9/Hoi An – Hué. Liegend durchs Land.

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Der letzte Morgen in Hoi An ist wieder weiß und kühl. Ich mache mit meinem Koffer eine Abschiedsrunde durch die Innenstadt, dann werde ich vom Bus abgeholt.

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Es ist kein Reisebus, wie ich ihn erwartet hätte, sondern ein seltsamer Sleeper, innen zweistöckige Liegen, auf denen man durch das Land geschaukelt wird, wobei man aufpassen muss, dass man nicht links oder rechts einen Abgang in den unteren Stock macht, kommt eine Kurve unerwartet. Es geht langsam dahin, die 125km nach Hué ziehen sich auf Landstraßen dahin, über Drachenbrücken und schnaufen Bergstraßen hinauf, immer hinter anderen, die ihre brustschwachen LKWs im Schritttempo nach oben treiben.

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Die Landschaft zwischen den größeren Städten ist grün und verwuchert, immer wieder durch kleinste Ortschaften durchbrochen in denen die Straßen aus feuchtroter Erde sind, mit schmutzigen Bachufern und Hausruinen in denen trotzdem Wäscheleinen gespannt sind. Eine Pause wird eingelegt, in der alle ihre Knochen strecken und mir auf der Toilette kurz der Gedanke einschießt, was ich machen würde, wenn ich nach draußen komme und der Bus weg ist, dann geht es weiter und am Abend sind wir in Hué. In der Königsstadt rollt der Verkehr, auch am Abend, und sowohl die Temperatur als auch der ständiger Nieselregen lassen mich an London denken.

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8/Hoi An. Drahtpferdchen und Wasserbüffel.

Stand von Cua Dai

Der Sturm hat sich gelegt, die schweren Wolken sind aber geblieben und machen den Himmel diesig weiß. Am Vormittag drehe ich eine Runde in der Stadt, es ist komisch, so viel Zeit zu haben. Wenn es mir gefällt, setze ich mich an das Flussufer oder auf eine der Steinbänke und schau zu, wie der Wind  das Wasser kräuselt, darin ist eine große Ruhe.

Ha Noi Umgebung

Am Nachmittag fahre ich mit meinem Rad hinaus zum Strand mit den Augen am Straßenrand und den verwilderten Gärten die hinter den Steinmauern anfangen, den Häusern, die übergeblieben sind aus einer Zeit, als Portugal und Frankreich hier Einfluss hatte, Kolonialbauten mit Stuck und hölzernen Rollos anstelle von Fensterscheiben, durch die Räume weht es die Meeresluft herein.

Hoi An Umgebung

Indochinastil in seiner reinen Form, teilweise schon seit Jahrzehnten verwittert und deshalb umso gehaltvoller. Ich fahre bis an die letzte Spitze des Landarmes und komme eine Allee entlang mit verwaisten Häusern, die zum Meer hin gehen und die in ihrer straffen Anordnung und der Beflaggung eine unmissverständlich kommunistische Ästhetik in sich tragen.

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Etwas abseits zerfallen die Dörfer in lockere Anordnungen, auf den Gemeinwiesen grasen starke Kühe, vor den Häusern flattern Wäscheleinen. Am Weg zurück sind die Felder sumpfig und tief, Wasserbüffel käuen wieder und sind im Gras fast nicht zusehen.

Wasserbüffel

 

7/Hoi An. Sand in den Augen.

alte Frau Hoi An

Von draußen drückt der Wind gegen das Fenster, der Sturm ist bissig, er schüttelt die Palmen und die Bananenstauden in den Nachbargärten. Beim Spaziergang durch die Stadt ist der Himmel kalt, das leuchtende Gelb von gestern ist abgeschwächt, die Lampions zucken an ihren Leinen und denen, die unterwegs sind, peitschen die Haare in die Stirne und in die Mundwinkel.

markt Hoi An

Am Markt wird verkauft wie jeden Tag, hin und wieder fährt der Wind in das Gemüse, aber die Frauen hocken trotzdem und bieten feil, die Fahrräder und Mopeds schlängeln sich durch die schmalen Gänge und Touristen deuten und fragen how much?

markt hoi an

Die Stadt ist bunt, obwohl der Himmel weiß ist, der Garten des Klosters quillt über vor Blüten und im Fluss warten alte Frauen in ihren kleinen Fähren auf Kundschaft.

Hoi an Fähre

Ich fahre mit dem Rad hinaus zum Strand, eine gute Straße entlang und die Natur ändert sich, wird saftiger und nasser. Es riecht nach süßem Gras und dem brackigen Flusswasser, es riecht nach überreifen Früchten und nach den kleinen Feuern, die hin und wieder am Straßenrand brennen.

Reisfeld Vietnam

Ich fahre zum Strand, wo der Wind heranfliegt und das Wasser aufwirbelt, Gischt und Sand beschlagen meine Sicht.

Cua Dai Beach

Ich steige auf Muscheln im kalten Sand und setzt mich auf eine leere Kokosnuss, schau hinaus in das lebendige Meer und die Grauabstufungen dahinter und denke an zu Hause.

Cua Dai Beach

6/Da Nang – Hoi An. Sonnenbrand und bunte Lichter.

Küste DaNang

Nach der etwas seltsamen Nacht mache ich mich im freundlichen Sonnenschein auf zur Bushaltestelle, um ins 25 km entfernte Hoi An zu fahren. Google Maps kennt sich wieder einmal nicht mit allen Straßennamen aus, aber ich habe trotzdem vor, die viereinhalb Kilometer zu Fuß zu gehen, weil ich keine Lust habe, mich wieder mit einem Taxifahrer ärgern zu müssen. Der Weg führtent die Küste entlang, dort holpere ich mit meinem Koffer über unebenes Kopfsteinpflaster, Gras und Schutt und gebe wahrscheinlich ein recht befremdliches Bild ab, verschwitzt und hungrig.

Dass ich die richtige Straße treffe, die stadteinwärts in Richtung Bushaltestelle führt, ist ein Zufall, noch mehr Glück habe ich, als ich dann irgendwann am Straßenrand stehen bleibe, um doch einen Blick auf den Plan zu werfen. In dem Moment kommt nämlich der gelbe Bus des Weges und ein freundlicher Mann macht mich auf ihn aufmerksam. Er winkt ihn her, jemand springt heraus und verstaut meinen Koffer in der Ladefläche, ich werde hineingeschoben und das alles passiert in kürzester Zeit. Der Bus ist nicht einmal richtig stehen geblieben. Drinnen dann wird es anschmiegsam, so vollgepackt ist es und so lange Leute irgendwie hereinpassen, wird nachgestopft.

Bus Hoi An

Auf der etwa einstündigen Fahrt, wo es von Da Nang die Autobahn mit offenen Türen entlanggeht, wird es dann doch lockerer, die meisten steigen schon vorher aus. In Hoi An angekommen stürmen Motortaxifahrer auf den Bus zu und heften sich an die Touristen, versichern, dass es keine Autotaxis gebe und dass es ins Zentrum viel zu weit sei. Mein Hotel, ein Homestay, liegt außerhalb und ich gehe einmal zu Fuß los in Richtung Stadtkern, weil aus Erfahrung die Taxifahrer, die dich direkt aus dem Bus/dem Flugzeug fischen, verlangen, was sie wollen. Es ist heiß und feucht und der Koffer holpert brav hinter mir her, auch wenn ich mir zwischenzeitlich Sorgen um seine kleinen Räder mache, dann komme ich an einem Restaurantgarten vorbei und falle dort ein, um endlich wieder etwas zwischen die Zähne zu bekommen.

Das Mädchen, das bedient, fragt mich nach meine Hotel und bestätigt dann, dass es weit sei und dass die Taxis teuer wären, so knapp nach Tet. Also fragt sie kurzerhand ihren Bruder, ob er mich nicht mit dem Moped hinbringen kann und er, der heute frei hat, lässt sich überreden. Ich lerne noch den Vater kennen, der mir über den Garten erzählt und über die Feiertage, und nach dem Essen verstauen wir meinen Koffer am Moped und los geht es. Die Straßen sind schmäler hier und alles hat einen viel ländlicheren Charakter, als das, was ich bisher gesehen habe. Meine Pension liegt in einer Siedlung, etwa 5 km außerhalb von der Altstadt und in den Gärten wachsen Bananenpalmen und Malven.

Der Vorteil von einem Homestay ist, dass man direkt bei einer Familie wohnt, die auf einen aufpasst. Der Vater ist ein älterer Herr, er organisiert mir ein Fahrrad und bietet mir an, mich überall hinzubringen, beschreibt mir den Weg in die Stadt und winkt mir nach, als ich auf meinem neuen Rad davonrolle.

Mein Rad

Kurz vor der Stadt lasse ich es stehen und gehe zu Fuß hinein, an dem geschäftigen Markt vorbei die Promenade entlang. Hoi An, den Ort, den es unter anderen Namen schon seit fast zweitausend Jahren gibt, war als internationaler Handelshafen für Japan und China von sehr großer Bedeutung, dann aber als die Schiffe größer und der Fluss zu seicht wurde, sank seine Bedeutung, 1780 wurde es teilweise zerstört und nach dem Wiederaufbau war es nur noch ein Städten unter mehreren.

Hoi An

Heute hat sich Hoi An darauf verlegt, für Touristen eine herrliche Kulisse abzugeben. Die Hausfassaden sind unverändert, im warmen Gelb, und in den Bäumen hängen Lampions und Vogelkäfige, aus Lautsprechern klingt klassische Klaviermusik. Weil keine Mopeds in den Stadtkern dürfen, ist es dort nicht hektisch, außer mehrere Touristengruppen treffen in den engen Gassen aufeinander.

Hoi An

Am Abend wird die Stadt dann noch ansprechender, zwar verschwinden die Charaktergesichter der Häuser in der sanften Beleuchtung, dafür werden die Lampions zu bunten Lichtquellen.

hoi an

Über die Brücke nach An Hoi geht es ein bisschen lauter zu, da werden Spiele veranstaltet, die auf den ersten Blick nicht verständlich sind (was einige Touristen nicht davon abhält, trotzdem mitzumachen), Karaokesänger intonieren motiviert vietnamesische Lieder und Frauen verkaufen bunte Papierschiffchen mit Kerzen, die auf den Fluss geschickt werden, um von dort in die Nacht zu leuchten.

Hoi an