4/Ho Chi Minh. Freizeitschläfer und Albinoboas.

Saigon Notre Dame

Nach dem gestrigen Gewaltmarsch steht heute der Plan, es touristischer anzugehen. Der Morgen ist klar und bald warm, die Grünflächen werden gegossen und die Märkte gehen wieder von Waren über. Ich besuche die Kirche Notre Dame, die hübsch anzusehen ist und praktischer Weise direkt neben der Hauptpost liegt. Die ist um 1890 herum gebaut worden und Gustav Eiffel hat damals die gusseisernen Streben beigesteuert.

Saigon Hauptpost

Sie ist den Besuch wert, das finden auch die anderen Touristen, die die gleiche gute Idee haben wie ich, nämlich vor Ort Karten zu kaufen und direkt zu schreiben. Ein Mann in meiner Nähe meint, das sei ein ruhiges Haus und ich höre es nur mit einem halben Ohr, weil ich bemüht bin, die überdurchschnittlich großen Vietnamkarten zu füllen, aber dann verstehe ich ihn doch. Es ist wirklich ruhig in der Posthalle, trotz der vielen Menschen; es muss an der Architektur liegen und an den klaren Linien.

P1080432 (2)

Ich gehe die Le Duan Allee weiter, an Businesstower und Nobelhotels vorbei und stehe irgendwann am Botanischen und Zoologischen Garten an. Eigentlich möchte ich mir noch das historische Museum ansehen, das im selben Gelände untergebracht ist, aber dort herrscht Dunkelheit und Mittagssperre. Dafür macht das Geschrei aus dem Zoo die Museumsruhe wett. Ich zahle den Eintritt von zwölftausend Dong, also keine 50 Cent, und versuche mich in dem Durcheinander von Kindern, Bummelzügen und Lautsprecherdurchsagen zu orientieren. Eigentlich möchte ich den Garten sehen, aber die Mittagshitze ist drückend und mein Kreislauf befielt mir, mich neben dem Giraffengehege auf den Boden zu setzen. Rings um mich hocken Familien auf mitgebrachten Decken ode Zeitungspapier und halten ihr Picknick ab, alle scheinen wunderbar gelaunt und wer schon gegessen hat, rollt sich auf die Seite und hält ein Schläfchen ab.

P1080443 (2)

Ich fühle mich blöd, zuvor einen Umweg gemacht zu haben, um nur ja nicht in die Wiese zu treten, als ich sehe, dass die Leute hier Hängematten mitgebracht haben, die sie zwischen den Bäumen spannen und dass sie jedes Fleckchen Rasen nützen, um sich darauf breit zu machen.

P1080448 (2)

Die Tiere sind nur eine Nebenerscheinung, die mehr oder weniger aufgeregt wahrgenommen wird. Auf der Suche nach den seltenen Pflanzen, die Dumont versprochen hat, komme ich an einer Gruppe von Jugendlichen vorbei, die unter dem alterstypischen Gekreische im Kreis sitzen und etwas wie Wahrheit oder Pflicht spielen. Ich bin mit den Gedanken schon bei den Gibbons, die das einzig halbwegs vernünftige Gehege haben, als ich Trippeltrappel hinter mir höre. Mein Griff geht automatisch zur Handtasche, dann sehe ich, dass mir einer der Jungs nachgerannt ist, sich jetzt, da ich mich umgedreht habe, einbremst und „I love you!“ schreit, dabei hat er die Augen am Boden. Dass ich mit „I love you too“ antworte, finden seine Freunde großartig und sie begrüßen den Mutigen zurück im Kreis.

Saigon Zoo Python

Ich wandere müde weiter und hänge meinen Gedanken nach. Darin verschwindet das Glas vor dem Phytongefängnis wie in Harry Potter und der Stein der Weisen, der weiße Tiger mit den Schneeaugen zwängt sich durch die Stäbe und macht sich über einen Suppenstand her, ich sehe, wie die Elefanten über die Absperrung steigen und die Wärter im Vorbeigehen mit erhobenen Rüsseln zum Schweigen bringen, wie sich das Orang-Utan Paar an der Hand nimmt und sich vor dem Zoo ein Taxi bestellt, das sie weg bringt von hier.

Zuschauer vor Elefantengehege

Aus den Gedanken lasse ich mich nur ungern reißen, aber plötzlich stehe ich im botanischen Garten und bin beeindruckt von der Vielfalt und der Üppigkeit der Pflanzen. Die Palmen sind haushoch und zerfallen oben in ausladende Fächer, im Orchideenhaus blüht der bunte Überschwang und dazwischen wippen schwarze Schmetterlinge, die so groß sind wie Spatzen.

Botanischer Garten Saigon

Ich bewundere die Blumen und merke mir keinen einzigen Namen und als ich mich sattgesehen habe, mache ich mich auf zum Fluss. Der Weg hin führt durch eine enge Straße, das Leben hat sich jetzt, da der Nachmittag golden und mild ist, wieder nach draußen in die späte Sonne verlagert und die Vorbereitungen für das Abendessen sind schon an allen Ecken im Gange. Ich setze mich zum Flussufer und schaue in den Song Sai Gon. Auf seiner Oberfläche treiben Lotusblätter. Es ist für jetzt mein letzter Abend, morgen geht es ab nach Da Nang.

Saigon River View

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s