Tag 20 Lake Havasu – San Diego

Der Weg geht durch das Mojave Desert nach Südwesten, und die Fahrt dauert lang. Die Eintönigkeit hinter der Autoscheibe ermüdet, das Navigationsgerät gibt Angaben wie in 90 Kilometern links abbiegen, und die Sonne brennt durch das Seitenfenster. Ein heller Streifen ist die Straße, schnurgerade durch die steinige Umgebung, dann macht sie einen Knick und verläuft sich wieder in einer Linie im Horizont. Es gibt eine Bahnstrecke, die teilweise parallel zur Straße läuft und aus irgendeinem Grund haben sich Menschen hier her verirrt und Namen, Sprüche und Symbole mit schwarzen Steinen in den Sand des Bahndamms geschrieben. Ein seltsamer Anblick, denn hier gibt es sonst nichts, so weit man blicken kann, keine Häuser, keine Open Ranches, kein Vieh, das durch die Gegend zieht. Nur von Bergen umgrenztes Braun.

Das Mojave Desert ist eine Regenschattenwüste und das klingt wie ein Gebiet aus der unendlichen Geschichte. Es bedeutet, dass sich die Regenwolken vor den Bergen stauen und der Regen so gut wie nie bis in das Wüstenbecken vordringen kann. Die ganze Größe der Wüste, zu der auch Las Vegas gehört, ihre umfassende Zähigkeit offenbart sich hier. In der Nähe des Joshua-Tree-Nationalparks beginnen Siedlungen, flache Häuser, die auf einmal in die Wüste gestreut sind und das Elend eines Ghettos reflektieren, manche noch bewohnt, manche verfallene Haufen an Pressspanplatten und Plexiglas.

Ein Großteil der Bewohner dieser Siedlung ist Navajo, oder Diné, wie sie sich nennen, und wirft man einen Blick auf die Geschichte dieser Volksgruppe, verwundert es, dass es überhaupt noch Diné in dem Land gibt. Immer wieder wurden sie vertrieben, umgesiedelt, die Regierung erschoss ihnen einen Großteil des Viehs, als die Stückzahl zu hoch für das Land wurde, und das war in den 1930ern und 40ern, 1974, als es zu Streitigkeiten zwischen den Diné und den benachbarten Hopi-Stämmen kam, verabschiedete die Regierung ein Gesetz, das dazu führte, dass fast 12.000 Diné ihr Land verlassen und in gestellte Wohnungen umziehen mussten. Heute leben an die 300.000 Diné in Nordamerika und trotzdem scheinen sie eine sozial wenn auch nicht belächelt, so aber bestimmt schwer benachteiligte Volksgruppe zu sein. Dabei leben sie seit etwa 900 n.Ch. in Amerika.

Der Joshua-Tree ist eine Yucca, die riesig wird und in meinen Augen nicht mit Schönheit besticht, trotzdem ist ihr ein ganzer Park gewidmet. Sie gedeiht in der steinigen, warmen Gegend bestens und steht zottig zwischen anderen Überlebenskünstlern der Pflanzenwelt.

Kommt man nach San Diego, spürt man den Wind, der aus Mexiko heraufweht, bildlich gesprochen. Die Hälfte der Radiosender spielt plötzlich spanische Schlager und Werbungen am Straßenrand sind zweisprachig oder nur Spanisch gehalten.

Die Comic Convention endete vor einem Tag, trotzdem sind Captain America, Hulk und Spiderman allgegenwärtig, in den Auslagen verschiedenster Shops liegen noch Comicmagazine, die Besucher der Comic Con anlocken sollten.

Das Nachtleben beschränkt sich auf das Gaslamp-Viertel und spielt sich auf der Straße vor den Lokalen ab, bei einer Temperatur von fünfundzwanzig Grad sind die Röcke immer noch sehr kurz gehalten, zwischen einer Karaoke Bar und einem Mexikaner stehen vier Türsteher und schwitzen in ihren Anzügen. Einige Gassen weiter schlafen Menschen in Hauseingängen, manche haben sich dafür kleine Nester aus Decken und Kleidung gebaut, die Hunde an den Körper geschmiegt, andere liegen am nackten Beton, eine Hand notdürftig unter der Schläfe.

Tag 17 Moab – Monument Valley

Moab ist eine kleine Stadt, aber sie hat einen Pizza Hut, einen McDonalds und einen Burgerking. An der Hauptstraße werden in touristischen Shops Tshirts und Ansichtskarten verkauft, der Star der Gegend, der Delicate Arch, findet sich auf Taschen, Kappen, Tassen und Shirts.

Die Büsche am Straßenrand färben sich gelb und schließlich gibt es  nur noch wenige, robuste Gräser die aus dem Sand wachsen. Die Sicht ins Land ist weit, erst in größter Entfernung endet der Horizont in blauem Dunst.

Das Monument Valley ist kein Nationalpark, es ist Tribal Land und die Navajo besitzen den gewaltigen Landstrich. Von dem Reichtum und den gepflegten Wegen der Nationalparks ist hier leider wenig zu finden, links und rechts der Straße entlang sind Open Ranches, das heißt, ein laufender Maschendrahtzaun schließt die Straße ein, dahinter stehen magere Kühe, Schafe oder Pferde in der Hitze und ziehen auf der Suche nach Futter durch die Weiten. Die Tiere sind scheu und nicht an Menschen interessiert, trotzdem tauchen sie an manchen Stellen direkt neben der Straße auf, mit Knoten in der Mähne und spitzen Hüftknochen.

Die Häuser der Navajo sind flach gebaut und oft gibt es in der näheren Umgebung Hütten aus Holz oder Lehm, die an alte Zeiten erinnern, gebrochen wird die Idylle dadurch, dass mehrere Trucks um die Häuser stehen, immer auch einige ausrangierte darunter, und dass die eigentlichen Wohnhäuser oft einen heruntergekommenen Eindruck machen.

An den Aussichtspunkten tauchen Navajo auf, führen freundlichen Smalltalk und versuchen dann, selbstgemachte Ketten und Armbänder zu verkaufen, will man nichts, bitten sie um Donation für ein Science Projekt, ein Getränk oder die Familie, dann setzten sie sich wieder in ihre Trucks und warten auf die nächsten.

Vom Visitor Center aus ergibt sich der Blick auf rote Steinriesen, die zusammengekauert dahocken und Namen haben wie Left Glove, Right Glove, Elphant oder Camel. Aus dem Blickwinkel verändert sich ihre Form und sie werden zu buckeligen Alten, lauernden Katzen oder Giraffen. Der Abend kommt und bringt das herrlichste Licht, an der Mauer des Visitor Centers sitzen Touristen wie Schwalben, die Kameras im Anschlag, dazwischen betteln streunende Hunde. Auf die Frage nach einem Trail heißt es, es gibt nur einen, der führt um den Left Glove und dauert in etwa drei Stunden. Und es wäre keine gute Idee, denn nach Einbruch der Dunkelheit kommen die Schlagen. Die restlichen Wege sind nur mit Autos zu erfahren, und die benötigen eine Hight Clearance.

Der Chrysler, der zwar kein Ferrari, aber eben auch kein Jeep ist, schaukelt über die Bodenwellen und stolpert in Straßenlöcher, dann schnauft er in der Abendsonne, während ich Fotos mache, und  die Finger in den roten Sand grabe. Er ist weich, wie Puder und färbt die Handflächen. Mit dem Untergang der Sonne bauen die Najavo ihre Stände ab, zurück bleibt eine Dunkelheit, die alles verschluckt und, über ihr, der beeindruckenste Sternenhimmel.