Amerika Film

Für all jene, die sich durch den Reisebericht geschmökern haben und ihre Fantasie in Bildern bestätigt sehen wollen – ein 9 min. Film von den schönsten Orten!

(Und natürlich auch für alle, die sich nicht durch die Wortwülste kauen wollen, aber trotzdem Lust auf Fernweh haben:-))

Tag 11 L.A. Hollywood

Hollywood! Der Schriftzug sieht wirklich so aus, wie man ihn aus Filmen kennt, in den trockenen Hügeln, den Hollywood Hills, mit gepflegten Gärten und großen Autos. Weiter im Zentrum, vor dem Kodak Theatre, wo die Oscars vergeben werden, schieben sich Touristen über den Walk Of Fame und blockieren den Weg, weil sie sich hinknien zu den Sternen von Marilyn Monroe, oder Tom Cruise oder Fred Astaire. Die Werbung für Harry Potter dominiert das Grauman’s Chinese Theater, darunter, in der Gischt der Besucher, wogen Mickey Mouses, Spidermen, Shreks und Cat Womans, die einen Dollar für ein Foto verlangen und dann neben japanischen Kindern posieren.

Der Boden zwischen den Sternen ist teilweise aufgebrochen und wird zur Stolperfalle und auch die Geschäfte neben dem Kodak Theater, die Platikoscars und billige Tshirts verkaufen, tragen zu dem Eindruck bei, dass diese Gegend bessere Zeiten gesehen hat. Die Keiler, die Touristen zu einer All-Stars-, oder Hollywood-Live-, oder Starline-Tour bringen wollen, wedeln mit ihren Flyern und geben schließlich Rabatte, bleibt man hartnäckig dabei, nicht in einem der offenen Bussen durch die Hitze der Stadt geschaukelt werden zu wollen, um dann den verschlossenen Gartenzaun eines Filmpromis zu sehen.

Die Universal Studios sind ein Riesenkomplex, eine Mischung aus Besucherzentrum und Filmindustrie, eine Welt für sich. Da wir an einem Samstag die Studios besuchen, ist besonders viel los, 24.000 Menschen in etwa, die sich durch den Park bewegen, und alles ist organisiert. Bei Shrek 4D wackelt man mit seltsamen Brillen auf der Nase in seinem Kinosessel, in The Mummy fährt man in die Dunkelheit der ägyptischen Wüste, Loopings inklusive, im Geisterhaus tauchen Nosferatu oder Chucky unvermittelt auf und stellen einem nach, und man reißt die Hände an die Brust und flieht um das nächste Eck, wo Leichen in Plastiksäcken von der Decke baumeln. Vor dem Haus lässt sich Graf Dracula fotografieren, die Schlange dafür ist lang und einige der Wartenden kämmen ihre Haare schon auf eine Seite des Halses, bevor sie noch dran sind.

Die Studiotour, bei der man in einem Bus sitzt und durch den enorm großen Komplex rollt, dauert fast eine Stunde. Wir kommen an Norman Bates Motel vorbei, an den Dinosaurierkäfigen aus dem Jurassic Parc, fahren durch das Set von War of the Worlds, wo Chaos herrscht, und wofür ein echter Jumbo Jet zerlegt wurde und kommen durch die Wisteria Lane der Desparet Houswives, alles originale Drehorte, teilweise perfekte Kulissen aus Fieberglas und Plastik. In den Soundstages, die absolut Lärmdicht sind, wie gerade eine Folge für CSI gedreht, sieben Tage dauert es, bis sie fertig ist.

Die Show Waterworld bietet ein Feuerwerk an Stundmanaktion und Pyrotechnik, das Publikum ist feurig dabei, jubelt und pfeift und wird in den vorderen Reihen ordentlich nass.

Die Hitze an diesem Tag ist groß, zwischen den Warteschlagen wurden Ventilatoren angebracht, die kalte Luft und Nebel auf die Besucher blasen.

Die Gegend um das Hotel, in dem ich wohne, und das eigentlich das Herrenhaus eines alten Iraners ist, der es wieder rum von der Dame gekauft hat, die es 1927 nach einigen Vorstellungen hatte bauen lassen, ist ruhig, obwohl es nur wenige Minuten zum Meer sind. Die Straßen sind auf beiden Seiten von Palmen gesäumt, gegenüber, vor einem Hospital, das nur ein flaches Häuschen ist, ohne ersten Stock, sitzen faltige Frauen unter Decken in ihren Rollstühlen und sehen den Eichhörnchen zu, die sich über den Gehsteig und die rauen Palmenstämme hinauf jagen. Es fühlt sich ein bisschen wie Land an, kommt mir jemand entgegen und gibt es kurzen Augenkontakt, wird freundlich gegrüßt. Und Hunde gibt es hier beinahe so viele wie in Wien.

Tag 10 L.A. Knott’s Berry Farm

Ein Tag Kontrastprogramm zum Sequioa Nationalpark, nämlich Knott’s Berry Farm bei Anaheim, ein Nachtbar vom Disneyland. Hier regiert der Wilde Westen und im ganzen Park sind alte Damen angestellt, richtige Omas mit weißen Haarknoten, in gerüschten Kleidern, so auch an der Kassa. Als ich ihr meinen Ausweis zeige, beginnt sie mit mir Deutsch zu sprechen, ihre Eltern waren unter dem Kaiser ausgewandert.

Der Park selbst  ist riesig, mit mehr Attraktionen als man an einem Tag ausprobieren könnte und wir stürzen uns auf den Ghostrider, den Silbershot und die Mystery Lodge, die Anstellzeiten zwischen den Jugendlichen, die oft die gleichen Tshirts tragen, weil sie von einem Pre-Collage Programm kommen, einem Sportclub oder einer Highschool sind erträglich, aber die Sonne heizt auf die Wartenden und macht rote Nasenrücken und Rändern entlang des Ausschnitts.

Auffallend ist die Zahl derjenigen, die zu viel auf den Rippen haben und in Elektrowagen fahren, weil sie zu Fuß nicht weit kommen, ihre Familien begleitend, für die Attraktionen sind sie zu schwer.

Der Excelerator, eines der Herzstücke des Parks, beschleunigt in zwei Sekunden auf über hundert Stundenkilometer und schießt die Insassen geradewegs in den Himmel, nur um sie dann im freien Fall nach unten zu schicken. Das aufgeregte Geschrei der Mutigen ist weit zu hören.