Basic Patterns of Derangement

roses tilbud
More attachment to a city
in its autumn heart I find not only the twilit cold
one could expect
at the end of October
but layered structures that seem to exist in the strangest places.

Walking Oslo once again I wish for more
eyes to notice
more
hands to feel
more
memory to not forget.

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The Golden Riot

st hanshaugen

Sometimes something gets stronger, shortly before it dies.

It rebels against the end, no one would have guessed.

Like the leaves. Look at the leaves.

Or like the sentiments of a year that is counting down the weeks. They creep over my back, while I stand looking over the Oslo Fjord, while I swish through the bright yellow dots in Slottsparken, while I squint at the sun.

I watch the last revolution of the trees; their end is marvelous.

 

 

Oslo//Det betyr ingen verdens ting

Oslo Streetart Norway ends there

1.

Er hält ein Schild, auf dem steht: „Norway ends there. Where the sun is never shining.”

Dazu verzieht er das Gesicht hinter den dunklen Brillengläsern.

Es regnet tatsächlich und ich drücke den Knirps mit dem zu kurzen Griff gegen meinen Hals, um die Hände für ein Foto freizubekommen. Von der Straßenseite her kommt der feuchte Wind und bleibt in meinen Haaren hängen. Es ist Samstagmorgen und in der Kaffeebrenneriet sitzen Menschen mit Halbmastaugen an den Fensterscheiben, davor oder dahinter und warten, was das Wochenende bringt.

Kaffeebrenneriet Oslo

2.

bære lækkert Oslo Postkarten

In der Storgate gibt es einen Innenhof* und in dem Innenhof unter dem Dach des Säulenganges, stehen abgeschlagene Kommoden und Kisten mit Postkarten. Eine Kiste hält sie zu tausend, übereinandergeschlichtete Nachrichten von Einzelmenschen an Familien oder umgekehrt, frankiert med hilsen fra. In den Grüßen zu wühlen fühlt sich falsch an und ich schlichte sie von einer Seite auf die andere, als plante ich ein Kartenspiel, dann suche ich mir drei aus (später weiß ich nicht mehr, weshalb ich mir drei Weihnachtskarten genommen habe).

Auf einer steht:

God jul og godt nyttår. Marie in sauberer, runder Schrift und der Poststempel datiert vom 22.12.1960 (Bergen).

Auf der anderen steht:

Hei farmor!

Takk for julekort vi fikk i dag. Øystein er på julebord på K.N.A. i kveld (så jeg er hjemme ålene for første gang i ny huset. Jeg var på butikken i dag og kjøpte meg tre julestjern så na har jeg pyntet. Juletre har vi og tatt i hus. Men ute er det ingen ting som minner om at det snart er jul, vind og regn. Så vil vi onske deg en riktig god og et godt nytt år.

Øystein – Sonja.

(Danke für die Weihnachtskarte, die wir heute bekamen. Øystein ist heute Abend bei der Weihnachtsfeier des K.N.A (wohl die Abkürzung für Kongelig Norsk Automobilklub?) (somit bin ich zum ersten Mal alleine im neuen Haus.) Heute war ich im Geschäft und habe mir drei Weihnachtssterne gekauft, also hab ich aufgeputzt. Einen Weihnachtsbaum haben wir und er ist schon im Haus. Aber draußen ist nichts, dass daran erinnert, dass bald Weihnacht ist, Wind und Regen. Nun wünschen wir dir ein richtig schönes [Weihnachtsfest] und ein gutes neues Jahr. Øystein – Sonja)

Es ist eine SOS-Kinderdorfkarte, abgestempelt am 22.12. 1988 (Stavanger)

Die dritte Karte frankiert, aber leer. Auf der Briefmarke steht Norge 25 und außerdem ist da ein Bild von Kong Olav 5 in frischem Alter.

bærre lækkert postkort Oslo

Im Antiquitäteninnenhof gibt es auch Mickey Maus Hefte aus den 90ern. Mickey heißt hier Mikke Mus und die Seiten sind wellig vom Wetter.

*http://berrelekkert.no/

3.

Deichman Bibliotek

In der Deichman Hovedbibliotek steht DADA über dem Abendprogramm. Die Sitzreihen sind eng gestellt, Bier oder Wein im Pappbecher kostet 75 Kronen. Das Publikum: Septumringe und Windfrisuren und geometrische Tätowierung, ein Geist schöner als der andere.

didaktisk dukketeater

Der Handkasperl im didaktisk dukketeater sagt: Det sier seg selv, at kreative innovasjonsaktiviteter avhenger av prossesorienterte fleksibilitetskompetanser. Dann schießt er Funken aus einer Phallussprühkerze. In der Pause gehe ich auf die Toilette und bin enttäuscht, dass die schönen Nachrichten weggewaschen wurden, die damals noch auf den Fliesen gestanden sind.

Was da stand, als ich vor zwei Monaten hier war:

Toast is bread held over direct flame until crisp.

Jeg vil være fri og fanget på samme tid…

4.

Oslo T Banedrift

Am Abend geht der Plan, von einer Anhöhe aus auf die Stadt herab zu blicken, nicht auf. Ab Voksenlia liegt Schnee auf den Bahnsteigen und mein Gesicht spiegelt sich blass in den Scheiben des leeren Zuges. Da, wo ich hinatme, bilden sich schmale Rinnsale.

Die Endstation Frognerseteren steckt in Nebel, dahinter gibt es nichts außer Dunkelheit und Wald (?). Irgendwo sind die Menschen hin und sie haben die Stadtlichter mitgenommen.

T banedrift oslo

Oslo// Fortellingens stilland.

Oslo Schloss Aussicht

Gestern bin ich spät angekommen. So spät, dass ich dem Hotel schreiben musste, dass sie mein Zimmer nicht vergeben sollen. So spät, dass das Samstagspartyfolk schon unterwegs, aber noch nicht heillos fulle war. Von meinem Zimmer im achten Stock habe ich einen teuren Ausblick und ich mache die Vorhänge nicht zu, sollte ich in der Nacht munter werden und hinaussehen wollen.

Heute morgen ist die Sicht weißgrau schattiert. Ich habe Zeit und gehe in meinen Ausblick, nach Grünerløkka, den Markveien hinauf. Ich treffe kaum Menschen, es ist Sonntag und die meisten Cafés machen erst später auf.

grünerløkka bakeri oslo

Die Angst der Erzählerin ist die Leere, der Narrationsstillstand. Möwen kreisen, sonst ist es still, nicht einmal Autos sind unterwegs. In den Gehsteigkanten ist Kies festgeeist, obwohl es seit einigen Tagen Plusgrade hat. Am Ende des Marktveien drehe ich um gehe die Thorvald Meyers Gate zurück, es rauscht und die Bytrikken schwappt das Schmelzwasser aus den Schienen.

Flohmarkt Oslo

Am Olaf Ryes Plass haben sich einige Zelte zu einem schwächlichen Flohmarkt versammelt, Polen stehen beisammen und rauchen. Ich quere die Wiese. Obenauf steht schmutziges Wasser, unter der Oberfläche ist sie gefroren. Ein Mann spricht mich an, sobald ich nahe genug bin und sagt: Femtusend for alt! Seine Aussprache ist deutsch und seine Handbewegung umfasst den Stand unter den blauen Planen, die Service und Butterbrotdosen. Für ein ordentliches Lächeln reicht es nicht. Dann ist es Zwölf und es fehlt das Kirchenglockenläuten. Dafür beginnt es zu regnen.

Der Narrationsstillstand beschäftigt mich, aber als Antidoton habe ich einen Plan: ich gehe zum Poesifestival, komme aber etwa zu spät, weil ich den Anfängerfehler mache, zur Kontaktadresse zu reisen: Arbins gate 1. Dort ist das Festivalbüro und der einzige Grund, weshalb ich das erzähle, ist, dass es zugleich das Ibsenmuseet ist, wo ich durch den Hintereingang hereinirre und dann in einem finsteren Stiegenhaus stehe, das videoüberwacht ist. Ich löse, hingegen meiner Erwartungen, keinen Alarm aus, als ich durch einen Teil der Ausstellung schleiche wie ein Dieb und schließlich im Shop ende, wo mir eine Dame versichert, noch nie vom Poesifestival gehört zu haben, bevor mir eine andere erklärt, dass ich ins Kunstnernes Hus müsse, quer durch den Schlosspark.

Schlosswache Oslo Schlechtwetter

Vor dem Schloss hat sich der Schnee gehalten, der Wind pfeift über die Anhöhe. Einige Touristen sind unterwegs und machen mit eingezogenen Köpfen Fotos von der Wache.

Als ich schließlich ankomme, ist die Filmvorführung des Poesifestivals schon im Gange. Ich suche mir in der Dunkelheit des Saales einen Platz und verschwimme in den Bildern der grönländischen Künstlerin Ivalo Frank. Das Publikum ist höflich und leise. Nach dem Film folge ich der Einladung zur Zeichenstunde in einen Nebenraum mit Glaswand.

Niemand ist da. Auf einem Tisch steht eine Box mit Stiften, daneben liegen Zeichnungen, auf die Kinder ihre Namen und ihr Alter geschrieben haben. Ich kann durch die Glasscheibe hinunter in das Restaurant sehen. Ich setze mich und zeichne, was ich schon lange nicht mehr gemacht habe. Dann schreibe ich meinen Namen und mein Alter auf das Papier und lege den Zettel unter den Kinderzeichnungsstapel.

Julepynt Oslo

Draußen ist das Tageslicht unverändert trüb. Mir fällt auf, dass in einigen der Straßen hinter dem Schloss noch die Weihnachtsbeleuchtung hängt. Julepynt. In meinen Haaren bleibt der Niesel hängen. Das zweite Antidoton ist das Frank Znort Quartet im Blå und ich komme wieder zu spät, weil ich am Weg hin hier und dort trödle und am Akerselva Fotos mache. Als ich schließlich dort bin, werden nur noch drei Lieder gespielt, aber alleine dafür hatte es sich ausgezahlt.

Akerselva gefroren

Später kaufe ich mir Salzlakritze und wandere den Akerselva hinauf bis zum Sagveien, die Uferpromenade entlang und schau mir die schmelzenden Eisschichten beim Wasserfall an. Es sind noch stumme Menschen mit Hunden unterwegs, die Lichter an den Halsbändern haben.

Oslo Streetart Blå

Jetzt habe ich so viel erzählt, obwohl doch den ganzen Tag über nur mein Wandern passiert ist und sonst nichts. Du må bare snakker uten å si noe. Es ist so leise hier.