I feel lonely for you

Bank in der Sonne vor abgeschlagener Mauer

You know, it will get darker from now on.

But as long as it lasts, we could treasure the golden days of autumn equinox.

We could stay outside in the leaves and in the long shadows and wait for our fingers to get clammy. We could listen to the gravel. We could –

 

 

Time puts a cigarette in our mouths

Abandoned Cinema

It once has been a cinema and now it smells of pigeon muck and bent metal.

When I was young, we went to the place and bought popcorn where now all kind of waste is dropped.

Inside, derelictions dwells on broken glass.

Outside, rose hips take back the staircases.

 

Assorted Chaos

Werkstatt

I found a calendar in the littler („Dreamboys 2013“ if you have to know) and wanted to put it on the wall. As I had no nail, I went to my workplace’s workshop to get one.

It smelled like oil and wood and metal and dust and freshly cut grass.

I moved and tools touched my wrists and thighs.

There was a great calm in all of this muddle and I felt reassurance that every piece was where it was meant to be.

Have You Forsaken Me?

Doorbell abandoned

I never cared to take a look. But one day, on my way to work,

I peeped through the shattered window. And there,

inside,

was a small, dusted world, waiting to be kissed awake. (blink, blink and it may be gone)

Burn My Colours

sunset donauinsel

One evening when the sun went down, everything turned lilac and blue and purple and gold.

I stopped on a bridge and watched as the colours changed.

Next to me, a girl embraced her friend for a selfie. Then she said maybe it’s the end of the world.

It was not, but still it was beautiful.

Privat Residues

Writings on the Wall

I came across a street, more a lane, let’s say, the corner of a lane,

and there on the wall were writings.

Old ones and new ones.

It made me sad to look at them for no other reason

than

that nothing stays and once no one will remember.

 

Fortuitousness

white kitten on a roof

I found a kitten on a tiled roof.

The kitten was white and blue. Like the sky was white and blue.

The kitten’s ears were pink like the tiles.

I reached up to touch her. She started a small purr.

When I turned to go, she tried a headstand. Then she vanished back through a hole in the roof.

 

Vilnius//Bilder der Vergänglichkeit

Vilnius Kirche

Schöner als das Glatte und Verputzte ist das, wo sich Risse öffnen und das Mauerwerk durchscheint. Wer will sich schon mit etwas beschäftigen müssen, das keine Rillen für die Aufmerksamkeit bietet. Mehr als sieben blankpolierte Kirchen ist die eine wert, in der sich die vergangenen Jahrhunderte roh abzeichnen.

Vilnius Kirche

Vilnius Kirche

Der Umkreis ist ebenso Fördermittelbefreit, wie das Innere und deswegen schön. Kein neuer Verputz, keine Versuche der renovierten Gleichmachung, nur Zeitstillstand und das Gefühl, der Gegenwart entkommen zu sein.

Vilnius Verfall

Vilnius Decay is beautiful

Vilnius//Gemütsschwankungen mit Regenbogen

Vilnius Hausfront

April ist der Freund, der eine Gartenparty plant aber eine Stunde vorher alle Gäste auslädt, es sich dann doch anders überlegt und anruft, um zu sagen: kommt doch. Und kaum sitzt man zusammen, geht er, weil er eigentlich niemanden sehen will.

Am Rollfeld in Vilnius, auf dem Weg zwischen Fokker und Flughafenbus reißt er sich noch zusammen, aber kaum aus dem Flughafen heraußen, bricht der Himmel. Neben den Randsteinen bilden sich gewellte Bäche und die Gehsteigunebenheiten füllen sich. Die Autoscheiben beschlagen von innen.

Trakai Vilnius

Trakai liegt an dem Tag ungestört, nur wenige Besucher halten ihre Regenschirme in den Wind und warten auf die kurzen Sonnenfenster, um eifrig Fotos zu machen. Was ich nicht weiß, wird aus der Touristmusseite gecopy-pasted: Die Ufer der Halbinsel, auf der die Stadt liegt, werden von den Seen Galvės, Totoriškių und Bernardinų (Lukos) umspült. (hier war ein Poet am Werk, das lässt sich am Wort „umspült“ erkennen) Diese, für ihre wunderbaren Landschaften und die legendäre Burg Trakai bekannte Stadt war einstmals die Wiege des Staates Litauen und seine Hauptstadt; ein wichtiges militärisches und politisches Zentrum und Sitz der Großfürsten Litauens.

Der Großfürst ist noch immer in der Burg zugegen; als berobter CGI Effekt erzählt er von einem Flachbildschirm herunter über die Geschichte der Burg und des Landes. Ihm gegenüber checkt eine der Aufpasserinnen ihre Mails, unberührt von seiner sonoren Stimme.

Trakai Wächterin

Die Räume der Burg sind beheizt und heimelig. Im Innenhof freuen sich versprengte Mitglieder russischer und deutscher Reisegruppen, dass sie von den Holzbalustraden aus Fotos von ihren weniger gehfreudigen Reisekompanions machen können, die sich unten versammelt halten. Wenn sie sich gegenseitig entdecken, wird mit Regenschirmen gewinkt, dann wandern die Gruppen in den Thronsaal und sitzen andächtig in den Bankreihen. Es gibt keinen König mehr, der Audienzen halten könnte und auch keinen CGI-Fürst, die Hochwohlgeborenen muss man sich selbst vorstellen.

Weil draußen der April weiterhin sein Tantrum schmeißt, ist das wasserburgeigene Museum doppelt so spannend. Hier gibt es Aristokratenschätze und Gebrauchsgegenstände, außerdem ist eine Meerschaumpfeife mit wildem Pferdekopf ausgestellt, die in der Wiener Mariahilferstrasse verkauft wurde. Ich mache in einem Akt bezirksübergreifender Loyalitätsbekündig ein Foto:

Meerschaumpfeife Mariahilferstrasse

Nachdem alle Objekte, die sonst noch aus der k. u. k. Monarchie stammten, identifiziert wurden (u.a. ein Bett mit Schnitzereien und Rüschendecke), geniert sich der April ein bisschen für sein Benehmen und entschuldigt sich mit einem halbherzigen Regenbogen.

Trakai Regenbogen

Am Abend sind die Straßen der Hauptstadt ausgewaschen und kalt. Hungrige auf der Suche nach Labung ziehen die Schultern an die Ohren; wenn es nicht regnet, bläst der Wind Tropfen von den Dächern.

Vilnius Nachtregen

In einen Hauseingang gedrängt stehen zwei Junge und machen Musik. Sax und Gitarre beruhigen den übellaunigen April aber nur kurz. Ein alter Obdachloser tanzt und fischt nach den Schirmen der Vorbeigenden in seinem hypnotischen Impulsrondo, dann packen die Musiker zusammen und der Alte wartet mit den Händen in den Taschen, was passiert.

 

 

 

 

 

 

Oslo//å ta imot kulden

Oslo streetart

  1. Grå

Im Wörterbuch steht unter grå „som har en farge mellom svart og hvit“. Dabei ist das Spektrum dessen, was zwischen Schwarz und Weiß liegt, doch unendlich.

Der Tag ist grau. Das heißt, weiße Wolken machen den Himmel aus und die Stadtfarben bleiben gedeckt. Nur der Boden glänzt vom Regen und von der feuchten Kälte, die auf allem liegt, auf den Dächern und den Autos und den Straßenbahnen.

(Graue Tage sind angenehm für die Augen, weil man nicht von der Sonne geblendet wird. Graue Tage sind introvertiert und unauffällig und wie Freunde, die man zufällig trifft und nach dem Verabschieden bemerkt, dass man gar nicht gefragt hat, wie es ihnen gehe.)

zerbrochener Boden Regenlake

Im Wörterbuch steht unter grå außerdem noch: „skya, trist, fargeløs“.

Im Møllerveien hat sich eine Gruppe unter dem Wartehäuschen der Busstation versammelt. Die zufällige Gesellschaft akzeptiert mehr Nähe als unter anderen Umständen, daran ist der nasse Wind schuld. Außerhalb steht einer mit Zigarette und verdreckten Jeans. Die wandelnde Metapher hat den überfüllten Wartehäuschenschutz freiwillig verlassen und hustet Rauch aus.

Haltestelle Oslo

2. Hvit

Wörterbuch: hvit; el kvit: „med samme farge som nyfallen snø„. Neuschneefarben. Der Duden ist weniger poetisch und sagt: von der hellsten Farbe. (Er wird sogar wissenschaftlich und doziert: alle sichtbaren Farben. Kompliziert.)

Anfang April trägt das Sognsvann in der nördlichen Osloer Marka noch eine dicke, brüchige Eisschicht. Das Eis hat die selbe Farbe wie der Himmel: hvit og grå.

Sognsvann zugefroren Steg

Um den See führt ein planierter Wanderweg, nur dass nicht gewandert wird. Mit gemütlichem Schritt ist man ein Hindernis, das umlaufen wird, die Schnellen begegnen einem mehrmals. In ihren bunten Trainingsdressen verschwinden sie auch die nahen Waldwege hinauf, knirschen über die Schotterwege und dehnen nachher vor dem Kiosk ihre Sportglieder. Für die Schönheit von winterbraunem Gras am Ufer haben nur die Kinder Augen, die treten es in die Eislacken.

Sognsvann winter

Weil ich nicht laufe, sondern spaziere, habe ich Zeit, den Birkenwald anzusehen. Der steht zum Teil im Schmelzwasser, schwarzweiße Birkenstreifen mit nassen Füßen. Kommt man näher, saugt der Boden an den Sohlen.

Sognvann skog

3. Dyster

(Ordbok erklärt: „lite eller ikke opplyst“ und schlägt des weiteren vor: trist, tungsindig, mørk und melankolsk.)

Die Farbe des Wassers hängt zu fünfzig Prozent von seiner Sauberkeit und zu fünfzig Prozent vom Himmel ab. Vielleicht stimmt das Verhältnis so aber auch gar nicht. Auf jeden Fall schlägt einem der Fahrtwind entgegen, steigt man auf das Deck des Øybåt und das Rauschen überdeckt die Stille ringsumher.

Oslo Ferry

Die wenigen Touristen sind die einzigen, die den Bauch der Inselfähre verlassen. Sie machen Bilder mit Sturmfrisur, dann drängen sie wieder zurück in das tief wummernde, geheizte Innere des Bootes. Die Hovedøya, Bleikøya und Nakholmen ziehen an den Fenstern vorbei, die bunten Hütten auf ihren Rücken in die sonst graustufige Landschaft geduckt.

Insel6

4. Blå

Am Kopf der Operninsel sitzen zwei und lassen die Beine baumeln. Es muss ihnen nass durch die Hosen gehen, der weiße Marmor ist regenfeucht. Von den Scheinwerfen, die in den Boden eingelassen sind, verdampft das Wasser in weißen Kringeln. Vom Fjord her kommt nichts; kein Wind und keine Möwenrufe.

Oslo Operaen

Man hat das Gefühl, der Sonnenuntergang zieht sich ewig hin. Der Himmel schattiert sich vom stählernen Weiß zu einem electric blue, das lange über der Stadt hängt. Mit den Lichtern an der frischen Skyline der Dronning Eufemia Gate ergibt sich die Kulisse zu einem Tanzfilm der Sechzigerjahre; nur dass die Tänzer fehlen. Hier ist niemand, der das Bild stören könnte.