Amerika Film

Für all jene, die sich durch den Reisebericht geschmökern haben und ihre Fantasie in Bildern bestätigt sehen wollen – ein 9 min. Film von den schönsten Orten!

(Und natürlich auch für alle, die sich nicht durch die Wortwülste kauen wollen, aber trotzdem Lust auf Fernweh haben:-))

Tag 27 New York – Wien

Der letzte Tag in den USA. Der Morgen ist schwül und warm, wie die vergangenen Tage. Nur einmal hat ein starker Regenguss über den gelben Himmel gewaschen, sonst blieb es sonnig. Die Met steht strahlend im Mittagslicht, vor dem Brunnen lassen sich Ballettmädchen fotografieren, dort wollen sie einmal hin.

Ein besonders seltsames Gebäude ist das Flat Iron Building. An einer Seite läuft es spitz zu, und steht da, als könnte es jeden Moment zur Seite kippen.

Im Central Park ist am frühen Nachmittag einiges los, Kutschen, Räder, Rikschas und LäuferInnen sind unterwegs, auf einer Bühne wird ein Jazzkonzert gegeben und an einem anderen Ort haben sich RollschuhfahrerInnen versammelt, um gemeinsam zur Musik eines DJs zu fahren und zu tanzen. Um den Rollschuhplatz haben sich Schaulustige versammelt, sie sitzen auf den flachen Steinen und wippen mit den Köpfen im Takt.

Auf den Liegewiesen baden Hunderte in der Sonne, dahinter erhebt sich eine Wand an Wolkenkratzern. Sie sehen aus, wie hineingezeichnet.

Das Taxi, das uns aus Manhattan bringt, ist ein Grand Marquis, ein letzter Seitenhieb, und er schaukelt durch Schleichwege, über die Brücke nach Queens und schließlich zum Terminal 4 des JFK Airports, der so groß ist, wie eine Stadt. Ab jetzt beginnt das Warten, das Herumsitzen, Taschen-kontrollieren-lassen, das Parfumtesten im Dutyfree und das auf Anzeigetafeln-Starren. Keine Verspätungen. Sechs Stunden nach London, wieder das gleiche Spiel, weitere zwei Stunden, dann ist man wieder in Wien, wo das Wetter gnädig ist. Die Zeitverschiebung nimmt man nicht wahr, weil man ohnehin streichfähig ist. Die Eindrücke des letzten Monats bleiben noch im Kopf sitzen, wie funkelnde Steinchen, und man holt sie vorsichtig heraus und bestaunt sie von allen Seiten.

Tag 26 New York

Um Manhattens Skyline sehen zu können, bietet es sich an, von draußen herein zu kommen, über die Brooklyn Bridge. Leider ist es heiß, so heiß, dass sich alle, die über die Brücke komme, den Schweiß von den Stirnen wischen und nur wenig Freude daran haben, an der Brüstung zu lehnen. Hinunter sieht man kaum, denn die Straße für die Autos verläuft direkt unter der Fußgängerbrücke, außerdem wird gearbeitet und dafür sind Planken aufgestellt worden. Die Blicke, die auf die Hochhäuser fallen, sind dennoch beeindruckend, die Stadt steht da wie hingemalt. Auf dem bronzenen Schaubild in der Mitte der Brücke ist das World Trade Center noch eingezeichnet. Jemand hat R.I.P darüber geritzt.

Im Schatten des Washington Parks liegen Leute unter den Bäumen und sehen dem Treiben im Brunnen zu. Die Fontaine ist wie das Licht für Fliegen, Kinder stehen gebadet im Wasser und Erwachsene halten die Füße in die Abkühlung. Ein Mann badet sich sowohl im Wasser als auch in der Aufmerksamkeit der anderen. Unter dem Triumphbogen des Parks spielt ein Student auf einem Klavier, die Musik weht bis zu der Gruppe von Trommlern, die etwas weiter weg sitzen.

Die beste Sicht auf die Stadt bekommt man aber erst, wenn man sich nach oben begibt, hinauf, hinauf. Das Rockefeller Center hat hierfür in einem der vielen Türme, dem GE Tower (zweitgrößtes Hochhaus New Yorks) eine Aussichtsplattform errichtet. Von Top of the Rock aus überblickt man – wie ein Kapitän das Meer – die Häuserschluchten und silbernen Hälse, die sich rund herum aufrichten und nach oben blinzeln, dazwischen der Central Park, ein grüner Teich. Ist das Licht richtig, fühlt man sich ein wenig wie eine Taube, die hochgetragen wurde, oder wie ein Adler, für diejenigen, die mit Tauben nichts anfangen können.

Der Broadway ist unglaublich lang, er zieht sich durch halb Manhattan, nur da, wo er die 42th Street schneidet, wird er für TheaterliebhaberInnen interessant. Selten hat man so viele Stücke auf einem Haufen und am Abend, wenn die Vorstellungen gegen elf Uhr enden, strömen aus den verhältnismäßig kleinen Ausgängen auf einmal Massen an beschwingten TheaterbesucherInnen.

HAIR spielt es im St. James Theater, in einer Seitengasse zum Broadway, der 44th, und es wird eine Lottery um die ersten beiden Reihen veranstaltet – das heißt, man gibt seinen Namen an und kann, wird man gezogen, zwei Karten um jeweils 27 Dollar kaufen. Dionysos war uns hold und ließ uns Tickets für die erste Reihe Mitte gewinnen, eine dritte Karte auch nicht weit entfernt gab es noch dazu, damit wir alle einen schönen Abend hatten. Hair hat für mich eine lange Geschichte und ich habe es mit dem Wahnsinn einer Vierzehn bis Sechzehnjährigen im Raimundtheater verfolgt. Deswegen wusste ich auch, dass Berger gleich zu Beginn des Stückes mit den Leuten der ersten Reihe redet – neu war, dass er meine Mutter als die Seinige erkannte – wow, my mum is here – und umarmte. Die Tatsache, dass sie aus Austria kommt sorgte für freundliches Gelächter im Publikum. Durch die späten Sechziger getragen verging der Abend in einem Taumel an Farben und Melodien, am Schluss wurde Let the Sunshine in gegeben, während das Publikum, soweit die Kapazität dafür da ist, auf die Bühne darf um mit den DarstellerInnen zu tanzen.

Nachher gab es noch ein Foto mit Mamas neuem Sohn, Steel Burckhardt aka George Berger. Die Straßen rund um den Times Square sind immer noch voller Menschen, die den Trubel suchen und im Licht der Reklamen der Nacht entkommen wollen.

Tag 24 New York

Um mit den drei Stunden Zeitverlust, die man auf der Strecke von San Diego nach New York hatte, umgehen zu können, schläft man länger. Der Morgen beginnt geruhsamer, schon alleine deswegen, weil es früher Nachmittag ist, als wir endlich auf die Straßen hinaus kommen.

Mit den Ubahnen kommt man schnell voran, angenommen, sie kommen sofort. Die Wartezeiten sind um einiges länger, als von Wien gewohnt, dafür ist es möglich, mit manchen Linien besonders flott weiter zu kommen – es sind Expresslinien, die nur an bestimmten Stationen halt machen. Nicht alle Züge sind klimatisiert und die, die es nicht sind, werden zu Riesensaunas, in denen die Menschen schwitzen und mit ihren Zeitungen oder Händen fächern, die Augen rollen und mit ihren Sitznachbarn darüber schimpfen, dass es unerträglich ist. Und das ist es wirklich.

Das Stephen A. Schwarzman Building, eine der vielen Public Libraries, liegt neben einem Park, in dem auf einer Bühne eine Ballettaufführung geübt wird, ohne Musik, nur die Lehrerin steht in buntem Fummel unten und ruft hinauf one and two, three, four, don’t look down!, five and six-, in der Bibliothek drinnen ist es leise, trotz der vielen Touristen, deren Taschen durchsucht werden, beim Hinein- und Hinausgehen.  In einem Flügel, zwischen den Büchern über Englische und Amerikanische Literatur, sitzen Leute, die tatsächlich lesen und arbeiten, und welche, die in einer Hand den Fotoapparat und den Stadtplan haben, einen Einkaufssack von Juicy Couture oder Hollister oder Aeropostale um das Handgelenk, die Füße heiß in den Sneakers. Sie starren gegen die aufwendige Deckenkonstruktion und denken wahrscheinlich an etwas ganz anderes.

In der Grand Central Station herrscht wieder nervöses Treiben, hier kommen Züge und Subways zusammen, die Menschen, die es eilig haben, woanders hin zu kommen und die, die herumstehen um Fotos zu machen, um Geld zu erbitten, um Werbung zu machen, um auf jemanden zu warten.

In New York ist es auch möglich für den New York Athletic Club einen Jahresbeitrag von beinahe achttausend Dollar zu verlangen und den Mitgliedern Kleidervorschriften zu machen. Wer nicht in Hemd und langer Hose kommt, darf nicht beim Haupteingang herein. An Mitgliedern mangelt es dem Club, der aus einem ganzen Hochhaus besteht, trotzdem nicht.

Chinatown liegt im Südosten von Manhatten und verspricht dem Reiseführer nach, bunt und aufregend zu sein, nirgendwo sonst im Westen leben so viele AsiatInnen in einer Stadt. Zur falschen Zeit dort, spät Abends nämlich, ist die Canalstreet, die nach Chinatown führt, schmutzig vom Tag. Neben dem Ubahnaufgang bieten Männer Prada und Guccitaschen um zwanzig Dollar, weiter in dem Viertel ist dann gar nichts mehr los. Die Rollläden sind heruntergezogen und die wenigen Shops, die noch offen haben, verkaufen Uhren, Parfums, Taschen und Kinderspielzeug, alles in einem kleinen Raum, zu billigen Preisen. Um dreiundzwanzig Uhr machen auch die meisten Restaurants dicht, dann schläft Chinatown.

Tag 19 Grand Canyon – Lake Havasu

Vom Grand Canyon aus geht es weiter nach Süden und die Temperatur steigt wieder über 40°C. Wir fahren die Route 66, die historische Straße, die 1926 eröffnet wurde, und seit der Errichtung des Highway Systems 1985 keine große Rolle mehr spielt. Damals war sie die Verbindung von West nach Ost, 3945 Kilometer ist sie lang. Heute fährt kaum jemand die einspurige Straße entlang, zumindest nicht zwischen dem Grand Canyon und Kingman und die Orte, die das Pech haben, an ihr zu liegen, schrumpfen und sterben dahin.

Seligman ist ein Ort, gleich neben der Autobahnausfahrt 123 in die Route 66 und er lebt davon, dass sich Touristen hier her verirren. Eine einzige Familie betreibt hier den Eissalon und den Souvenirshop, die Garage und wahrscheinlich auch die Tankstelle, und es wird gesammelt, was von damals übrig ist. Alte Autos und Nummerschilder, Tanksäulen und Cola Automaten, Bilder von Elvis, James Dean und Marilyn Monroe lachen aus den Fenstern des ehemaligen Friseursalons, der jetzt gepflastert ist mit Visitenkarten und Geldscheinen aus aller Welt, von all denjenigen, die hier vorbei kamen und Lust hatten, sich zu verewigen.

Der Schwiegersohn der Familie aus Seligman begrüßt uns, als wir in das Souvenirgeschäft kommen und fragt sofort, woher wir sind, dann erzählt er, dass seine Urgroßeltern aus Tirol kamen. Sie hatten sich auf Reisen in Mexiko kennen gelernt.

Weiter gibt es Orte, die Namen haben wie Valentine, und aus drei oder vier Häusern bestehen, dazwischen kommt man aber auch an Gebieten vorbei, die keine Ortstafeln mehr besitzen, Tankstellen aus denen Bäume wachsen und Tanzhäusern mit vernagelten Fenstern.

Am Ende des Abschnittes der Route 66 ist ein anderer Ort, Hackberry, diesmal gibt es überhaupt nur ein Grundstück, auf dem sich alte Autos und Erinnerungen an die 50er und 60er häufen, etwas unheimlich wird es trotz der Hitze und der Sonne, hinter dem Tankstellenhaus, in dem Tshirts verkauft werden und Kleinigkeiten zu essen, denn dort hat sich die Sammelleidenschaft zu einem rostigen Chaos entsponnen, die beiden Häuser haben eingeschlagene Scheiben und in dem Abschnitt, der einmal ein Blumenbeet war, liegen weiße Kuhschädel.

Lake Havasu liegt zwischen Arizona und California, er ist Teil des Colerado Rivers. Die Menschen, die nach Lake Havasu City kommen, oder hier leben, befahren den See mit Speedbooten, es schwimmt kaum jemand, als es Abend wird. Es hat immer noch knapp über vierzig Grad. Der Strand ist gepflegt, mit überdachten, einbetonierten Bänken und Tischen, eigenen Grillplätzen und einem Schwimmbereich, der von Schlingpflanzen befreit wurde. Trotz der hohen Temperatur des Wassers, es hat 28°C, sieht man auch an tieferen Stellen bis zum Grund, wo Muscheln zwischen flachen Steinen liegen. Am Rücken dahin treibend bildet der Himmel ein Oval, das auf einer Seite feurig wird, bis die Sonne untergeht. Am Ufer tauchen Vögel auf, und zierliche Hasen suchen nach Futter.

Tag 18 Monument Valley – Grand Canyon

Viele Möglichkeiten zu übernachten gibt es im Monument Valley nicht, die meisten kommen am frühen Morgen mit verstaubten Autos in den Park gefahren. In den 50ern entdeckte Hollywood die Gegend und machte sie zum Wilden Westen. John Wayne drehte vor Ort, in der Goulding’s Lodge, unserer Herberge, gibt es jetzt noch ein Filmset.

Der Weg geht weiter nach Süden, zum Grant Canyon, dem Meister der Canyons. Der Abriss, der sich plötzlich in der Landschaft auftut, ist unerwartet und so tief, dass man denkt, eher eine Filmkulisse, als tatsächliche Gegend vor sich zu haben.

Am South Rim, dem Rand der Canyons, führen gut abgesicherte Wanderwege entlang und der Blick wird immer wieder in die Schluchten eröffnet, unten windet sich der Colorado River wie ein kleines, silbernes Band.

Besucher gibt es hier viele, und diejenigen, die das beste Foto haben wollen, klettern an den Rand der Felsen, auf allen vieren, dann drehen sie sich um und grinsen unsicher in die Kameras. Aus dem Canyon erheben sich Kondoren mit nackten, roten Köpfen und ziehen über die Touristen hinweg.

Gegen Mittag ist es heiß, trotz der Höhe, und der Wald, der bis zum Rand der Schlucht gekrochen ist, duftet harzig. Am Abend füllt sich der Parkplatz von neuem und auch die Felsen werden bevölkert. Besucher kommen mit Decken, Getränken und Pizzaschnitten und hocken sich auf die harten, grauen Steine, den Blick über den Canyon gerichtet, als warteten sie auf den Beginn eines Konzertes, alle bemüht um den besten Platz.

Dabei ist es der Sonnenuntergang, dem entgegen gefiebert wird. Um 19:45 verschwindet der rote Feuerball hinter dem Plateau und die Menschen klatschen, dann packen sie ihre Sachen ein und steigen vorsichtig zurück. Der Parkplatz leert sich wieder.

Tag 17 Moab – Monument Valley

Moab ist eine kleine Stadt, aber sie hat einen Pizza Hut, einen McDonalds und einen Burgerking. An der Hauptstraße werden in touristischen Shops Tshirts und Ansichtskarten verkauft, der Star der Gegend, der Delicate Arch, findet sich auf Taschen, Kappen, Tassen und Shirts.

Die Büsche am Straßenrand färben sich gelb und schließlich gibt es  nur noch wenige, robuste Gräser die aus dem Sand wachsen. Die Sicht ins Land ist weit, erst in größter Entfernung endet der Horizont in blauem Dunst.

Das Monument Valley ist kein Nationalpark, es ist Tribal Land und die Navajo besitzen den gewaltigen Landstrich. Von dem Reichtum und den gepflegten Wegen der Nationalparks ist hier leider wenig zu finden, links und rechts der Straße entlang sind Open Ranches, das heißt, ein laufender Maschendrahtzaun schließt die Straße ein, dahinter stehen magere Kühe, Schafe oder Pferde in der Hitze und ziehen auf der Suche nach Futter durch die Weiten. Die Tiere sind scheu und nicht an Menschen interessiert, trotzdem tauchen sie an manchen Stellen direkt neben der Straße auf, mit Knoten in der Mähne und spitzen Hüftknochen.

Die Häuser der Navajo sind flach gebaut und oft gibt es in der näheren Umgebung Hütten aus Holz oder Lehm, die an alte Zeiten erinnern, gebrochen wird die Idylle dadurch, dass mehrere Trucks um die Häuser stehen, immer auch einige ausrangierte darunter, und dass die eigentlichen Wohnhäuser oft einen heruntergekommenen Eindruck machen.

An den Aussichtspunkten tauchen Navajo auf, führen freundlichen Smalltalk und versuchen dann, selbstgemachte Ketten und Armbänder zu verkaufen, will man nichts, bitten sie um Donation für ein Science Projekt, ein Getränk oder die Familie, dann setzten sie sich wieder in ihre Trucks und warten auf die nächsten.

Vom Visitor Center aus ergibt sich der Blick auf rote Steinriesen, die zusammengekauert dahocken und Namen haben wie Left Glove, Right Glove, Elphant oder Camel. Aus dem Blickwinkel verändert sich ihre Form und sie werden zu buckeligen Alten, lauernden Katzen oder Giraffen. Der Abend kommt und bringt das herrlichste Licht, an der Mauer des Visitor Centers sitzen Touristen wie Schwalben, die Kameras im Anschlag, dazwischen betteln streunende Hunde. Auf die Frage nach einem Trail heißt es, es gibt nur einen, der führt um den Left Glove und dauert in etwa drei Stunden. Und es wäre keine gute Idee, denn nach Einbruch der Dunkelheit kommen die Schlagen. Die restlichen Wege sind nur mit Autos zu erfahren, und die benötigen eine Hight Clearance.

Der Chrysler, der zwar kein Ferrari, aber eben auch kein Jeep ist, schaukelt über die Bodenwellen und stolpert in Straßenlöcher, dann schnauft er in der Abendsonne, während ich Fotos mache, und  die Finger in den roten Sand grabe. Er ist weich, wie Puder und färbt die Handflächen. Mit dem Untergang der Sonne bauen die Najavo ihre Stände ab, zurück bleibt eine Dunkelheit, die alles verschluckt und, über ihr, der beeindruckenste Sternenhimmel.

Tag 16 Bryce Canyon – Moab

Durch den beliebten Bryce Canyon gehen viele Trails, teilweise auch am Pferderücken erkundbar. Wir steigen hinunter, über die Wallstreet, ein in vielen, engen Kurven gewundener Pfad, der so bevölkert ist, dass es an manchen Stellen eng wird. Von unten herauf schnaufen diejenigen, die dachten, der Weg wäre weniger steil, hinunter, noch voll Tatendrang kommen die, die den Marsch in den Queen’s Garden oder zum Sunrise Point vor sich haben. Die meisten Besucher sind Holländer, Japaner, Deutsche und Franzosen, nur hin und wieder hört man tatsächlich Amerikaner reden.

Die Nationalparks waren bisher perfekt gepflegt und auch hier ist es nicht anders. Die Trails sind geschottert und begrenzt, an jedem wichtigen Eck findet sich eine Tafel mit Informationen über die Gegend und der Aufforderung, die Natur zu achten, Wildtiere nicht zu füttern und nicht neben den Weg zu steigen, weil dadurch junge Pflanzen und winzige Biotope zertreten werden könnten, außerdem gibt es an jedem Parkplatz saubere Klos, Trinkbrunnen und Mistkübel. Es ist bei hoher Strafe verboten, Müll wegzuwerfen, etwas in die Steine zu ritzen oder das Wildlife zu gefährden und tatsächlich liegt nichts herum, was nicht hergehört. Nur der rote Sand windet sich durch die Lücken der Schuhe und des Rucksackes und reist mit in den Arches Nationalpark. Hier haben Wind, Wetter und Eruptionen Gebildete geschaffen, die als Brücken und Wackelsteine aus dem Wüstenboden ragen. Im Abendlicht leuchten sie rot und ihre Schatten zaubern Rohrschachtests auf den sandigen Boden.

Tag 15 Las Vegas – Bryce Canyon

Man verlässt Las Vegas mit dem Gefühl, dass die Party weiter geht. Durch das Valley of Fire geht der Weg weiter in den Zion und den Bryce Canyon. Wieder verändert sich die Landschaft im Laufe der Kilometer, die über einspurige Freeways abgespult werden. Zuerst Wüste, die Felsen sind rot, dann wird es bergig und kühler. Ein Trail führt in den Zion Canyon und am Ende denkt man, man wäre in Bruchtal und erwartet, die Elben zu sehen.

Die Kante des Felsen, auf dem man steht, reißt jäh ab, dahinter geht es hunderte Meter nach unten. Mormonen haben das Gebiet der jetzigen Nationalparks in den 1870ern für sich gewonnen, viel früher gab es Natives, die das Land bebauten. Der Bryce Canyon heißt so, weil Ebenezer Bryce das Gebiet mit seiner Familie besiedelte, vor etwa hundertfünfzig Jahren.

Hoodoo heißt in Navajo so viel wie Zauber und Hoodoos sind auch die Steinformationen im Bryce Canyon, die aufragen wie erstarrte Krieger. Die Landschaft ist einzigartig und am Aussichtspunkt, dem Sunset Point, warten die FotografInnen darauf, dass endlich die Sonne untergeht.

Tag 13 Las Vegas/Death Valley

Die Teufelstheorie unterstützend befindet sich etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt die Hölle. Getarnt als braune Wüstenlandschaft an deren Enden sich zackige Berge wellen. Die Hölle ist ein Nationalpark, Death Valley, und ihre Bewohner sind Schlangen, Skorpione und hin und wieder Weggefährten wie Hasen und zarte Füchslein. Die Straßen, die das Tal durchziehen, sind strikt gerade, so wie die meisten Grenzen hier, und sie verlaufen sich in der Entfernung, trotzdem liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei maximal 65 Meilen, eher aber bei 45, das sind etwa 70km/h.

Andere Autos scheint es aber kaum zu geben und der Gedanke an eine mögliche Panne gibt einen Stich im Hinterkopf. Man lobt den Erfinder der Klimaanlage, nachdem man zum ersten Mal ausgestiegen ist. Draußen hat es 48 Grad, Temperatur steigend. In Furnace Creek wurde 1913 die zweithöchste Temperatur der Welt aufegnommen, 56 Grad. Das war am 10 Juli, der Tag unseres Besuches war neun Tage später, 2011. Früher wurde im Death Valley Borax abgebaut, dafür haben Maultiere unendlich schwere Maschinen in die Wüste geschleppt und Minenarbeiter bei diesen Temperaturen Löcher in die Erde geschlagen, die jetzt noch zu sehen sind.

Der Bad-Water-Point liegt 80 Meter unter dem Meeresspiegel, die wenigen Wasserlaken sind so salzig, dass diejenigen, die versuchten, es zu trinken, das Tal frustriert Badwater genannt hatten. Jetzt wandern Besucher über die salzig, sandige Ebene und am Parkplatz hat jemand eine Pizza auf die Motorhaube seines Wagens gelegt, der Käse schmilzt nach wenigen Minuten. Entlang des Artist’s Drive entfalten sich hinter jeder Biegung neue Steinformationen, die einen aus der Kühle des Autos nach draußen treiben, die Kamera in der Hand, den starken Wind als ständigen Begleiter. Er fühlt sich an, als würde jemand in der Sauna mit dem Handtuch fächern.

Steht man auf dem heißen, steinigen Boden und blickt über das Flimmern, das Aussieht wie Wasser, aber nur eine Luftspiegelung ist, hört man kein Geräusch, keinen Vogel und kein Auto, man ist alleine mit dem Atem des Teufels im Genick.

Am späten Abend ist Las Vegas ein heller Fleck in der Dunkelheit rundherum, und der Lichtkegel, der vom Luxor aus in die Nacht geschickt wird, ragt hoch wie der Masten eines Schiffs. Mit dem Licht, kehrt auch der Lärm zurück, die vereinnahmenden Geräusche des Gewinns und des besonderen Angebots, der Shows und Vergnügungen.