Nenn mich Freiheit

Auf der Straße fünfhundertvierer Peugeots mit Westdeutschlandplaketten und Fatimaaugen
Chinesische Motorräder chromstark und auch Männer in breiten Schlapfen an den Zehen, schlapf schlapf nicht zu hören weil
die Moschee mit dem Muezzin
die Hupdichte und das Motorknattern der Zweiräder; dazwischen:

ein Grauschimmel,

unstet aber nicht kopfscheu
nickend neben den Gefährten und den Kalesch-Mären mit ihren bitter gekräuselten Mäulern.
Er schrittet dahin,
kein verhetzter Trab notwendig.
Als dann doch Männer nach seiner Mähne greifen
und seine Stirn berühren,
folgt er, als sei es ohnehin sein Wille gewesen,
weil Augenblicke vor dem Fastenbrechen.
In der Nebengasse
steht schon
die Tafel für die Wenighabenden
liegen schon
die Fladenbrote und
sitzen schon
die Alten
die Hände
ineinander gefaltet und in der Nase Abgase und Koshari.

Das geht der Grauschimmel an ihnen vorbei und an den Winkeln ihrer Augen leuchten Erinnerungen auf an damals einmal.

Namen in die Unendlichkeit kratzen

Grabwandbemalung

Das was geblieben ist, liegt hinter Glas, bunt
und in die Wände geheiligt,
es greifen trotzdem welche hin,
weil sie es unter den Fingern spüren wollen,
das Ewigalte,
so wie früher,
die eigene Endlichkeit
musste
hineingeschrieben werden in die Tausendjahre,
die schon bestanden.
Um sich selbst dazulassen.
Um sich selbst weiter
zu
leben,
auch wenn am Schluss nichts mehr bleibt,
als ein Name,
W. Walling;
Carmelo Bonello 1835,
darunter gerötelt die neue alte Religion im Allerheiligsten von
Ramses IV.

Asiatische Reisegruppe beim Modell des Karnak-Tempels

Am Parkplatz Wummern,
Klimaanlagenschwanger, davor noch Papyrusverlauf und Artefakte aus den Gräbern mit Kühlschrankmagneten.
Oberarmampeln die von Sonnenstunden berichten und zu wenig LSF, aber nun mit Tutanchamunmaske für daheim, wo es in der Diele,
Oder im Fernsehkasten
Oder über dem WC
Eines von Vielen
Er-Innerlichungs-Attributen, die bleiben,
Wenn der Sonnenbrand vergangen ist und die Häutung stattgefunden hat.

Der Abend herbeigesehnt bei den einen weil zurück im Klimaanlagenzimmer und von den
Anderen
Weil endlich 18:11 und die Dattel
Und der Schluck Wasser
Und die Falaffel im Fladenbrot mit –
Begleitet vom Süßen
Ruf der Muezzine, ein gleichzeitiger Anhub der Stimmen im Staubabend
Und das Gehupe wird zum mezzoforte
Und den Mähren werden die Fesseln wundgebunden
Und die Kinder auf den Schoß genommen
Der Abend regelt die Nacht.

Bis 4:20 dann bricht der hungrige Tag wieder ein.

Knirschen unterhalb des Zwerchfells

Sand
Zwischen den Zehen aber ohne Meer,
dafür mit Socken und
Kilometern unter den Sohlen
Und am Nil warten die Feluken mit ihren Männern auf
Rotnackige
Spaghettishirtträger•innen,
kurzärmelig, kurzhosig
Aber ein Hut mit langer Krempe
Oder Schals mit Hieroglyphen-Print
(Zur besseren Markierung)
In absätzigen Damenschuhen oder
Turntretern,
je nachdem
ob Insta oder nicht.
Wassertanks in den Rucksäcken und
niedergedrückt
von der Hitze, die man daheim so herbeigesehnt hatte.

Menschen verlassen die öffentliche Fähre

Zwischen den Banenplantagen am Weg hinüber zur Nekropole
zwischen grünen Bienenfressern
und Wiedehopf und Ibis,
zwischen Männern auf bunten Traktoren mit Zuckerrohrladungen
Und dort
Frauen am Feld neben
Vogelscheuchen
aus alten Stoffen lebendige Silhouetten
Sie grüßen
Alabasterfabriken und Menschen im Schatten

Ermattet fastende Häufchen Kind oder Großvater oder Hund,
alles unter der Sonne wird oberflächenerwärmt.

Taxi

Taxi

Tax

xx

x

x

Zu weit der Weg im Staub hinauf in die Nekropole!
Zu heiß die Sonne!
Zu schlecht für das Geschäft, die Gehenden.

Taxi

Wofür ist sonst die Zeit da, wenn nicht für das Spüren, das Kauen am Sand in den Mundwinkeln
und Wimpernkränzen.