Tag 27 New York – Wien

Der letzte Tag in den USA. Der Morgen ist schwül und warm, wie die vergangenen Tage. Nur einmal hat ein starker Regenguss über den gelben Himmel gewaschen, sonst blieb es sonnig. Die Met steht strahlend im Mittagslicht, vor dem Brunnen lassen sich Ballettmädchen fotografieren, dort wollen sie einmal hin.

Ein besonders seltsames Gebäude ist das Flat Iron Building. An einer Seite läuft es spitz zu, und steht da, als könnte es jeden Moment zur Seite kippen.

Im Central Park ist am frühen Nachmittag einiges los, Kutschen, Räder, Rikschas und LäuferInnen sind unterwegs, auf einer Bühne wird ein Jazzkonzert gegeben und an einem anderen Ort haben sich RollschuhfahrerInnen versammelt, um gemeinsam zur Musik eines DJs zu fahren und zu tanzen. Um den Rollschuhplatz haben sich Schaulustige versammelt, sie sitzen auf den flachen Steinen und wippen mit den Köpfen im Takt.

Auf den Liegewiesen baden Hunderte in der Sonne, dahinter erhebt sich eine Wand an Wolkenkratzern. Sie sehen aus, wie hineingezeichnet.

Das Taxi, das uns aus Manhattan bringt, ist ein Grand Marquis, ein letzter Seitenhieb, und er schaukelt durch Schleichwege, über die Brücke nach Queens und schließlich zum Terminal 4 des JFK Airports, der so groß ist, wie eine Stadt. Ab jetzt beginnt das Warten, das Herumsitzen, Taschen-kontrollieren-lassen, das Parfumtesten im Dutyfree und das auf Anzeigetafeln-Starren. Keine Verspätungen. Sechs Stunden nach London, wieder das gleiche Spiel, weitere zwei Stunden, dann ist man wieder in Wien, wo das Wetter gnädig ist. Die Zeitverschiebung nimmt man nicht wahr, weil man ohnehin streichfähig ist. Die Eindrücke des letzten Monats bleiben noch im Kopf sitzen, wie funkelnde Steinchen, und man holt sie vorsichtig heraus und bestaunt sie von allen Seiten.

Tag 26 New York

Um Manhattens Skyline sehen zu können, bietet es sich an, von draußen herein zu kommen, über die Brooklyn Bridge. Leider ist es heiß, so heiß, dass sich alle, die über die Brücke komme, den Schweiß von den Stirnen wischen und nur wenig Freude daran haben, an der Brüstung zu lehnen. Hinunter sieht man kaum, denn die Straße für die Autos verläuft direkt unter der Fußgängerbrücke, außerdem wird gearbeitet und dafür sind Planken aufgestellt worden. Die Blicke, die auf die Hochhäuser fallen, sind dennoch beeindruckend, die Stadt steht da wie hingemalt. Auf dem bronzenen Schaubild in der Mitte der Brücke ist das World Trade Center noch eingezeichnet. Jemand hat R.I.P darüber geritzt.

Im Schatten des Washington Parks liegen Leute unter den Bäumen und sehen dem Treiben im Brunnen zu. Die Fontaine ist wie das Licht für Fliegen, Kinder stehen gebadet im Wasser und Erwachsene halten die Füße in die Abkühlung. Ein Mann badet sich sowohl im Wasser als auch in der Aufmerksamkeit der anderen. Unter dem Triumphbogen des Parks spielt ein Student auf einem Klavier, die Musik weht bis zu der Gruppe von Trommlern, die etwas weiter weg sitzen.

Die beste Sicht auf die Stadt bekommt man aber erst, wenn man sich nach oben begibt, hinauf, hinauf. Das Rockefeller Center hat hierfür in einem der vielen Türme, dem GE Tower (zweitgrößtes Hochhaus New Yorks) eine Aussichtsplattform errichtet. Von Top of the Rock aus überblickt man – wie ein Kapitän das Meer – die Häuserschluchten und silbernen Hälse, die sich rund herum aufrichten und nach oben blinzeln, dazwischen der Central Park, ein grüner Teich. Ist das Licht richtig, fühlt man sich ein wenig wie eine Taube, die hochgetragen wurde, oder wie ein Adler, für diejenigen, die mit Tauben nichts anfangen können.

Der Broadway ist unglaublich lang, er zieht sich durch halb Manhattan, nur da, wo er die 42th Street schneidet, wird er für TheaterliebhaberInnen interessant. Selten hat man so viele Stücke auf einem Haufen und am Abend, wenn die Vorstellungen gegen elf Uhr enden, strömen aus den verhältnismäßig kleinen Ausgängen auf einmal Massen an beschwingten TheaterbesucherInnen.

HAIR spielt es im St. James Theater, in einer Seitengasse zum Broadway, der 44th, und es wird eine Lottery um die ersten beiden Reihen veranstaltet – das heißt, man gibt seinen Namen an und kann, wird man gezogen, zwei Karten um jeweils 27 Dollar kaufen. Dionysos war uns hold und ließ uns Tickets für die erste Reihe Mitte gewinnen, eine dritte Karte auch nicht weit entfernt gab es noch dazu, damit wir alle einen schönen Abend hatten. Hair hat für mich eine lange Geschichte und ich habe es mit dem Wahnsinn einer Vierzehn bis Sechzehnjährigen im Raimundtheater verfolgt. Deswegen wusste ich auch, dass Berger gleich zu Beginn des Stückes mit den Leuten der ersten Reihe redet – neu war, dass er meine Mutter als die Seinige erkannte – wow, my mum is here – und umarmte. Die Tatsache, dass sie aus Austria kommt sorgte für freundliches Gelächter im Publikum. Durch die späten Sechziger getragen verging der Abend in einem Taumel an Farben und Melodien, am Schluss wurde Let the Sunshine in gegeben, während das Publikum, soweit die Kapazität dafür da ist, auf die Bühne darf um mit den DarstellerInnen zu tanzen.

Nachher gab es noch ein Foto mit Mamas neuem Sohn, Steel Burckhardt aka George Berger. Die Straßen rund um den Times Square sind immer noch voller Menschen, die den Trubel suchen und im Licht der Reklamen der Nacht entkommen wollen.

Tag 24 New York

Um mit den drei Stunden Zeitverlust, die man auf der Strecke von San Diego nach New York hatte, umgehen zu können, schläft man länger. Der Morgen beginnt geruhsamer, schon alleine deswegen, weil es früher Nachmittag ist, als wir endlich auf die Straßen hinaus kommen.

Mit den Ubahnen kommt man schnell voran, angenommen, sie kommen sofort. Die Wartezeiten sind um einiges länger, als von Wien gewohnt, dafür ist es möglich, mit manchen Linien besonders flott weiter zu kommen – es sind Expresslinien, die nur an bestimmten Stationen halt machen. Nicht alle Züge sind klimatisiert und die, die es nicht sind, werden zu Riesensaunas, in denen die Menschen schwitzen und mit ihren Zeitungen oder Händen fächern, die Augen rollen und mit ihren Sitznachbarn darüber schimpfen, dass es unerträglich ist. Und das ist es wirklich.

Das Stephen A. Schwarzman Building, eine der vielen Public Libraries, liegt neben einem Park, in dem auf einer Bühne eine Ballettaufführung geübt wird, ohne Musik, nur die Lehrerin steht in buntem Fummel unten und ruft hinauf one and two, three, four, don’t look down!, five and six-, in der Bibliothek drinnen ist es leise, trotz der vielen Touristen, deren Taschen durchsucht werden, beim Hinein- und Hinausgehen.  In einem Flügel, zwischen den Büchern über Englische und Amerikanische Literatur, sitzen Leute, die tatsächlich lesen und arbeiten, und welche, die in einer Hand den Fotoapparat und den Stadtplan haben, einen Einkaufssack von Juicy Couture oder Hollister oder Aeropostale um das Handgelenk, die Füße heiß in den Sneakers. Sie starren gegen die aufwendige Deckenkonstruktion und denken wahrscheinlich an etwas ganz anderes.

In der Grand Central Station herrscht wieder nervöses Treiben, hier kommen Züge und Subways zusammen, die Menschen, die es eilig haben, woanders hin zu kommen und die, die herumstehen um Fotos zu machen, um Geld zu erbitten, um Werbung zu machen, um auf jemanden zu warten.

In New York ist es auch möglich für den New York Athletic Club einen Jahresbeitrag von beinahe achttausend Dollar zu verlangen und den Mitgliedern Kleidervorschriften zu machen. Wer nicht in Hemd und langer Hose kommt, darf nicht beim Haupteingang herein. An Mitgliedern mangelt es dem Club, der aus einem ganzen Hochhaus besteht, trotzdem nicht.

Chinatown liegt im Südosten von Manhatten und verspricht dem Reiseführer nach, bunt und aufregend zu sein, nirgendwo sonst im Westen leben so viele AsiatInnen in einer Stadt. Zur falschen Zeit dort, spät Abends nämlich, ist die Canalstreet, die nach Chinatown führt, schmutzig vom Tag. Neben dem Ubahnaufgang bieten Männer Prada und Guccitaschen um zwanzig Dollar, weiter in dem Viertel ist dann gar nichts mehr los. Die Rollläden sind heruntergezogen und die wenigen Shops, die noch offen haben, verkaufen Uhren, Parfums, Taschen und Kinderspielzeug, alles in einem kleinen Raum, zu billigen Preisen. Um dreiundzwanzig Uhr machen auch die meisten Restaurants dicht, dann schläft Chinatown.

Tag 22 Tag San Diego – N.Y.

Der Balboa Park wurde für die Panama Exhibition 1914-1917 erweitert, täuscht aber darüber hinweg und vermittelt eher den Eindruck, seit vielen hundert Jahren schon gewachsen und gepflegt worden zu sein. Hier spaziert man zwischen den Museen, die in den spanischen Gebäudekomplexen angesiedelt sind, oder lehnt an einem der Teiche, in denen riesige weiße und gefleckte Koi ihre Schnauzen an die Wasseroberfläche stoßen. Der San Diego Zoo ist ebenfalls im Balboa Park und täglich pilgern Tausende hin, um die Tiere zu bestaunen, am Parkplatz stehen die Autos schon am Vormittag zu dicht, dass keine Freiflächen mehr bleiben.

Wir trennen uns von dem Chrysler, der uns viele Stunden durch Kalifornien, Utha, Arizona und Colorado kutschiert hat und lassen ihn am Flughafen in San Diego stehen. Der Flug nach New York geht um 22:10, die Stimmung am Terminal ist ruhig, einige sitzen mit überschlagenen Beinen, die Köpfe schon schwer, andere stehen noch an den letzten geöffneten Geschäften und lesen Zeitschriften.

Sobald das Flugzeug in der Luft ist, entspinnt sich unten ein Lichternetz, das den ganzen Flug über nie richtig abreißt, nur mehr oder weniger zerklüftet. Gegen zwei Uhr Früh ist ein Wetterleuchten zu sehen, das über den halben Himmel geht und es sieht bedrohlich und schön aus. Die meisten Passagiere haben ihre Leselichter abgedreht und versuchen zu schlafen, dazu haben sie die seltsamten Stellungen eingenommen. Der Sonnenaufgang weckt sie dann gemeinsam mit dem Rumpel des Fluges. Um kurz nach sechs Uhr früh empfängt mich New York.

Tag 17 Moab – Monument Valley

Moab ist eine kleine Stadt, aber sie hat einen Pizza Hut, einen McDonalds und einen Burgerking. An der Hauptstraße werden in touristischen Shops Tshirts und Ansichtskarten verkauft, der Star der Gegend, der Delicate Arch, findet sich auf Taschen, Kappen, Tassen und Shirts.

Die Büsche am Straßenrand färben sich gelb und schließlich gibt es  nur noch wenige, robuste Gräser die aus dem Sand wachsen. Die Sicht ins Land ist weit, erst in größter Entfernung endet der Horizont in blauem Dunst.

Das Monument Valley ist kein Nationalpark, es ist Tribal Land und die Navajo besitzen den gewaltigen Landstrich. Von dem Reichtum und den gepflegten Wegen der Nationalparks ist hier leider wenig zu finden, links und rechts der Straße entlang sind Open Ranches, das heißt, ein laufender Maschendrahtzaun schließt die Straße ein, dahinter stehen magere Kühe, Schafe oder Pferde in der Hitze und ziehen auf der Suche nach Futter durch die Weiten. Die Tiere sind scheu und nicht an Menschen interessiert, trotzdem tauchen sie an manchen Stellen direkt neben der Straße auf, mit Knoten in der Mähne und spitzen Hüftknochen.

Die Häuser der Navajo sind flach gebaut und oft gibt es in der näheren Umgebung Hütten aus Holz oder Lehm, die an alte Zeiten erinnern, gebrochen wird die Idylle dadurch, dass mehrere Trucks um die Häuser stehen, immer auch einige ausrangierte darunter, und dass die eigentlichen Wohnhäuser oft einen heruntergekommenen Eindruck machen.

An den Aussichtspunkten tauchen Navajo auf, führen freundlichen Smalltalk und versuchen dann, selbstgemachte Ketten und Armbänder zu verkaufen, will man nichts, bitten sie um Donation für ein Science Projekt, ein Getränk oder die Familie, dann setzten sie sich wieder in ihre Trucks und warten auf die nächsten.

Vom Visitor Center aus ergibt sich der Blick auf rote Steinriesen, die zusammengekauert dahocken und Namen haben wie Left Glove, Right Glove, Elphant oder Camel. Aus dem Blickwinkel verändert sich ihre Form und sie werden zu buckeligen Alten, lauernden Katzen oder Giraffen. Der Abend kommt und bringt das herrlichste Licht, an der Mauer des Visitor Centers sitzen Touristen wie Schwalben, die Kameras im Anschlag, dazwischen betteln streunende Hunde. Auf die Frage nach einem Trail heißt es, es gibt nur einen, der führt um den Left Glove und dauert in etwa drei Stunden. Und es wäre keine gute Idee, denn nach Einbruch der Dunkelheit kommen die Schlagen. Die restlichen Wege sind nur mit Autos zu erfahren, und die benötigen eine Hight Clearance.

Der Chrysler, der zwar kein Ferrari, aber eben auch kein Jeep ist, schaukelt über die Bodenwellen und stolpert in Straßenlöcher, dann schnauft er in der Abendsonne, während ich Fotos mache, und  die Finger in den roten Sand grabe. Er ist weich, wie Puder und färbt die Handflächen. Mit dem Untergang der Sonne bauen die Najavo ihre Stände ab, zurück bleibt eine Dunkelheit, die alles verschluckt und, über ihr, der beeindruckenste Sternenhimmel.

Tag 16 Bryce Canyon – Moab

Durch den beliebten Bryce Canyon gehen viele Trails, teilweise auch am Pferderücken erkundbar. Wir steigen hinunter, über die Wallstreet, ein in vielen, engen Kurven gewundener Pfad, der so bevölkert ist, dass es an manchen Stellen eng wird. Von unten herauf schnaufen diejenigen, die dachten, der Weg wäre weniger steil, hinunter, noch voll Tatendrang kommen die, die den Marsch in den Queen’s Garden oder zum Sunrise Point vor sich haben. Die meisten Besucher sind Holländer, Japaner, Deutsche und Franzosen, nur hin und wieder hört man tatsächlich Amerikaner reden.

Die Nationalparks waren bisher perfekt gepflegt und auch hier ist es nicht anders. Die Trails sind geschottert und begrenzt, an jedem wichtigen Eck findet sich eine Tafel mit Informationen über die Gegend und der Aufforderung, die Natur zu achten, Wildtiere nicht zu füttern und nicht neben den Weg zu steigen, weil dadurch junge Pflanzen und winzige Biotope zertreten werden könnten, außerdem gibt es an jedem Parkplatz saubere Klos, Trinkbrunnen und Mistkübel. Es ist bei hoher Strafe verboten, Müll wegzuwerfen, etwas in die Steine zu ritzen oder das Wildlife zu gefährden und tatsächlich liegt nichts herum, was nicht hergehört. Nur der rote Sand windet sich durch die Lücken der Schuhe und des Rucksackes und reist mit in den Arches Nationalpark. Hier haben Wind, Wetter und Eruptionen Gebildete geschaffen, die als Brücken und Wackelsteine aus dem Wüstenboden ragen. Im Abendlicht leuchten sie rot und ihre Schatten zaubern Rohrschachtests auf den sandigen Boden.

Tag 15 Las Vegas – Bryce Canyon

Man verlässt Las Vegas mit dem Gefühl, dass die Party weiter geht. Durch das Valley of Fire geht der Weg weiter in den Zion und den Bryce Canyon. Wieder verändert sich die Landschaft im Laufe der Kilometer, die über einspurige Freeways abgespult werden. Zuerst Wüste, die Felsen sind rot, dann wird es bergig und kühler. Ein Trail führt in den Zion Canyon und am Ende denkt man, man wäre in Bruchtal und erwartet, die Elben zu sehen.

Die Kante des Felsen, auf dem man steht, reißt jäh ab, dahinter geht es hunderte Meter nach unten. Mormonen haben das Gebiet der jetzigen Nationalparks in den 1870ern für sich gewonnen, viel früher gab es Natives, die das Land bebauten. Der Bryce Canyon heißt so, weil Ebenezer Bryce das Gebiet mit seiner Familie besiedelte, vor etwa hundertfünfzig Jahren.

Hoodoo heißt in Navajo so viel wie Zauber und Hoodoos sind auch die Steinformationen im Bryce Canyon, die aufragen wie erstarrte Krieger. Die Landschaft ist einzigartig und am Aussichtspunkt, dem Sunset Point, warten die FotografInnen darauf, dass endlich die Sonne untergeht.

Tag 13 Las Vegas/Death Valley

Die Teufelstheorie unterstützend befindet sich etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt die Hölle. Getarnt als braune Wüstenlandschaft an deren Enden sich zackige Berge wellen. Die Hölle ist ein Nationalpark, Death Valley, und ihre Bewohner sind Schlangen, Skorpione und hin und wieder Weggefährten wie Hasen und zarte Füchslein. Die Straßen, die das Tal durchziehen, sind strikt gerade, so wie die meisten Grenzen hier, und sie verlaufen sich in der Entfernung, trotzdem liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei maximal 65 Meilen, eher aber bei 45, das sind etwa 70km/h.

Andere Autos scheint es aber kaum zu geben und der Gedanke an eine mögliche Panne gibt einen Stich im Hinterkopf. Man lobt den Erfinder der Klimaanlage, nachdem man zum ersten Mal ausgestiegen ist. Draußen hat es 48 Grad, Temperatur steigend. In Furnace Creek wurde 1913 die zweithöchste Temperatur der Welt aufegnommen, 56 Grad. Das war am 10 Juli, der Tag unseres Besuches war neun Tage später, 2011. Früher wurde im Death Valley Borax abgebaut, dafür haben Maultiere unendlich schwere Maschinen in die Wüste geschleppt und Minenarbeiter bei diesen Temperaturen Löcher in die Erde geschlagen, die jetzt noch zu sehen sind.

Der Bad-Water-Point liegt 80 Meter unter dem Meeresspiegel, die wenigen Wasserlaken sind so salzig, dass diejenigen, die versuchten, es zu trinken, das Tal frustriert Badwater genannt hatten. Jetzt wandern Besucher über die salzig, sandige Ebene und am Parkplatz hat jemand eine Pizza auf die Motorhaube seines Wagens gelegt, der Käse schmilzt nach wenigen Minuten. Entlang des Artist’s Drive entfalten sich hinter jeder Biegung neue Steinformationen, die einen aus der Kühle des Autos nach draußen treiben, die Kamera in der Hand, den starken Wind als ständigen Begleiter. Er fühlt sich an, als würde jemand in der Sauna mit dem Handtuch fächern.

Steht man auf dem heißen, steinigen Boden und blickt über das Flimmern, das Aussieht wie Wasser, aber nur eine Luftspiegelung ist, hört man kein Geräusch, keinen Vogel und kein Auto, man ist alleine mit dem Atem des Teufels im Genick.

Am späten Abend ist Las Vegas ein heller Fleck in der Dunkelheit rundherum, und der Lichtkegel, der vom Luxor aus in die Nacht geschickt wird, ragt hoch wie der Masten eines Schiffs. Mit dem Licht, kehrt auch der Lärm zurück, die vereinnahmenden Geräusche des Gewinns und des besonderen Angebots, der Shows und Vergnügungen.

Tag 12 L.A.-Las Vegas

Obwohl über das Wochenende ein Teil der Autobahn gesperrt war und jeder, den man fragte, prognostizierte, dass es zu einem schlimmen Verkehrschaos kommen würde, ist der Fluss der Autos normal, vielleicht sogar besser, als an normalen Tagen. Das Theater, das rund um den gesperrten Abschnitt veranstaltet wurde, war scheinbar ausreichend, die vorsichtigen BewohnerInnen LA schon von vornherein dazu zu bringen, ihr Auto stehen zu lassen oder über das Wochenende der Stadt den Rücken zu kehren.

Der Weg nach Las Vegas dauert in etwa fünfeinhalb Stunden, und er führt aus einer halbwegs grünen Gegend in die Wüste. Schon bevor man in die Stadt kommt, wachsen die ersten Kasinos aus dem Boden, in Baker sind sie absurde Karikaturen von Farmhäusern, aufgeblasen auf Wolkenkrazerhöhe, dazwischen windet sich eine Achterbahn durch die Leuchtreklamen.

Schon von Weitem heißen die wirklich großen Kasinos die Ankömmlinge der Wüstenstadt willkommen, ihre Namen sind bekannt und rollen im Mund wie Perlen, The Mirage und Bellagio und Flamingo und die Häuser strecken sich prunkvoll nach oben hin, mit glitzernden Fassaden und leuchtenden Füßen, wo sich Menschen tummeln wie Ameisen. Die Werbungen versprechen die besten Buffetts, Shows und Gewinnchancen, drücken sich mit der Größe von Einfamilienhäusern ins Bewusstsein.

Und die Luft ist heiß, erschlagend, im schlimmen Kontrast zu den klimatisierten Innenräumen.

Ich checke ins Cesars Palace ein, eine Halle ist bombastischer als die andere, und schon bevor man zur Rezeption kommt, blinken die Spielautomaten.

Am Abend wird es voll auf den Straßen, da kommen diejenigen, denen die Hitze des Tages zu anstrengend war, oder die bis jetzt geschlafen haben, und bevölkern die Gehsteige des Las Vegas Boulevards, einige mit Plastikflaschen, die wie Wasserpfeifen geformt sind, in den Händen. Aus jedem Eingang und von jeder Werbetafel schallt Musik, oder werden die Angebote herabposaunt, am Straßenrand stehen Keiler und drücken den Vorbeigehenden Bilder von nackten Frauen und den entsprechenden Telefonnummern in die Hände. Auch in einigen Kasinos tanzen zwischen den Spieltischen Tänzerinnen an Stangen, oder in Käfigen, kaum wahrgenommen von denjenigen, die sich auf die Zahlen, Karten und Würfel konzentrieren.

Die Strechlimos und Luxushummer stehen im Stau des Strips, aus den Fenstern winken Hände mit Gläsern.

Die Fontänen vor dem Bellagio entfalten sich zu klassischer Musik und sind so anders, als das spitze, schnelle Rundherum, eher passt hier der Vulkan dazu, der vor dem Mirage jede Viertelstunde Feuerflammen in die Luft speit.

Gibt es einen Teufel, dann lebt er bestimmt hier, im obersten Stock des MGM vielleicht, und lächelt herunter auf die

Besucher seiner Stadt, die auch bei Nacht von der Hitze geplagt ist.