Tag 10 Kathmandu – Patan/Lalitpurs Traum

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Lalitpur, wie schön das klingt, wie aus dem Mahabharata heraus. Es ist der Namen einer Stadt, die im Süden Kathmandus liegt und drittgrößte Stadt Nepals ist. Ich war schon einmal dort als ich den Zoo besuchte, heute biege ich aber früher nach links ab und betrete mit allen Sinnen Patan, wie die Stadt ursprünglich hieß, als sie noch ein Königreich war. Am Eingang sind 500 Rupien zu entrichten, die dem Erhalt der Stadt dienen sollen und ich bekomme einen Plan und einen gelben Zettel zum Umhängen, auf dem steht, dass ich brav gezahlt habe.

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Die Stadt ist alt, 2300 Jahre und das Alter findet sich in ihren engen, verwinkelten Gassen und Häusern im Newar Stil, den geschnitzten Fassaden, den unendlich vielen Tempeln und Schreinen, die hinter jeder Ecke warten und dem holprigen Boden. Auf meinem Weg zum Durbar Square, der in der Mitte des Stadtkerns liegt, verlaufe ich mich, aber es ist ein nettes Verlaufen, das mich an den unzähligen Geschäften mit ihren goldenen Götterfiguren, Masken und dem schönen Schnitzwerk vorbeiführt.

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Als ich den Durbar Square dann doch erreiche, taucht der wie eine Lichtung aus dem Häuserwald, eine gut gefüllte Lichtung mit den eindruckvollsten Tempeln, die man sich auf so engem Platz denken kann. Die Könige der Stadt haben dort residiert, heute ist der Platz UNESCO Weltkulturerbe. Die Mallakönige haben den Platz im 17. Jahrhundert geprägt, aber schon früher hat es ihn gegeben, er ist so alt wie die Stadt. Der Krishna Tempel zieht meine Aufmerksamkeit auf sich, er ist aus Stein und hochgewölbt, gebaut um 1637, Steinplatten im ersten und zweiten Stock erzählen aus dem Mahabharata und dem Ramayana, in seinem Inneren sind 21 goldene Tafeln (die man nicht zu sehen bekommt, wenn man kein Hinduist oder Buddhist ist, oder wenn man Leder trägt).

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Der Krishna Tempel ist von den anderen Tempelhäusern umgeben mit ihren mehrstöckigen Dächern und den hölzernen Stegen. Von ihnen aus sieht man auf den Palast, der die Breitseite des Platzes dominiert und den roten Ziegelboden spiegelt.

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Die Tempel, so alt und ehrwürdig sie auch sind, werden lebendig im Tagesgeschehen, denn zwischen ihren Säulen sitzen die Besucher und beobachten den Platz, plaudern oder sind für sich selbst. An der Längsseite des Palastes verbringen die gealterten Söhne der Stadt die müden Nachmittagsstunden, nur hin und wieder spazieren Besucher mir der gelben Plakette vorbei, machen Fotos oder bleiben in den niedrigen Türstöcken hängen.

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Die Offenheit und Ruhe des Platzes tausche ich erst spät wieder gegen den Ameisenfleiß der Nebengassen, in denen es sich trotzdem lohnt, stehen zu bleiben (auch wenn kaum dazu Platz ist) und nach oben zu blicken, um die bunten Fassaden zu betrachten. Beim Verlassen der Altstadt verlaufe ich mich wieder, aber das kann mich nicht mehr schrecken.

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Zwei Kettenverkäuferinnen helfen mir weiter und lotsen mich hinaus zu dem Tor, durch das ich gekommen bin. Vor mir liegt ein etwas zweistündiger Weg nach Hause in die lärmenden Arme des Thamels, aber die ruhige Stimmung des Ortes begleitet mich noch ein gutes Stück des Marsches.

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