Amerika Film

Für all jene, die sich durch den Reisebericht geschmökern haben und ihre Fantasie in Bildern bestätigt sehen wollen – ein 9 min. Film von den schönsten Orten!

(Und natürlich auch für alle, die sich nicht durch die Wortwülste kauen wollen, aber trotzdem Lust auf Fernweh haben:-))

Tag 22 Tag San Diego – N.Y.

Der Balboa Park wurde für die Panama Exhibition 1914-1917 erweitert, täuscht aber darüber hinweg und vermittelt eher den Eindruck, seit vielen hundert Jahren schon gewachsen und gepflegt worden zu sein. Hier spaziert man zwischen den Museen, die in den spanischen Gebäudekomplexen angesiedelt sind, oder lehnt an einem der Teiche, in denen riesige weiße und gefleckte Koi ihre Schnauzen an die Wasseroberfläche stoßen. Der San Diego Zoo ist ebenfalls im Balboa Park und täglich pilgern Tausende hin, um die Tiere zu bestaunen, am Parkplatz stehen die Autos schon am Vormittag zu dicht, dass keine Freiflächen mehr bleiben.

Wir trennen uns von dem Chrysler, der uns viele Stunden durch Kalifornien, Utha, Arizona und Colorado kutschiert hat und lassen ihn am Flughafen in San Diego stehen. Der Flug nach New York geht um 22:10, die Stimmung am Terminal ist ruhig, einige sitzen mit überschlagenen Beinen, die Köpfe schon schwer, andere stehen noch an den letzten geöffneten Geschäften und lesen Zeitschriften.

Sobald das Flugzeug in der Luft ist, entspinnt sich unten ein Lichternetz, das den ganzen Flug über nie richtig abreißt, nur mehr oder weniger zerklüftet. Gegen zwei Uhr Früh ist ein Wetterleuchten zu sehen, das über den halben Himmel geht und es sieht bedrohlich und schön aus. Die meisten Passagiere haben ihre Leselichter abgedreht und versuchen zu schlafen, dazu haben sie die seltsamten Stellungen eingenommen. Der Sonnenaufgang weckt sie dann gemeinsam mit dem Rumpel des Fluges. Um kurz nach sechs Uhr früh empfängt mich New York.

Tag 21 San Diego

Das Leben beginnt gemächlich, in San Diego. Am Vormittag stehen die Türen der Geschäftslokale offen zum Lüften und am Gehsteig unterhalten sich Menschen mit Besen in den Händen.

Vor der Stadt liegt die Insel Coronado, eine Idylle der Reichen, wo sich die Gärten der Villen aneinander schmiegen und jedes Haus scheinbar mit dem Wunsch gebaut wurde, den eignen Stil zur Vollendung zu bringen. Es gibt kein einheitliches Aussehen, sondern eine Vielfalt an Villen, deren ArchitektInnen mit einem ordentlichen Budget ausgestattet worden waren. Der Strand breitet sich weit und weich aus, für die Lifeguard ist eine eigene Strecke freigehalten, über die sie mit ihren gelben Jeeps rollen. Im Wasser, das an die achtzehn Grad hat, stehen Menschen bis zur Hüfte und ziehen die Bäuche an, wenn eine Welle kommt. Plötzlich deuten sie nach draußen, ohne große Aufregung und ich sehe Delfine, zwei oder drei. Ihre Finnen kommen den Badenden nahe, nur die Bahn einer Welle ist zwischen ihnen. Sie ziehen weiter.

Am Strand suchen die Möwen, die groß sind, als kämen sie aus einem Hitchcockfilm, nach Badestätten, welche von ihren Besitzern verlassen wurden. Entdecken sie ein Handtuch, auf dem eine Tasche steht, kommen sie näher und recken die Hälse, umrunden die Tasche bis sie die Papierverpackungen ausmachen, in denen Bagels stecken, oder Muffins, dann greifen sie an und zerren so lange, bis sie haben, was sie wollen. Ein ganzes Rudel ist es dann an Vögeln, die es plötzlich eilig haben, handtellergroße Brocken Brot davon zu tragen oder, noch besser, sofort zu verschlingen. Meistens kommen die Badenden noch rechtzeitig um zu sehen, wie ihr Mittagessen im Sand verteilt und mit triumphierendem Kreischen verschleppt wird.

Das Hotel del Coronado ist ein Schloss am Strand, mit eigenem Kräutergarten und einer Geschichte, weil es im amerikanischen Maßstab ziemlich alt ist. 1888 gebaut war es von Beginn Gaststätte für die Reichen und Berühmten, L. Frank Baum schrieb hier sein Wonderful Wizard of Oz und Marilyn Monroes Some Like it Hot wurde 1958 hier gedreht.

Das Old Town von San Diego ist zum Teil ein Freilichtmuseum, das Einblick gibt in die Geschichte der Stadt. Wells Fargo zeigt einige Postkutschen und hinter Glas kann man Morsemaschinen und Goldnuggets bestaunen, am Hauptplatz kommt aus den Restaurantgärten mexikanische Musik und der Geruch von Burritos und Käse, kurz muss man überlegen, ob man noch in den USA, oder doch vielleicht schon 30 Meilen südlich, in Mexiko ist.

Tag 20 Lake Havasu – San Diego

Der Weg geht durch das Mojave Desert nach Südwesten, und die Fahrt dauert lang. Die Eintönigkeit hinter der Autoscheibe ermüdet, das Navigationsgerät gibt Angaben wie in 90 Kilometern links abbiegen, und die Sonne brennt durch das Seitenfenster. Ein heller Streifen ist die Straße, schnurgerade durch die steinige Umgebung, dann macht sie einen Knick und verläuft sich wieder in einer Linie im Horizont. Es gibt eine Bahnstrecke, die teilweise parallel zur Straße läuft und aus irgendeinem Grund haben sich Menschen hier her verirrt und Namen, Sprüche und Symbole mit schwarzen Steinen in den Sand des Bahndamms geschrieben. Ein seltsamer Anblick, denn hier gibt es sonst nichts, so weit man blicken kann, keine Häuser, keine Open Ranches, kein Vieh, das durch die Gegend zieht. Nur von Bergen umgrenztes Braun.

Das Mojave Desert ist eine Regenschattenwüste und das klingt wie ein Gebiet aus der unendlichen Geschichte. Es bedeutet, dass sich die Regenwolken vor den Bergen stauen und der Regen so gut wie nie bis in das Wüstenbecken vordringen kann. Die ganze Größe der Wüste, zu der auch Las Vegas gehört, ihre umfassende Zähigkeit offenbart sich hier. In der Nähe des Joshua-Tree-Nationalparks beginnen Siedlungen, flache Häuser, die auf einmal in die Wüste gestreut sind und das Elend eines Ghettos reflektieren, manche noch bewohnt, manche verfallene Haufen an Pressspanplatten und Plexiglas.

Ein Großteil der Bewohner dieser Siedlung ist Navajo, oder Diné, wie sie sich nennen, und wirft man einen Blick auf die Geschichte dieser Volksgruppe, verwundert es, dass es überhaupt noch Diné in dem Land gibt. Immer wieder wurden sie vertrieben, umgesiedelt, die Regierung erschoss ihnen einen Großteil des Viehs, als die Stückzahl zu hoch für das Land wurde, und das war in den 1930ern und 40ern, 1974, als es zu Streitigkeiten zwischen den Diné und den benachbarten Hopi-Stämmen kam, verabschiedete die Regierung ein Gesetz, das dazu führte, dass fast 12.000 Diné ihr Land verlassen und in gestellte Wohnungen umziehen mussten. Heute leben an die 300.000 Diné in Nordamerika und trotzdem scheinen sie eine sozial wenn auch nicht belächelt, so aber bestimmt schwer benachteiligte Volksgruppe zu sein. Dabei leben sie seit etwa 900 n.Ch. in Amerika.

Der Joshua-Tree ist eine Yucca, die riesig wird und in meinen Augen nicht mit Schönheit besticht, trotzdem ist ihr ein ganzer Park gewidmet. Sie gedeiht in der steinigen, warmen Gegend bestens und steht zottig zwischen anderen Überlebenskünstlern der Pflanzenwelt.

Kommt man nach San Diego, spürt man den Wind, der aus Mexiko heraufweht, bildlich gesprochen. Die Hälfte der Radiosender spielt plötzlich spanische Schlager und Werbungen am Straßenrand sind zweisprachig oder nur Spanisch gehalten.

Die Comic Convention endete vor einem Tag, trotzdem sind Captain America, Hulk und Spiderman allgegenwärtig, in den Auslagen verschiedenster Shops liegen noch Comicmagazine, die Besucher der Comic Con anlocken sollten.

Das Nachtleben beschränkt sich auf das Gaslamp-Viertel und spielt sich auf der Straße vor den Lokalen ab, bei einer Temperatur von fünfundzwanzig Grad sind die Röcke immer noch sehr kurz gehalten, zwischen einer Karaoke Bar und einem Mexikaner stehen vier Türsteher und schwitzen in ihren Anzügen. Einige Gassen weiter schlafen Menschen in Hauseingängen, manche haben sich dafür kleine Nester aus Decken und Kleidung gebaut, die Hunde an den Körper geschmiegt, andere liegen am nackten Beton, eine Hand notdürftig unter der Schläfe.