Tag 18 Monument Valley – Grand Canyon

Viele Möglichkeiten zu übernachten gibt es im Monument Valley nicht, die meisten kommen am frühen Morgen mit verstaubten Autos in den Park gefahren. In den 50ern entdeckte Hollywood die Gegend und machte sie zum Wilden Westen. John Wayne drehte vor Ort, in der Goulding’s Lodge, unserer Herberge, gibt es jetzt noch ein Filmset.

Der Weg geht weiter nach Süden, zum Grant Canyon, dem Meister der Canyons. Der Abriss, der sich plötzlich in der Landschaft auftut, ist unerwartet und so tief, dass man denkt, eher eine Filmkulisse, als tatsächliche Gegend vor sich zu haben.

Am South Rim, dem Rand der Canyons, führen gut abgesicherte Wanderwege entlang und der Blick wird immer wieder in die Schluchten eröffnet, unten windet sich der Colorado River wie ein kleines, silbernes Band.

Besucher gibt es hier viele, und diejenigen, die das beste Foto haben wollen, klettern an den Rand der Felsen, auf allen vieren, dann drehen sie sich um und grinsen unsicher in die Kameras. Aus dem Canyon erheben sich Kondoren mit nackten, roten Köpfen und ziehen über die Touristen hinweg.

Gegen Mittag ist es heiß, trotz der Höhe, und der Wald, der bis zum Rand der Schlucht gekrochen ist, duftet harzig. Am Abend füllt sich der Parkplatz von neuem und auch die Felsen werden bevölkert. Besucher kommen mit Decken, Getränken und Pizzaschnitten und hocken sich auf die harten, grauen Steine, den Blick über den Canyon gerichtet, als warteten sie auf den Beginn eines Konzertes, alle bemüht um den besten Platz.

Dabei ist es der Sonnenuntergang, dem entgegen gefiebert wird. Um 19:45 verschwindet der rote Feuerball hinter dem Plateau und die Menschen klatschen, dann packen sie ihre Sachen ein und steigen vorsichtig zurück. Der Parkplatz leert sich wieder.

Tag 17 Moab – Monument Valley

Moab ist eine kleine Stadt, aber sie hat einen Pizza Hut, einen McDonalds und einen Burgerking. An der Hauptstraße werden in touristischen Shops Tshirts und Ansichtskarten verkauft, der Star der Gegend, der Delicate Arch, findet sich auf Taschen, Kappen, Tassen und Shirts.

Die Büsche am Straßenrand färben sich gelb und schließlich gibt es  nur noch wenige, robuste Gräser die aus dem Sand wachsen. Die Sicht ins Land ist weit, erst in größter Entfernung endet der Horizont in blauem Dunst.

Das Monument Valley ist kein Nationalpark, es ist Tribal Land und die Navajo besitzen den gewaltigen Landstrich. Von dem Reichtum und den gepflegten Wegen der Nationalparks ist hier leider wenig zu finden, links und rechts der Straße entlang sind Open Ranches, das heißt, ein laufender Maschendrahtzaun schließt die Straße ein, dahinter stehen magere Kühe, Schafe oder Pferde in der Hitze und ziehen auf der Suche nach Futter durch die Weiten. Die Tiere sind scheu und nicht an Menschen interessiert, trotzdem tauchen sie an manchen Stellen direkt neben der Straße auf, mit Knoten in der Mähne und spitzen Hüftknochen.

Die Häuser der Navajo sind flach gebaut und oft gibt es in der näheren Umgebung Hütten aus Holz oder Lehm, die an alte Zeiten erinnern, gebrochen wird die Idylle dadurch, dass mehrere Trucks um die Häuser stehen, immer auch einige ausrangierte darunter, und dass die eigentlichen Wohnhäuser oft einen heruntergekommenen Eindruck machen.

An den Aussichtspunkten tauchen Navajo auf, führen freundlichen Smalltalk und versuchen dann, selbstgemachte Ketten und Armbänder zu verkaufen, will man nichts, bitten sie um Donation für ein Science Projekt, ein Getränk oder die Familie, dann setzten sie sich wieder in ihre Trucks und warten auf die nächsten.

Vom Visitor Center aus ergibt sich der Blick auf rote Steinriesen, die zusammengekauert dahocken und Namen haben wie Left Glove, Right Glove, Elphant oder Camel. Aus dem Blickwinkel verändert sich ihre Form und sie werden zu buckeligen Alten, lauernden Katzen oder Giraffen. Der Abend kommt und bringt das herrlichste Licht, an der Mauer des Visitor Centers sitzen Touristen wie Schwalben, die Kameras im Anschlag, dazwischen betteln streunende Hunde. Auf die Frage nach einem Trail heißt es, es gibt nur einen, der führt um den Left Glove und dauert in etwa drei Stunden. Und es wäre keine gute Idee, denn nach Einbruch der Dunkelheit kommen die Schlagen. Die restlichen Wege sind nur mit Autos zu erfahren, und die benötigen eine Hight Clearance.

Der Chrysler, der zwar kein Ferrari, aber eben auch kein Jeep ist, schaukelt über die Bodenwellen und stolpert in Straßenlöcher, dann schnauft er in der Abendsonne, während ich Fotos mache, und  die Finger in den roten Sand grabe. Er ist weich, wie Puder und färbt die Handflächen. Mit dem Untergang der Sonne bauen die Najavo ihre Stände ab, zurück bleibt eine Dunkelheit, die alles verschluckt und, über ihr, der beeindruckenste Sternenhimmel.