wipfel streifen, würde er unter der Golden Gate Bridge wachsen und er überragte das Californian State Capitol, stände er zwischen den Magnolienbäumen in Sacramento. Sein Stamm hat einen Durchmesser von achtzehn Metern und die Leute, die ihn besuchen, verrenken sich, um alles auf eine Foto zu bekommen. Die anderen Riesen heißen The President oder, als Gruppe The Senat oder The House. Die schlanken Nadelbäume dazwischen sind ebenfalls höher als alles, das jemals am Christkindlmarkt vorm Rathaus aufgestellt wurde.

Die Menschen werden ehrfürchtig und berühren auch die runden Steine, die hingeschmissen scheinen wie Kiesel aus der Tasche eines Riesen mit flachen Händen. Die Wege sind beschildert und aus in Holz gefasstem Beton, es ist also möglich, in den Baumhimmel zu blicken, ohne über Wurzeln zu stolpern. Gewarnt wird wieder vor Bären und davor, Essen herumliegen zu lassen. Am ganzen Weg findet sich nicht eine Zigarettenkippe, nicht ein Kaugummipapier.

Das nächste Ziel, der Moro Rock, ist ein Felsen, der unvermittelt aus der Umgebung sticht. Über vierhundert enge Stufen kommt man den Grad hinauf und wird oben mit einer Ausblick in die Unendlichkeit belohnt, außer der Dunst, der nachmittags aufzieht, mischt sich mit dem Rauch, wie in meinem Fall. Zurück am Parkplatz berichtet eine Mutter, die im Auto geblieben war, ihrer Familie aufgeregt, einen Bären gesehen zu haben, I swear to god, there was a bear! und in mir erwacht der Wildlife-Instinkt. Tatsächlich finde ich nach einigem Minuten des dumpfen Starrens den Braunbären im Unterholz des Hanges, der sich hinter den letzten Autos erhobt und ich rufe meine Entdeckung stolz heraus, woraufhin eine Horde an Schießwütigen mit Fotoapparaten bewaffnet losstürmt und mit den Fingern zeigt. Der Bär nimmt es gelassen, präsentiert sich von links und von rechts, trottet dann wieder von dannen.

Den Märchennamen folgend wandert man an der Crescent Meadow vorbei zur Eagel View, trifft am Weg silberne Squirrels und goldschuppige Eidechsen, die in die Sonne blinzeln. Es ist still hier, stiller als beim Sherman Tree oder am Moro Rock, aber mindestens genau so beeindruckend. Die Luft verwöhnt mit würziger Frische und färbt die Wangen rot.

Am Abend fällt man ins Bett, müde vom Gehen und vom Staunen.