Amerika Film

Für all jene, die sich durch den Reisebericht geschmökern haben und ihre Fantasie in Bildern bestätigt sehen wollen – ein 9 min. Film von den schönsten Orten!

(Und natürlich auch für alle, die sich nicht durch die Wortwülste kauen wollen, aber trotzdem Lust auf Fernweh haben:-))

Tag 3 San Francisco – Sacramento

Wieder hüllt sich das morgendliche San Francisco in unerwartete Kühle, beim Spaziergang zum Union Square habe ich unter der Jeansjacke eine Gänsehaut. Am Square stellen Maler und Malerinnen ihre Kunstwerke aus, sitzen und Sonnenschirmen und erzählen mit verschränkten Händen, wenn man sie fragt, welches der Ausgestellten ihr Lieblingsbild ist. Das Leben geht ruhig ab, hier in dieser Insel, rund herum schäumen die Autos und Cable Cars und Touristen, mittendrinn stehen ein Obdachloser und ein Polizist, beide auf den Briefkasten zwischen ihnen gestützt und der Polizist sagt let’s not make it a big thing.

Mit dem gemieteten Auto nach Sacramento und alle sind unzufrieden, weil es ein Mercury Grand Marquise ist und weil der Wagen aussieht, als wäre er aus den Achtzigern, dabei ist er letztes Jahr gebaut worden. Wir fahren zur Lombard Street und blicken die Windungen hinunter und ich steige aus, um zu filmen, wie die Autos durch die Straße schwenken und ihre Insassen hinausfotographieren und dabei sehe ich endlich die Papageien, die lärmen und über meinen Kopf hinwegziehen.

Die Fahrt nach Sacramento ist kurz, aber man klagt über die Untechnik des Wagens und gleichzeitig steigen draußen die Temperaturen in einem verrücktem Tempo. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt hat es schon fast 40 Grad, das Grün ist einem trockenem Gelb gewichen und Staub frisst sich in die Ritzen der Windschutzscheibe. Erst am Abend kühlt es ab, als ich am Pool sitze, die Füße bis zu den Knöcheln im Wasser. Das Brummen der Klimaanlagen dominiert die Nacht.

Tag 2 San Francisco/

San Francicso view

Aufwachen zu dem Heulen der Polizeisirene, wie im Film, und wieder scheint die Sonne. Vor dem Schiebefenster rostet die Feuerleiter in der kalten Luft, der Magen knurrt und hat den Jetleg auch noch nicht ganz überwunden. Frühstücken im Pinecrest also, mit Metalltischen und SüdamerikanerInnen in der Bedienung, die bringen Spiegeleier, Kartoffelrösti, Pancakes mit Ahornsirup, Bacon und kleine Würstel, sie schenken Filterkaffee nach, der erstaunlich gut schmeckt, und stellen Silberschälchen auf die Tische, in denen vier verschiedene Sorten von Marmeladetiegel und Kaffeesüßer stecken. Hinter der Bar ist direkt die Küche, am Nebentisch sitzt eine Familie, die Kinder trinken Milch und Orangensaft aus großen Gläsern mit Strohalmen. Die Sonne durch die Scheibe ist warm am Rücken, aber draußen hat es gerade einmal 13 Grad.

cable car San Francisco

Die Fahrt mit der Cable Car gestaltet sich aufregend, ich sitze, wie langweilig, und hänge nicht halb auf der Straße, wie die mutigen Touristen, die sich dabei von ihren Frauen fotographieren lassen und tapfer an die Haltestangen geklammert die Nasen in den Wind recken. Der Mann an der Bremse erklärt jedem bereitwillig, wie die Cable Car funktioniert. Es rattert bergauf, dann wieder bergab, mir kommt der Gedanke, dass, würden die Straßenbahnen schneller fahren, ganz San Francisco eine riesige Achterbahn sein könnte.

Beim Coit Tower, las ich im Reiseführer, gäbe es Papagein und die will ich sehen, aber der weg ist weit und der Plan unten am Pier verwirrend, drum schwitze ich, als ich endlich bei dem Tower bin und weit und breit kein Papagei. Für 7 Dollar kann man mit dem Aufzug nach oben fahren und über die Stadt sehen, als ich wieder unten bin, entdecke ich einen Kolibri neben den ganzen Libellen, die durch die Gärten des Telegraph Hills schwirren. Ein Kolibri, wenn man so etwas sieht, ist es schon etwas Besonderes, steht in der Luft und die Flügel sind unsichtbar fürs Auge, dann bewegt er sich weiter in einer fließenden Bewegung zwischen den Blüten, die größer sind als er.

pier 39 San Francisco

Beim Pier 39, in Fisherman’s Wharf wird man empfangen vom Geruch frischer Donoughts, von Waffeln und diesen Bohnensuppen im Brotlaib. Gegrillter Fisch mischt sich in der Luft mit den Kirschen, die um 10 Dollar das Viertelkilo angeboten werden und die Leute kaufen und schieben sich durch die Shops mit T-Shirts, auf denen steht Swimteam of Alcatraz oder San Francisco Giants und essen aus Kübeln, in denen dreißig heißfrische Minidonoughts stecken. Und dann kann man die Sea Lions beobachten, von dem höher gelegenen Steg aus, während draußen die abenteuerlustigen in den riesigen Speedbooten durch das Meer pflügen.

Mit dem Bus zu fahren, ist nicht so lustig, wie mit der Cable Car, dafür kommt man schneller voran und auf und ab geht es trotzdem. Die Golden Gate Bridge ist im Nebel, als ich komme und es ist wirklich kalt, der Wind pfeift über uns Touristen, die hinaus pilgern und das Drahtsein bestaunen, das ausgestellt ist und veranschaulicht, wie viel diese Konstruktion aushalten muss. 1937 gebaut sieht die Brücke edel aus und das Rot ist schon sehr typisch. Weiter draußen hängt ein Krisentelephone, there is hope, für diejenigen, die vorhaben, die achtzig Meter in die Tiefe zu springen. Auf der Brücke hat der Wind endlich etwas Angenehmes bewirkt, nämlich den Nebel verblasen, sodass man sogar sieht, worauf man steht. Der Blick ist weit, in die Buch, zur Gefängnisinsel, bis zur Stadt. Unten im Wasser tauchen zwischen den badenden Kormoranen Sea Lions auf und halten ihre Köpfe aus dem Wasser. Es ist durch die Autos und den Wind so laut, dass mir die Worte aus dem Mund gerissen werden und sie ungehört über dem Meer verschwinden.

Golden Gate

Tag 1 Wien – San Francisco/ Glaub mir, morgen bist du wieder normal

ughafen

Der Tag hat 27 Stunden. Vierzehn davon im Flugzeug, wo jedes Zeitgefühl flöten geht. Zwischenstop in London Heathrow, vier Stunden Aufenthalt im Terminal 3 mit den anderen Gelangweilten, die herausgefunden haben, dass es kein W-Lan gibt, dass dafür der Kaffee bei Strabucks viel weniger kostet, als zu Hause (in meinem Fall zumindest), dass man aber verdammt noch einmal in Britische Pfund umtauschen muss, um an die Double Shot Latte zu kommen und dass da, beziehungsweise in den Spesen, der Hund begraben liegt. Am Ende kommt es dann doch teurer.

Und was machen Menschen, die warten müssen und deren Bewegungsradius eingeschränkt ist? Sie a) essen, b) lesen/hören Musik oder c) schlafen auf neben und unter den spärlichen Bänken, die Füße und Ellbogen auf ihren Koffern, nur um die Zeit zu töten, die so erbärmlich dahinkriecht. So ähnlich ist auch das Programm im Flug von London nach San Francisco. Essen, Entertainment, Schlafen, Zeit verbrennen.

Das Flugzeug ist doppelstöckig und es gibt eine Bar, eine Bar!, trotzdem bleibt dem/der StandartpassagierIn nur so viel Platz, wie die Schultern breit sind und die Knie lang. Draußen knallt die Sonne gegen das Fenster, den ganzen langen Tag. Der hat für mich schon um 04:00 begonnen. Man steht auf und dehnt die Beine, geht aufs Klo, nur um sich zu bewegen und drückt sich durch die engen Reihen, wo die Leute die Schuhe ausgezogen haben und unter den roten Decken versuchen, den Schäden der Klimaanlage zu entgehen.

Wir fliegen über Grönland und unten treibt Eis, über Canada und die Rocky Mountains sind zu sehen und dann kreist sich der schwere Luftkörper über San Francisco ein, ein Zipfel der Golden Gate Bridge ragt aus dem Nebel um Hallo zu sagen, das Finanzviertel strebt hoch und ist sogar aus der Vogelperspektive imposant.

Nach dem Landen und dem Gerumpel mit dem BART im Zentrum von San Francisco, aber was am folgenden Tag wahrscheinlich lebendig und kreativ ist, ist jetzt nervtötend laut, Menschen, die gegen mich und den Koffer hinter mir stoßen, Bettler mit ihren leeren Starbucksbechern in denen ein paar Cent gegen einander klatschen, die Straße zum Hotel in der Gearystreet überschwemmt von Leuten und dann auch noch bergauf. Grantig bin ich nach über 24 Stunden Wachsein und ohne Nacht, und ich mag die Leute nicht, die das Pech haben, meinen Weg zu kreuzen.

Chinatown

Auf der Suche nach Abendessen in Chinatown, wo zwei geschickte Restaurantmitarbeiterinnen einen förmlich zu ihrem Arbeitgeber schleppen, durch die Gasse in der rote Lampions schaukeln. Ich bin immer noch überfordert vom Schlafmangel und den Menschen, und denke an an London, wo alles so ähnlich aussieht. Nur dass es hier ständig bergabbergauf geht und hinter jedem Hügel eine neue Aussicht aufwartet. Ich löffle die Nachspeise dankbar und geniere mich für meine schlechte Laune, Geschenk des Hauses, eine Kugel Grünteeeis mit dem Glückskeks. Und dann nach 27 Stunden schlafe ich traumlos in einem Kabinett mit alten Spiegeln und Troddeln an den Vorhängen.