Tag 19 Grand Canyon – Lake Havasu

Vom Grand Canyon aus geht es weiter nach Süden und die Temperatur steigt wieder über 40°C. Wir fahren die Route 66, die historische Straße, die 1926 eröffnet wurde, und seit der Errichtung des Highway Systems 1985 keine große Rolle mehr spielt. Damals war sie die Verbindung von West nach Ost, 3945 Kilometer ist sie lang. Heute fährt kaum jemand die einspurige Straße entlang, zumindest nicht zwischen dem Grand Canyon und Kingman und die Orte, die das Pech haben, an ihr zu liegen, schrumpfen und sterben dahin.

Seligman ist ein Ort, gleich neben der Autobahnausfahrt 123 in die Route 66 und er lebt davon, dass sich Touristen hier her verirren. Eine einzige Familie betreibt hier den Eissalon und den Souvenirshop, die Garage und wahrscheinlich auch die Tankstelle, und es wird gesammelt, was von damals übrig ist. Alte Autos und Nummerschilder, Tanksäulen und Cola Automaten, Bilder von Elvis, James Dean und Marilyn Monroe lachen aus den Fenstern des ehemaligen Friseursalons, der jetzt gepflastert ist mit Visitenkarten und Geldscheinen aus aller Welt, von all denjenigen, die hier vorbei kamen und Lust hatten, sich zu verewigen.

Der Schwiegersohn der Familie aus Seligman begrüßt uns, als wir in das Souvenirgeschäft kommen und fragt sofort, woher wir sind, dann erzählt er, dass seine Urgroßeltern aus Tirol kamen. Sie hatten sich auf Reisen in Mexiko kennen gelernt.

Weiter gibt es Orte, die Namen haben wie Valentine, und aus drei oder vier Häusern bestehen, dazwischen kommt man aber auch an Gebieten vorbei, die keine Ortstafeln mehr besitzen, Tankstellen aus denen Bäume wachsen und Tanzhäusern mit vernagelten Fenstern.

Am Ende des Abschnittes der Route 66 ist ein anderer Ort, Hackberry, diesmal gibt es überhaupt nur ein Grundstück, auf dem sich alte Autos und Erinnerungen an die 50er und 60er häufen, etwas unheimlich wird es trotz der Hitze und der Sonne, hinter dem Tankstellenhaus, in dem Tshirts verkauft werden und Kleinigkeiten zu essen, denn dort hat sich die Sammelleidenschaft zu einem rostigen Chaos entsponnen, die beiden Häuser haben eingeschlagene Scheiben und in dem Abschnitt, der einmal ein Blumenbeet war, liegen weiße Kuhschädel.

Lake Havasu liegt zwischen Arizona und California, er ist Teil des Colerado Rivers. Die Menschen, die nach Lake Havasu City kommen, oder hier leben, befahren den See mit Speedbooten, es schwimmt kaum jemand, als es Abend wird. Es hat immer noch knapp über vierzig Grad. Der Strand ist gepflegt, mit überdachten, einbetonierten Bänken und Tischen, eigenen Grillplätzen und einem Schwimmbereich, der von Schlingpflanzen befreit wurde. Trotz der hohen Temperatur des Wassers, es hat 28°C, sieht man auch an tieferen Stellen bis zum Grund, wo Muscheln zwischen flachen Steinen liegen. Am Rücken dahin treibend bildet der Himmel ein Oval, das auf einer Seite feurig wird, bis die Sonne untergeht. Am Ufer tauchen Vögel auf, und zierliche Hasen suchen nach Futter.

Tag 18 Monument Valley – Grand Canyon

Viele Möglichkeiten zu übernachten gibt es im Monument Valley nicht, die meisten kommen am frühen Morgen mit verstaubten Autos in den Park gefahren. In den 50ern entdeckte Hollywood die Gegend und machte sie zum Wilden Westen. John Wayne drehte vor Ort, in der Goulding’s Lodge, unserer Herberge, gibt es jetzt noch ein Filmset.

Der Weg geht weiter nach Süden, zum Grant Canyon, dem Meister der Canyons. Der Abriss, der sich plötzlich in der Landschaft auftut, ist unerwartet und so tief, dass man denkt, eher eine Filmkulisse, als tatsächliche Gegend vor sich zu haben.

Am South Rim, dem Rand der Canyons, führen gut abgesicherte Wanderwege entlang und der Blick wird immer wieder in die Schluchten eröffnet, unten windet sich der Colorado River wie ein kleines, silbernes Band.

Besucher gibt es hier viele, und diejenigen, die das beste Foto haben wollen, klettern an den Rand der Felsen, auf allen vieren, dann drehen sie sich um und grinsen unsicher in die Kameras. Aus dem Canyon erheben sich Kondoren mit nackten, roten Köpfen und ziehen über die Touristen hinweg.

Gegen Mittag ist es heiß, trotz der Höhe, und der Wald, der bis zum Rand der Schlucht gekrochen ist, duftet harzig. Am Abend füllt sich der Parkplatz von neuem und auch die Felsen werden bevölkert. Besucher kommen mit Decken, Getränken und Pizzaschnitten und hocken sich auf die harten, grauen Steine, den Blick über den Canyon gerichtet, als warteten sie auf den Beginn eines Konzertes, alle bemüht um den besten Platz.

Dabei ist es der Sonnenuntergang, dem entgegen gefiebert wird. Um 19:45 verschwindet der rote Feuerball hinter dem Plateau und die Menschen klatschen, dann packen sie ihre Sachen ein und steigen vorsichtig zurück. Der Parkplatz leert sich wieder.