Die kaiserliche Geisterstadt

Bad Gastein Pongau

Zugegeben, Geisterstadt ist eine Übertreibung, wenn auch eine schwache. Nicht zu vergleichen mit den seit Jahren verlassenen Häuschen und Tankstellen entlang der Route 66, aber immerhin leer genug, um seit Jahren einen bitteren Unmut zu schüren. Bad Gastein liegt in den Fuß des Graukogels gefräst, herausgewachsen aus der steilen Umgebung und dabei nicht zurückhaltend. Zumindest damals, als die Perlen an der Felswand zu gedeihen anfingen, so das Grand Hotel de L’Europe in 1909, oder über hundert Jahre früher, das Badeschloss. Luxusgebäude in Ausmaßen, die der damaligen Monarchie zur Ehre gereichten und dementsprechend Anlaufstelle für die Elite des Landes. Spaziert man heute durch Bad Gastein bleibt ein seltsamer Eindruck zurück. Hinter Baugittern sterben die alten Nobelanwesen vor sich hin, zumindest die vier, die vor einigen Jahren vom Wiener Franz Duval gekauft wurden, ein Spekulationsgeschäft, das der Gemeinde einen kurzen Segen bescherte. Duval kaufte und, was an sich sein gutes Recht ist, wartet darauf, wieder verkaufen zu können, nur schabt die Zeit an den Fassaden, den Dachrinnen und den Fensterstöcken der Gebäude, die seit Jahren leer stehen. Das Hotel Straubinger, das Badeschloss, das Haus Austria und das Kongresshaus haben ihren alten Glanz eingebüßt (sofern sie ihn je hatten mögen einige im Bezug auf den Kongress anfügen), im Hotel Europa ist das Casino beheimatet, aber das füllt noch lange nicht dieses Schloss von einem Hotel. Der Stillstand ist eingezogen in die Häuser, die unter Denkmalschutz stehen und es ist schade darum. Aus der Felswand bricht der Wasserfall, der mit seiner penetranten Feuchtigkeit die Gebäude berührt und weiter oben erwacht endlich das Leben der Gemeinde. Dort, neben der Felsentherme und dem Bahnhof, züngelt die Skipiste herein, ein Grund, warum sich Ausdauernde mit knirschenden Skischuhen das Bergauf und Bergab des Stadtzentrums antun und unter ihren Anoraks schwitzen, wenn sie mit den Skiern auf der Schulter nach oben wandern. Das Zentrum interessiert wenige und wird hin und wieder von einer Red Bull Veranstaltung aus dem Dornröschenschlaf gerissen, dann sinkt es wieder zurück hinter die halbherzigen Bauzäune und die heruntergelassenen Jalousien.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s