Stockholm Tag 1// Stör ej!

Stockholm

Stockholm hat sich zurück gezogen und liegt mit halb geschlossenen Augen in sich zusammengerollt. Von seiner Nase tropft der Schneeregen, dabei ist heute Frühlingsbeginn. Ich habe schon gewusst, was mich erwartet, aber dann schlage ich mir doch schnell die Kapuze über den Kopf, als ich an der Centralstation aussteige.

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Am Weg in die Altstadt fällt mir auf, dass das Volk ein anderes Kälteempfinden hat. Wer braucht schon Handschuhe, oder eine Jacke über das Sakko? Nur die Südlandstouristen, offensichtlich. Nordländern ist nicht kalt, höchstens frisch, das hat zumindest einmal jemand gesagt.

kungelige slottet stockholm wache

Um das Kungliga Slottet fegt Wind und ich bekomme weiche Schneeflocken ins Gesicht, wo sie brennen. Die Wache wippt auf den Sohlen vor dem Schloss, auch bei ihr kennt der Wind keinen Respekt.

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Am Kai, hinter den Schiffen, weit hinten, ist ein Haushügel, aber dorthin spaziere ich nicht, ich möchte lieber die Markthalle sehen. Die liegt im Stadtteil Östermalm und der ist so wunderbar rechtwinkelig, dass sogar ich mir schwer tue, mich zu verlaufen.

östermalm

Die Östermalms Saluhall ist ein Backsteintempel aus 1888 und als ich hineingehe begrüßt mich zwar zaghaft der Käse, aber sonst ist die Buntheit und die Vielfalt alleine für die Augen. Ich denke kurz an die Straßenmärkte in Saigon und deren alles erschlagende Haptik, da schmeckte man die Fische und das süßliche, aufgeschnittene Fleisch im Vorbeigehen, ob man wollte oder nicht, und hier, nichts. Ich kann die überdimensionierten Meerestiere betrachten, die hier auf Eis liegen, ohne dass mich der Geruch verabschiedet und nachrechnen, wie viel 100 Gramm Seeteufel kosten. Zwischen den Verkaufsinseln sitzen Menschen auf hochbeinigen Sesseln und essen aus Designertellern.

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Ich spaziere weiter, hinüber zum Djurgården, vorbei an den Museen vor denen einige Touristen ihre Regenschirme falten, und planierten Gehweg am Wasser entlang. Es ist so ruhig, dass mich das Rascheln meiner Haare unter der Kapuze fast stört und die Luft riecht nach den Bergen. Auf einmal liegen weiße Federn über den Weg gestreut und ich folge ihnen einige Minuten das Ufer entlang.

djurgarden

Ich denke an einen Schwan, später finde ich in der felsigen Wand zu meiner Rechten eine große Schwungfeder im Moos.

Der Weg hat sich verändert und knirscht nicht mehr unter meinen Schritten, er ist weich und federnd geworden und ich vergesse, dass ich am Sirishovsvägen bin und denke, ich sei alleine auf der Welt.

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Ich drehe eine großzügige Runde und komme mit der Dämmerung zurück zum Djurgårdsvägen. Der Vergnügungspark Gröne Lund steht verweist, Skansen hat die Tore geschlossen und schweigt, nur in das ABBA Museum haben sich dann doch einige verirrt, das sehe ich durch die Glaswände.

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Über die Brücke komme ich zurück nach Östermalm wo inzwischen die Lichter angegangen sind. Mir ist so kalt, dass ich keine Lust mehr habe, noch länger dem Wind zu trotzen. In Norrmalm schüttle ich die Wassertropfen auf den Läufer der Nordiska Kompaniet und sehe mir drinnen teure Uhren und Kinderkleidung an, dann beschließe ich, es gut sein zu lassen. Stockholm seufzt einmal leise und drückt das Kinn gegen die Brust. Morgen, verspricht es mir, ist es wieder ganz munter.

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Gib der Ruhe einen Namen, nenne sie Oslo, kjære Oslo.

Operaen Oslo

Im November dauert die Morgendämmerung so lang wie die Abenddämmerung und an Regentagen spielt der Himmel von grau auf weiß auf grau und dunkelgrau, dunkeldunkel. Am Morgen ist es kühl, vor dem Fenster des Sentrum Pensjonat holpert ein Koffer über die Regenrillen im Trottoir. Durch das Fenster zieht die Morgenluft und wirbelt den Orangenschalengeruch vom Heizstrahler. Ich werfe die Schalen weg, die sind hart geworden über Nacht.

Aus dem Bad am Gang kommt ein asiatisches Mädchen mit nassen Haaren und einem Hello Kitty Shirt. Wir sehen uns nicht an, als wir aneinander vorbeigehen, sie verschwindet hinter einer Türe, ich suche in der einen Spiegelhälfte, die nicht blind ist, nach meinem Morgengesicht.

Operaen Oslo

Ich höre die Möwen, bevor ich das Meer sehe, und dann hebt sich aus dem Meer die Oper. In den Prospekten im Hostel war sie ein verschrobenes Bild rechts unten gewesen, jetzt stecke ich die Hände in die Taschen und bestaune sie aus der Ferne. Ihr Weiß schmilzt in den Himmel und Zinnsoldatmenschen wandern an ihr bergauf und bergab. Ich nehme ihre hellen Winkel und steige auf der einen Seite nach oben, dort wo die Sicht auf die neuen Glashäuser frei ist, die aus dem Boden gezogen werden, dann spaziere ich über ihren Rücken hinüber. Hinter den Fjorden ist der Himmel stählern, Möwen sitzen auf den Mauern.

Oslo Opera

Auf der Karl Johans Gate sind Menschen zu finden, Menschen mit Einkaufstaschen und Bettelschildern, dazwischen kreuzen die Schienen der Straßenbahnen, in den Nebengassen reflektieren die blanken Scheiben die gegenüberliegenden Fassaden. Am Kopf der Karl Johans Det Kongelige Slott, ein cremfarbener Bau am Rotbraun des Hügels. Davor die königliche Garde in ihrer braven Geschäftigkeit.

det kongelige slottet

Unten am Meer, bei Aker Brygge verlieren sich die Farben in der ausbalancierten Architektur des Astrup Faernley Museums und fallen in das Wasser, das so ruhig liegt, als wäre es nur eine Kulisse.

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Am äußerten Eck des Tjuvholmen Skulpturpark setzte ich mich an die Mauer. Der nede er havet, der oppe er skyene, beides paart sich im Fluchtpunkt. Das Licht wird weniger, es ist kurz nach drei.

astrup faernley museum

Der Akerselva braut sich zwischen seinen schmalen Ufern zu einem Gischtberg, aber schnell ist er wieder eine ruhige Blindschleiche. Im Abendlicht der Straßenlampen glänzt seine grüne Oberfläche, an den Brücken treffen sich Hundebesitzer und nicken sich zu.

Ingens Gate

Ich wandere zurück zum weißen, spitzen Opernberg, weil ich die Nacht über der Stadt sehen will. Es ist hell geworden und ich stehe in Stille. Jeg tror, jeg ble forelsket. Kanskje jeg ble forelsket i deg, kjære Oslo.

Oslo Skyline

 

18/ Cat Ba – Hanoi. Urwald und Betondschungel.

Cat Co 1

Der letzte Tag auf der Insel hüllt sich wieder in diesige Kälte. Ich wandere zu den Stränden, Cat Co 1 und Cat Co 2. Der Weg hin ist hügelig und führt an Bougainvillen vorbei, an den Blumenbeeten der Resorts und an leeren Wächterhäuschen. Am Strand sammelt sich die Einsamkeit. Niemand ist hier, die Liegen und Schirme sind von einer feuchten Schicht überzogen, an der Bar steht eine Flügeltür offen, weil sie der Wind aufgedrückt hat. Das Meer liegt ruhig, weiter draußen stehen Fischer auf ihren Booten und holen Netze ein.

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Weil ich genügend Zeit habe, mache ich eine Runde durch Cat Ba Town, das sich schnell in dem Anstieg der Insel zerstreut.

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Am Markt sind außer mir keine Fremden und es ist ungewohnt, durch die Reihen zu gehen und nicht angesprochen zu werden. Zwischen dem Gemüse und den Alltagsartikel, die in der gewohnten Überfülle angeordnet sind, schlafen die Verkäuferinnen.

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Zurück nach Hanoi geht es in der selben Bus – Boot – Bus – Bus Reihenfolge, in der wir gekommen sind, nur dass sich unsere Zahl in Hai Phong auf sechs Reisende dezimiert hat.

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Der Fahrer scheucht uns auf einem Parkplatz aus dem Bus und dirigiert uns unter den gewohnten He! Und Hoi! Rufen zur Schnellstraße. Auf seinem Moped ist er ein grantig Hütehund, der uns in einem Rudel zusammenhält. Als einer der Gruppe einen Seitenschritt macht, um Wasser zu kaufen, verdoppeln sich das He!! und er prescht zurück um sein verlorenes Schäfchen wieder einzusammeln. Dann warten wir am schmalen Seitenstreifen irgendwo in Hai Phong darauf, dass uns ein anderer Bus aufsammelt, der Hirte, wieder in guter Laune, raucht mit uns und deutet begeistert auf eine Gruppe von Frauen, die in einiger Entfernung joggen.

Als wir nach Hanoi einrollen, beginnt der Regen und es beginnt auch der Abendverkehr, der ein vielköpfiger, brummender und hupender Drache ist. Einer von uns meint, er fühle sich wie ein ein Neugeborenes, nach der Ruhe der Insel völlig überfordert von dem Lärm und dem Dreck der Stadt. Ich fühle genau so.

16/Cat Ba. Tief im Grün.

Cat Ba National Park

In der Früh ist es im Zimmer so kalt wie draußen, das heißt 11 Grad. Der Fließenboden klebt an den nackten Füßen und das Frühstück auf der offenen Terrasse kühlt schneller aus, als man es essen kann, diesmal gibt es Nudelsuppe, die wärmt. Um neun treffen wir uns, um unsere Tour zu starten und werden zu einem eine halbe Stunde entfernten Punkt gebracht, von wo es ins Gelände geht. Es ist kein Pfad, der von der Wiese abzweigt, sondern ein alter Ziegenweg aufwärts, und schnell wird klar, dass es keine Spazierwanderung ist. Karstigen Steine bilden den Untergrund und stehen in unregelmäßigen Abständen. Ihre Oberflächen sind so scharf, dass man sich die Finger aufschürft, wenn man nicht vorsichtig hingreift und nach oben hin werden sie zu Speerspitzen. Immer wieder öffnen sich Höhlen zwischen ihnen, die in das Innere der Berge führen, losgetretene Stein fallen metertief, bevor man ihren Aufschlag hört. Wir arbeiten uns nach oben, zu einem Aussichtspunkt, und wieder nach unten, nach oben, nach unten über die scharfseitigen Steine und über rutschiges Laub.

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Kein Schritt kann gedankenlos gesetzt werden, immer muss der nächste Ast, die nächste fingertiefe Steinnische im Blick sein, bevor man das Gleichgewicht verlagern kann. Aus dem Gehen und Suchen wird ein meditativer Akt, das Hirn klingt sich aus und funktioniert nur noch als Navigation zwischen den Yuccapalmen, wildem Ficus und Mangroven, wie Affenhände an den Ästen, nach einem Blick ob es Dornen gibt oder nicht. Nach einiger Zeit passiert dann das, wovor sich jeder fürchtete, einer der Gruppe rutscht aus und stürzt. Es knackt und rauscht, er überschlägt sich und landet mit dem Rücken auf Steinen. Das Geräusch schreckt alle auf und erst als er wieder auf die Beine kommt und versichert, sich nichts gebrochen zu haben, geht es weiter. Er ist ein Arzt aus Chile, später wird sein Knöchel um das doppelte anschwellen und ihm die verbleibende Strecke zusätzlich erschweren.

Mangrove

Sechs Stunden geht es durch das Gelände, bevor die Beine so zerkratzt und sauer sind, dass ich Angst habe, auszurutschen, aber dann kommt die größte Herausforderung, die darin besteht, eine sechs Meter abfallende Wand hinunter zu kommen, ohne auf diejenigen zu fallen, die schon vorausgeklettert sind.

Cat Ba

Die Steine beißen in die Handflächen und schaben über Ellenbogen und Schienbeine, Reiseerinnerungen für später. Als uns der Dschungel wieder auf die Wiese spukt, die plötzlich hinter dem Blättergewirr auftaucht, gibt es ein Hallo in der Gruppe, alle haben es geschafft. Steifbeinig geht es an den Wasserbüffeln vorbei, zurück zur Ausgangsstation.

Cat Ba

Am Abend sitzen wir gemeinsam beim Essen und können nicht aufstehen, ohne mit den Gelenken zu krachen. Den nächsten Tag, so beschließen wird, wird aufs Kletterwandern gepfiffen.

15/ Hanoi – Cat Ba. Tausche Hauptstadt gegen Insel.

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Es fällt mir nicht schwer, die kalte Stadt zu verlassen. In der Früh friere ich mich durch das Frühstück (Eierspeis, zwei Gurkenscheiben, eine Tomatenspalte. Herber Lipton Schwarztee), das in einer Nebennische des Hotels nach einigem Nachfragen dann doch serviert wird und ich habe genügend Zeit, darum möchte ich kein Taxi nehmen, da ich sonst womöglich zwei Stunden bei der Busstation verbringen kann. Die Alternative, noch ein wenig mit dem Schimmelbettzeug zu kuscheln, ist allerdings auch nicht attraktiv, darum mache mich mit meinem treuen Koffer zu Fuß auf zur Busstation, die drei Kilometer entfernt ist. Da es regnet und der Wind auch nicht auf meiner Seite ist, ist es kein allzu freundlicher Weg. Er führt an der Autobahn entlang, wo sich der Morgenverkehr dahin wälzt und am Busbahnhof angekommen bin ich froh, den ersten Teil einer langen Reise hinter mir zu haben. Drinnen sitzen schon eine Handvoll Rucksackreisende, die auch zur Insel wollen, alle angepackt und ausgekühlt. Der Kasernenbeigeschmack der Station wird durch die schnippischen Mitarbeiterinnen unterstützt, man fühlt sich als zahlender Mensch mehr als Bittsteller. Das Touristenrudel wird in den Bus gestrieben, unter den „He!“ und „Hoi!“ Rufen des Nordvietnams, die universell einsetzbar sind und von: „Ich will dein Ticket sehen“ bis hin zu „Willst du eine Stunde von mir durch die Landschaft chauffiert werden“ alles heißen können. Im Bus dann Klimaanlage, weil es draußen ja hitzige 10 verregnete Grad hat und die Verkühlung, die sich über Nacht in den Ohren und in der Nase heimisch gemacht hat, breitet sich gemütlich in mir aus.

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Die Reise geht über fünf Stationen, wir werden von einem Bus zum anderen gescheucht, in ein schnelles Boot und wieder einen Bus. Durch die angeschlagene Scheiben wechselt das Bild der verdreckten Stadt zu dem Industrieviertel von Hai Phong und schließlich zu der schroffen Schönheit der Insel, die sich aus dem Nebel schält. Nach fünf Stunden ist die Distanz geschafft, Cat Ba hat uns Reisende und begrüßt uns mit bissigem Meerwind und feuchter, grüner Fülle.

Es ist Nebensaison, darum sind außer uns kaum Leute hier, wie es scheint, die obligatorischen Touristenfänger umspringen uns zwar, als wir aus dem Bus kommen und versichern, dass es keine freien Zimmer mehr auf der Insel gibt außer dem einen in ihrem Hotel, aber sonst liegen die Straßen und die wenigen Restaurants leer. Die Gruppe aus dem Bus verläuft sich und trifft sich später am Abend wieder in der Straße, die wir zur Hauptstraße erheben. Nach der Hektik Hanois ist es auf der Insel beinahe unheimlich ruhig. Keine Autos, nur hin und wieder ein Moped auf der breiten Straße. In einigen Restaurants lehnen die Besitzer auf den Plastiksesseln und schauen Fern, niemand ist da, um etwas zu bestellen, nur im Marigold Club, einem goldenen Kubus, der zwischen den hohen, chinesischen Häusern vollkommen aus dem Bild fällt, steigt eine Party. Als wir einen Blick hineinwerfen, ist außer dem DJ niemand hier, nicht einmal ein Kellner hinter der Bar. Trotzdem wird der umliegende Stadtteil beschallt. Da es bald dunkel wird, lässt sich die Natur ringsum nur erahnen. Morgen werde ich sie besser kennen lernen, dann geht es für eine Tageswanderung in den Nationalpark.

Cat Ba

14/ Hue – Hanoi. Nacht und Nebl.

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In einer neuen Stadt anzukommen ist aufregend. In der nächtlichen Finsternis in einer neuen Stadt anzukommen, ist aufregend und zu einem gewissen Grad unbequem. In der Finsternis, Kälte und dem Regen eines nächtlichen Hanoi anzukommen und vom Flughafen in das Stadtzentrum so lange durchzustauen, wie der Flug von Hue hier her gedauert hat, ist vollkommen unangenehm.
„Der alte Stadtkern ist ein Labyrinth in dem man sich gerne verläuft“, sagt Dumont. Nein, lieber Reiseführer, ist es nicht. Es ist eng und laut und von den Plastikplanen, die über die Suppenküchen gespannt sind, tropft Schmutzwasser. Dass mein Hotelzimmer dem Filmset von Les Miserables entspricht und der Vorbesitzer des Bettes scheinbar ein verdammter Fakir war, dass es drinnen genau so kalt und feucht ist wie draußen und das Bettzeug riecht, als wäre es die letzten drei Monate im Keller gelegen, hebt meine Laune nicht direkt. Leider kommt dazu, dass der Wetterbericht Kälte und Regen verspricht. Meine Idee, am folgenden Tag auf die Insel Cat Ba zu fahren, scheint mir also nicht mehr allzu ideal. Andererseits ist die Aussicht, länger in dem nassen Moloch zu sitzen, auch keine Alternative. Am Morgen hüllt sich Hanoi in eine dicke Nebeldecke, als wollte es den Rest der Welt ausschließen. Ich fahre.

 

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9/Hoi An – Hué. Liegend durchs Land.

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Der letzte Morgen in Hoi An ist wieder weiß und kühl. Ich mache mit meinem Koffer eine Abschiedsrunde durch die Innenstadt, dann werde ich vom Bus abgeholt.

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Es ist kein Reisebus, wie ich ihn erwartet hätte, sondern ein seltsamer Sleeper, innen zweistöckige Liegen, auf denen man durch das Land geschaukelt wird, wobei man aufpassen muss, dass man nicht links oder rechts einen Abgang in den unteren Stock macht, kommt eine Kurve unerwartet. Es geht langsam dahin, die 125km nach Hué ziehen sich auf Landstraßen dahin, über Drachenbrücken und schnaufen Bergstraßen hinauf, immer hinter anderen, die ihre brustschwachen LKWs im Schritttempo nach oben treiben.

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Die Landschaft zwischen den größeren Städten ist grün und verwuchert, immer wieder durch kleinste Ortschaften durchbrochen in denen die Straßen aus feuchtroter Erde sind, mit schmutzigen Bachufern und Hausruinen in denen trotzdem Wäscheleinen gespannt sind. Eine Pause wird eingelegt, in der alle ihre Knochen strecken und mir auf der Toilette kurz der Gedanke einschießt, was ich machen würde, wenn ich nach draußen komme und der Bus weg ist, dann geht es weiter und am Abend sind wir in Hué. In der Königsstadt rollt der Verkehr, auch am Abend, und sowohl die Temperatur als auch der ständiger Nieselregen lassen mich an London denken.

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4/Ho Chi Minh. Freizeitschläfer und Albinoboas.

Saigon Notre Dame

Nach dem gestrigen Gewaltmarsch steht heute der Plan, es touristischer anzugehen. Der Morgen ist klar und bald warm, die Grünflächen werden gegossen und die Märkte gehen wieder von Waren über. Ich besuche die Kirche Notre Dame, die hübsch anzusehen ist und praktischer Weise direkt neben der Hauptpost liegt. Die ist um 1890 herum gebaut worden und Gustav Eiffel hat damals die gusseisernen Streben beigesteuert.

Saigon Hauptpost

Sie ist den Besuch wert, das finden auch die anderen Touristen, die die gleiche gute Idee haben wie ich, nämlich vor Ort Karten zu kaufen und direkt zu schreiben. Ein Mann in meiner Nähe meint, das sei ein ruhiges Haus und ich höre es nur mit einem halben Ohr, weil ich bemüht bin, die überdurchschnittlich großen Vietnamkarten zu füllen, aber dann verstehe ich ihn doch. Es ist wirklich ruhig in der Posthalle, trotz der vielen Menschen; es muss an der Architektur liegen und an den klaren Linien.

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Ich gehe die Le Duan Allee weiter, an Businesstower und Nobelhotels vorbei und stehe irgendwann am Botanischen und Zoologischen Garten an. Eigentlich möchte ich mir noch das historische Museum ansehen, das im selben Gelände untergebracht ist, aber dort herrscht Dunkelheit und Mittagssperre. Dafür macht das Geschrei aus dem Zoo die Museumsruhe wett. Ich zahle den Eintritt von zwölftausend Dong, also keine 50 Cent, und versuche mich in dem Durcheinander von Kindern, Bummelzügen und Lautsprecherdurchsagen zu orientieren. Eigentlich möchte ich den Garten sehen, aber die Mittagshitze ist drückend und mein Kreislauf befielt mir, mich neben dem Giraffengehege auf den Boden zu setzen. Rings um mich hocken Familien auf mitgebrachten Decken ode Zeitungspapier und halten ihr Picknick ab, alle scheinen wunderbar gelaunt und wer schon gegessen hat, rollt sich auf die Seite und hält ein Schläfchen ab.

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Ich fühle mich blöd, zuvor einen Umweg gemacht zu haben, um nur ja nicht in die Wiese zu treten, als ich sehe, dass die Leute hier Hängematten mitgebracht haben, die sie zwischen den Bäumen spannen und dass sie jedes Fleckchen Rasen nützen, um sich darauf breit zu machen.

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Die Tiere sind nur eine Nebenerscheinung, die mehr oder weniger aufgeregt wahrgenommen wird. Auf der Suche nach den seltenen Pflanzen, die Dumont versprochen hat, komme ich an einer Gruppe von Jugendlichen vorbei, die unter dem alterstypischen Gekreische im Kreis sitzen und etwas wie Wahrheit oder Pflicht spielen. Ich bin mit den Gedanken schon bei den Gibbons, die das einzig halbwegs vernünftige Gehege haben, als ich Trippeltrappel hinter mir höre. Mein Griff geht automatisch zur Handtasche, dann sehe ich, dass mir einer der Jungs nachgerannt ist, sich jetzt, da ich mich umgedreht habe, einbremst und „I love you!“ schreit, dabei hat er die Augen am Boden. Dass ich mit „I love you too“ antworte, finden seine Freunde großartig und sie begrüßen den Mutigen zurück im Kreis.

Saigon Zoo Python

Ich wandere müde weiter und hänge meinen Gedanken nach. Darin verschwindet das Glas vor dem Phytongefängnis wie in Harry Potter und der Stein der Weisen, der weiße Tiger mit den Schneeaugen zwängt sich durch die Stäbe und macht sich über einen Suppenstand her, ich sehe, wie die Elefanten über die Absperrung steigen und die Wärter im Vorbeigehen mit erhobenen Rüsseln zum Schweigen bringen, wie sich das Orang-Utan Paar an der Hand nimmt und sich vor dem Zoo ein Taxi bestellt, das sie weg bringt von hier.

Zuschauer vor Elefantengehege

Aus den Gedanken lasse ich mich nur ungern reißen, aber plötzlich stehe ich im botanischen Garten und bin beeindruckt von der Vielfalt und der Üppigkeit der Pflanzen. Die Palmen sind haushoch und zerfallen oben in ausladende Fächer, im Orchideenhaus blüht der bunte Überschwang und dazwischen wippen schwarze Schmetterlinge, die so groß sind wie Spatzen.

Botanischer Garten Saigon

Ich bewundere die Blumen und merke mir keinen einzigen Namen und als ich mich sattgesehen habe, mache ich mich auf zum Fluss. Der Weg hin führt durch eine enge Straße, das Leben hat sich jetzt, da der Nachmittag golden und mild ist, wieder nach draußen in die späte Sonne verlagert und die Vorbereitungen für das Abendessen sind schon an allen Ecken im Gange. Ich setze mich zum Flussufer und schaue in den Song Sai Gon. Auf seiner Oberfläche treiben Lotusblätter. Es ist für jetzt mein letzter Abend, morgen geht es ab nach Da Nang.

Saigon River View

1/Wien – Ho Chi Minh City. 9140 km gegen die Zeit.

SaigonDer erste Tag in Saigon beginnt mit dem Abend. Aber vor dem Abend kommt der Abflug am Vorabend von Wien nach Berlin, von Berlin nach Abu Dhabi von den Emiraten nach Saigon, das ist anders gesagt Gepäckkontrolle, Einchecken, Durchchecken, Wasserflasche austrinken und dann am Klo wieder nachfüllen, einmal, zweimal, dreimal sitzen, dazwischen das richtige Gate suchen und warten, warten, warten. Von einem Flugzeug ins andere, dazwischen eine schwarze, dann eine gestreifte Decke aus der Folie packen und um die Beine wickeln, weil die Klimaanlage bläst, den Flugbegleiterinnen zusehen, wie sie Saft und Tee und Kleinigkeiten darbieten, schlafen, wach sein, essen, warten. Und dann endlich ankommen in den sauberen Hallen des Flughafens, draußen ein Taxi organisieren und in die Stadt fahren, wo es dunkel ist, weil die Sonne schon wieder weg ist. Die Klimaanlage im Wagen funktioniert, ich schaue hinaus, wo Happy New Year 2014! Schilder und Suppenküchen vorbeigezogen werden und die vielen Mopeds, die tragen schwer hier. Wenn wir halten, stehen rechts von uns die Motorroller mit ihren drei, vier Aufsitzern, ganze Familien auf einem Gefährt, und alles funktioniert auf eine seltsame Weise. Es ist leiser als damals in Delhi und die waghalsigen Überholmanöver mancher Mopedfahrer kosten mich keine Aufschreie mehr, auch nicht, als an einer Kreuzung alle vier Seiten auf einmal losfahren; eine scheinbar stille Absprache darüber, wer wann wo vorbeifahren darf, lässt die Lichter passieren, rechts und links und entgegen, dann löst sich die Quadrille auf, weil die Ampel auf rot umgesprungen ist.
Mein Hotel liegt in einer Seitengasse, der Fahrer parkt außerhalb und deutet über Schulter, während er das Geld nachzählt. Mein Zimmer ist ganz oben im fünften Stock, einen grauen Spind zum Versperren gibt es, Klimaanlage, Waschbecken mit goldrotem Blumenmuster, sehr motivierte Fliesen, deren Borte einen Teekocher und Obst zeigt, im Bad ein Plastikkübel mit Schöpfer unter dem Hahn, die traditionelle Form der Dusche. Ich zahle für vier Nächte, dann mache ich meine Willkommensrunde draußen. Es ist gegen halb neun, als ich losgehe und schnell eröffnet sich die Gasse zur touristischen Hauptstraße hin, wo das Leben auf kniehohen Plastiksesseln entspannt, mit Bier, Zigarette, Reis, mit Billard und dröhnendem Bass, mit Garküchen und Krabben, Muscheln, Hühnerbeinen, mit frittierten Aalen und Tintenfischen.

Garküche Würde ich den Meerestieren frönen, wäre ich hier richtig, so aber freut sich mein Herz über die frischen Obstshakes, die angeboten werden. Die Frau, die das Obst schneidet, trägt ein goldenes Armband, in ihren Haaren hängen ein paar Zuckerkörner, die hat sie wohl vorher am Handrücken gehabt. Mit dem Guaven-Shake geht es mir noch besser, gleichzeitig wird die Straße enger und die Musik aus den Bars lauter, bis es plötzlich mit der nächsten Kreuzung aus ist. Gegenüber verparken Autos und Mopeds die Seiten der Straße, aber die Nachtwanderer bleiben auf der hiesigen Seite der Kreuzung. Meine Runde endet wieder im Hotel, die Dusche wartet auf mich, das Bett und das Fenster, das gekippt ist. Als ich den Vorhang weghebe, fliegt eine Fledermaus auf. Ich höre sie, wenn sie von ihren Beutezügen zurückkommt, dann dockt sie an den Fensterstock. Es ist nett, dass sie da ist. Der Tag war lang, morgen bin ich dann richtig hier.Fruchtshakedame

Tag 14 Delhi//Elfenbeinturm

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Das Frühstück am Dach wird besonders genossen, denn es ist das letzte Mal, dass ich in der feuchten Morgenluft hier oben sitze und die Liebeslieder aus dem alten Radioapparat höre, den sie mit Seidenblumen in die Blechbalken gebunden haben. Ich lasse mir die Cornflakes in ihrer Plastikschüssel und den viel zu süßen Kaffee im Pappbecherchen schmecken und plane meinen letzten Tag. Aus dem Gestrigen haben ich zweierlei aufgefrischt: 1.) Sei nicht während der Mittagszeit draußen, das hält der österreichisch geeichte Kreislauf nicht aus und 2.) sei nicht überfreundlich, wenn dich diverse Kerle anplaudern, weil sie dich wahrscheinlich als westliche Kuh mit goldenen Hörnern sehen.

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Mit diesen Gedanken mache ich einen Spaziergang im vormittäglichen Paharganj. Die meisten Geschäfte richten gerade ihre Auslagen her, es wird gekehrt und geputzt und der eigene Abfall unter Schachteln geschaufelt und in Abflüsse gestopft. Ich vergesse das selbstverhängte Einkaufsembargo, bilde mir ein, dass sich mein Koffer durch bloße Willenskraft noch ausdehnen würde und kaufe noch zwei herrliche Tunikas inklusive Hosen und Schals um jeweils 150 Rupien.

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Am frühen Nachmittag fahre ich denn in den weiten Süden, zur Qutb Minar, die Fahrt dauert fast 40 Minuten, aber wie schon erwähnt sind die Ubahnzüge klimatisiert und übersauber, darum ist es eine angenehme Reise. Weil ich bei meinem ersten Aufenthalt vor fast zwei Wochen schon einmal bei der Qutb Minar war (nur dass das Gelände damals schon geschlossen hatte, hier noch einmal ein herzliches Dankeschön an den motivierten Rikschafahrer, der mich damals hingebracht und sofort freimütig angeboten hat, mich wieder zur U-Bahn zu chauffieren), habe ich mir den Weg gemerkt und gehe ihn heute zu Fuß.

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Dabei ist Zufußgehen hier in Delhi eine eher unangenehme Geschichte. In Kathmandu war es in Ordnung, am Straßenrand über die buckeligen und ziegelsteinigen Gehsteige zu stolpern, aber hier sind die Trottoirs oft kniehoch und meistens seitlich von Natur eingewuchert. Ich finde trotz der widrigen Umstände (und später soll es noch ungemütlicher werden) zu dem Komplex, zahle die obligatorischen 250 Rupien Eintritt und verbringe dann gute zwei Stunden damit, durch die Steinruinen zu spazieren und mir alles genau anzusehen.

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Der Wachturm ist beeindruckend, 74 Meter hoch und ewige achthundert Jahre alt. Man fragt sich, wie um Himmelswillen damals so ein Kunstwerk geschaffen werden konnte. Die Form des Turmes ist dank seiner abwechselnden Fassade äußerst lebendig, die Koraninschriften und der Stuck machen ihn einzigartig schön. Ich setze mich auf eine der alten Mauern und beobachte die anderen Gäste, fast ausschließlich indische Gesichter, die ihren Spaß daran haben, in den Ruinen herumzuklettern und die beste Position für Erinnerungsfotos zu finden. Wohin ich mich auch verdrücke, aus den Augenwinkeln merke ich schon, wie sich eine Gruppe an jungen Kerlen anschleicht, herumdruckst, bis sich der Mutigste vortraut und mich um ein Foto bittet. Einer, den ich frage, wieso er denn ein Foto haben will, kramt nach Worten: You look so…so und ich helfe nach: not indian? Ich bin mir nicht sicher, ob es das war, was er sagen wollte, aber er lächelt mit gesenkten Augen und setzt sich vorsichtig für ein Foto neben mich.

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Der Ort ist wirklich zauberhaft und als ich ihn verlasse und mich am Weg zum Garden of five Senses mache, ist der Straßenlärm besonders unerträglich. Die Bürgerteige sind hier mehrere Meter breit und brechen manchmal direkt in den Waldbereich daneben auf. Das sind die Gebiete der Straßenleute, die hier ihre Baracken aufgeschlagen haben, ihre Zeltplanen und Wasserkanister, ihre Ziegen, Hunde und Hühner. Gleich hinter den Lagern häuft sich der Müll, der Geruch ist entsprechend. Ich drücke mich an einer dieser Siedlungen vorbei und werde von drei Mädchen aufgehalten, die vorher wollen, dass ich ein Foto von ihnen mache und nachher dafür Baksheesh verlangen, das ich vorsichtig aus dem Geldbeutel zupfe. Die Mädchen theatern mir das Geld aus der Hand und sind nicht der Meinung, dass ich sie für ihre Modeldienste genügend entlohnt hätte, ich schaue, dass ich weiterkomme und ignoriere die Hunde, die mir schlechtgelaunt und streitsüchtig folgen. Irgendwann verschwindet das Trottoir plötzlich in einer überwucherten Waldweg und ich bücke mich unter einem ebenso streitsüchtigen Busch durch, der mit seinen Dornenfingern in mein Haar greift und mich nicht so einfach loslässt. Ich reiße mich los und meine Lust, den Garten der fünf Sinne zu suchen, ist ebenfalls in dem gemeinen Gestrüpp hängen geblieben, vor allem, da die nächste U-Bahnstation endlich auftaucht und der Weg zum Garten verstaubt, eng und gerümpelig aussieht. Ich verschwinde lieber in den klimatisierten Untergrund und kaufe mir am Weg ins Hostel eine Trostpapaya, die mich ein bisschen aufmuntert.

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Am frühen Abend traue ich mich mit erstarkter Abenteuerlust nach draußen (habe die Papaya vernichtet, geduscht, in dem Harry Potter gelesen, den jemand in der Hotelbibliothek zurückgelassen hat, ein Keks gegessen und mein Gesicht in das träge Flapflapflap vom Deckenventilator gehalten). Am Markt kaufe die letzten Souvenirs und erinnere mich an das herrliche Lassi, deshalb wandere ich zum Bahnhof hinauf. Dort spüre ich die ersten Tropfen und begehe den Fehler, nicht darauf zu achten, was die anderen tun. Die verschwinden nämlich als wären sie aus Zucker in diversen überdachten Nischen, während ich locker mit dem Fotoapparat in der Hand zu einem illustren Grüppchen schlendere, das sich unter einen Baum drückt und dreinsieht, als stünde die Rache Vishnus bevor.

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Und dann kommt der Monsun. Es ist das erste Mal in diesen zwei Wochen (obwohl es Monsunzeit ist!), dass er richtig über mich kommt, nicht der zarte Nieselregen aus Kathmandu, es ist der zerstörerische, wilde Monsun, der Brücken weggeschwemmt und Mensch und Vieh ertränkt hat. Unter dem Baum wird es leer bis auf mich, denn ich bleibe fasziniert von den Wassermassen neben einem Handkarren mit Mangos stehen. Der Regen ist warm und weich, er durchbricht die aufgeheizte Luft wie Freudentränen und ich lasse mich von ihm einhüllen. Es dauert eine gute Viertelstunde in der der Monsun ungezügelt und leidenschaftlich herabschwallt, und ich bin nass, nass, nass. In einer kurzen Atempause marschiere ich mit großen Schritten durch die Lacken heim, an der Tür sitzen die Spanierinnen und unterhalten sich aufgeregt und der Hostelboy meint auf meine Schilderung der Ereignisse hin bedauernd: No good idea to hide under tree. Aber es macht nichts, es war ein Abschiedskuss des indischen Himmels, der mich als Ganzes umfasst hat. Ich winde meine Kleidung aus, ziehe mir etwas Trockenes an, nehme mir den Schirm und wage mich wieder nach draußen, weil ich Hunger habe. Der Regen ist zurück, so herrisch wie zuvor und die Straßen werden zu einem absurden Rennplatz von lackenspringenden Fußgängern, Motorrädern und Tuktuks, die zwar hupen, aber nicht direkt langsamer werden, auch wenn sie nicht sehen können, wohin sie fahren.

Ich erklimme die Stiegen zum Mount Everest Restaurant wo gerade noch ein Platz frei ist, dann schaue ich mit den anderen ängstlichen Wildromantikern hinaus in den Regen.P1230777

Mit einem Mal ist der Strom weg und die Dunkelheit wird johlend begrüßt. Der Restaurantbesitzer entschuldigt sich bei allen, dass der Generator nicht funktioniere und stellt Kerzen auf die Tische, derweil leuchtet der Himmel. Es sind nicht einzelne Blitze, die herunterkommen, viel mehr sieht es aus, als wäre das gesamte Himmelsdach aus Lichtentladungen gemacht, die in unterschiedlicher Frequenz aufzucken. Im Kerzenschein kommt mein Essen, es ist so finster, dass ich es nicht sehen kann, nur der Dampf vom Schwarztee kringelt sich im Gegenlicht. Umso köstlicher ist, was ich bestellt habe, ein Pilzchilli mit Reis und Roti, scharf und heiß und wunderbar. Was das Durcheinander der Straße noch unheimlicher macht sind die Scheinwerfer, die durch den Regen pflügen, das Geschrei von denen, die unterwegs sind und der Lärm der Wassermassen.                                                                          Es ist ein seltsamer Moment und er vereint so vieles der letzten zwei Wochen, das Unerwartete, das Improvisierte und das Wunderbare.

Am Weg zurück stehen die Straßen unter Wasser, aber der Monsun ist verklungen, er hat sich von mir verabschiedet. Morgen Früh geht es auf nach Hause.P1230782